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Angeklagter bezahlt Strafe noch im Gerichtssaal

Berufungsverhandlung vor dem Landgericht Angeklagter bezahlt Strafe noch im Gerichtssaal

Die Berufungsverhandlung am Marburger Landgericht eines bereits zu einer Geldstrafe verurteilten Straftäters  ähnelte ein wenig dem „Gefeilsche“ auf einem Basar.

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Der Angeklagte soll zwei Gegner mit Fausthieben niedergestreckt haben.

Quelle: Archiv

Marburg. Gleich zu Beginn der Berufungsverhandlung vor dem Schöffengericht beim Landgericht Marburg machte der Vorsitzende Richter Dr. Frank Oehm der Anklagevertretung deutlich, dass unter seiner Regie das erstinstanzliche Urteil vom März vergangenen Jahres nicht so milde ausgefallen wäre. Doch davon ließ sich die Verteidigung nicht beeindrucken.

Ihr Ziel, wie Verteidiger Rüdiger Schmeltzer betonte, sei eine Einstellung des Verfahrens nach Paragraf 153, Absatz A, der Strafprozessordnung unter Auflagen.

Die Verteidigung ziele mit einem solchen Urteil darauf ab, bei einem anstehenden Schadenersatzprozess der Krankenkasse des Geschädigten in einer besseren Position zu sein.

Ursächlich endete ein nächtlicher Streit vor der „Unixbar“ am 16. November 2013 in einer Schlägerei, wobei der angeklagte 29-jährige Marburger mit zwei Fausthieben zwei Gegner niedergestreckt haben soll.

Während einer glimpflich davon kam, stürzte der zweite Beteiligte so unglücklich, dass er mit schwerer Kopfverletzung ins Klinikum eingeliefert werden musste.

Die Bilder der Kopfverletzung des Geschädigten wurden noch einmal begutachtet und sorgten für echte Betroffenheit.

Um ihrem Ziel näher zu kommen, bot die Verteidigung dem anwesenden Geschädigten, der in der Verhandlung als Nebenkläger auftrat, an, ihn mit 3 000 Euro Schmerzensgeld abzufinden sowie sämtliche Anwaltskosten zu übernehmen.

Da Staatsanwältin Katrin Ortmüller sich für alle Möglichkeiten offen zeigte, war es an der Nebenklage, zu dem Angebot Stellung zu nehmen. Die bestand zunächst neben dem Schmerzensgeld auf einem Schuldeingeständnis und einer Entschuldigung des Angeklagten.

Genau dieses könne er ja nicht geben, so Verteidiger Schmeltzer. Sein Mandant gebe zwar zu, Auslöser der Schlägerei gewesen zu sein, habe aber dem Nebenkläger die Kopfwunde nicht beigebracht.
Um dies zu untermauern, zitierte Schmeltzer aus dem erstinstanzlichen Protokoll, wonach keiner der Zeugen ausdrücklich seinen Mandanten als Täter identifiziert hatte.

Daraufhin wandte sich der Landgerichtspräsident an die Nebenklage und machte deutlich, dass bei einem Freispruch der Geschädigte auch völlig leer ausgehen könne.

Verteidiger will bürgen, Richter sagt Nein

Nach Beratung am Tisch stimmte die Nebenklage dem Angebot der Verteidigung etwas widerwillig zu.

Doch jetzt kam wieder Richter Oehm ins Spiel, der verlangte, dass der Angeklagte den Betrag von 3 000  Euro plus 1 500 Euro für die Verteidigerkosten innerhalb einer Stunde auf den Tisch legen solle. Ein Angebot des Verteidigers, für diese Summe zu bürgen, nahm der Richter nicht an.

So warteten alle mit Spannung auf die Rückkehr des Angeklagten, der bereits vor der Zeit zurück war. Er konnte bezahlen, und das Verfahren wurde nach Paragraf 153 Strafprozessordnung mit Protokollierung der Auflagen eingestellt. Was die Verteidigung mit diesem Urteil nun erreichen kann, muss abgewartet werden.

von Heinz-Dieter Henkel

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