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Angeklagter betrügt seine 90-jährige Vermieterin

Gericht Angeklagter betrügt seine 90-jährige Vermieterin

Wegen zweifachen Betrugs verurteilte das Marburger Amtsgericht einen 58-jährigen Mann zu einer Geldstrafe in Höhe von 3000 Euro.

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Quelle: dpa

Marburg. Ende 2013 beauftragte der Angeklagte eine Cappeler Firma, eine Außenbeleuchtung zu reparieren und neu zu installieren. Die Rechnung über 3200 Euro ging an die 90-jährige Hauseigentümerin. Der Angeklagte wohnt seit einigen Jahren zur Miete bei der älteren Dame im Haus und kümmerte sich auch um sie. Seit Februar 2013 hat allerdings ein Rechtsanwalt die Vermögenssorge der älteren Dame. Die drei berieten bisher zusammen über größere Ausgaben, die über dem Taschengeld der 90-Jährigen liegen.

Die ältere Frau hatte einmal den Wunsch geäußert, das Licht an der Garage reparieren zu lassen und den Weg zum Haus mit Licht und Bewegungsmelder ausstatten zu lassen. Normalerweise holt der Angeklagte bei einer ortsansässigen Firma ein Kostenvoranschlag ein und reicht ihn an den Rechtsanwalt weiter. Dieser erteilt dann die Genehmigung, hieß es während der Verhandlung.

Vorsätzliche Täuschung der Firma

In diesen zwei Fällen hat der 58-Jährige jedoch den Betreuer nicht informiert und ohne Genehmigung auf eigene Faust eine Firma beauftragt.

Wie deren Geschäftsführer berichtete, hat der Angeklagte den Auftrag unterzeichnet. „Wir haben uns leider nicht eine Vollmacht vorzeigen lassen. Die Frau war bereits im Kundenstamm“, schilderte er.

Richterin Dr. Antonia Wetzer schlussfolgerte: „Er hat sich als Bevollmächtigter ausgegeben und die Firma hierdurch getäuscht.“

Zugunsten des Angeklagten spricht, dass die Dame „glaubhaft gesagt hat, dass sie die Außenbeleuchtung wollte. Er hat ihrem Wunsch entsprechend gehandelt“, so die Richterin. „Dennoch wusste er, dass er es nicht durfte.“

Neben der Außenbeleuchtung an der Garage und am Weg zur Haustüre hat der Angeklagte jedoch auch noch Steckdosen in einem Gartenhaus und Beleuchtung an einem Teich anbringen lassen. Dies war nicht der Wunsch der Frau, dennoch sollte sie dafür bezahlen. Damit bereicherte sich der 58-Jährige selbst.

Einschlägige Betrugserfahrungen

„Er hoffte, dass alles irgendwie gut geht“, fasste Richterin Wetzer zusammen und sah damit den Schädigungsvorsatz gegeben. Bei der Cappeler Firma entstand dabei ein Vermögensschaden von etwa 3200 Euro.

Der Angeklagte war bereits vorbestraft mit 13 Eintragungen, unter anderem Computerbetrug, vorsätzlicher Betrug, Urkundenfälschung und Veruntreuung. Als er die zwei Aufträge an die Firma erteilte, befand er sich in der Bewährungszeit. Sein Verteidiger forderte dennoch Freispruch, denn „so richtig aufklären kann man das nicht. Ich glaube, in diesem Fall tut man ihm unrecht.“ Außerdem sei bei der Frau kein Vermögensschaden entstanden. Die Staatsanwältin sah es hingegen als erwiesen an, dass der Angeklagte die Einwilligung vorgetäuscht hat und einen Vorteil aus dem Betrug zieht.

Richterin Wetzer verhängte eine Geldstrafe von insgesamt 3000 Euro für den zweifachen Betrug.

von Lisa Scholz

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