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Angeklagter bekennt sich (un)schuldig

Aus dem Landgericht Angeklagter bekennt sich (un)schuldig

Einem 27-Jährigen werden etliche Fälle gefährlicher Körperverletzung vorgeworfen. Er sieht sich aber als Opfer einer Verschwörung.

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Ein angeklagter Mann widersprach den Anschuldigungen wegen gefährlicher Körperverletzung zuerst vehement.

Quelle: Jan-Philipp Strobel/dpa

Marburg. Er soll seine Ex-Freundin mehrfach misshandelt, bedroht, erpresst und ihr nachgestellt haben. Seiner derzeitigen Verlobten soll es ähnlich ergangen sein. In einem Berufungsverfahren am Landgericht soll sich nun klären, ob das Urteil vom Amtsgericht Bestand hat. In der Erstinstanz ist der Mann zu mehreren Jahren Freiheitsstrafe verurteilt worden.

Der 1989 geborene Angeklagte 
 soll in seinen Beziehungen äußerst gewalttätig gewesen sein. Er schubste die ehemaligen Freundinnen, spuckte sie an, beschimpfte und bedrohte sie. Er griff sie immer wieder auch körperlich an, verfolgte sie, schlug den Frauen oft mit der flachen Hand ins Gesicht und verursachte zahllose Hämatome und Schädelhirntraumata. 
Einmal habe er seine erste Freundin versucht zu ersticken und zu beißen.

Er soll Sätze gesagt haben, wie: „Du brauchst bald einen 
guten Gesichtschirurgen.“ Oder: „Du kannst was erleben, wenn Du die Polizei rufst.“ Außerdem: „Ich scheiße auf Deine Bedürfnisse!“ Er drohte seiner Ex sogar, Nacktbilder von ihr zu veröffentlichen. Einmal habe der Kaufmann im Groß- und Außenhandel sie gegen einen Wäschekorb geschleudert, sofort wieder aufgefangen, nur um sie daraufhin zu Boden zu stoßen, wo er über sie herfiel und malträtierte, schlug und etwa eine Stunde lang misshandelte. „Du willst sterben, ich helfe Dir!“, soll der Mann gerufen haben.

Zeuginnen sprechen von „ständiger Angst“

Ein anderes Mal fixierte er sie in der Dusche, wo er sie minutenlang mit eiskaltem Wasser abduschte und rief: „Du brauchst mal eine Abkühlung“. In wieder einer anderen Situation soll der Angeklagte wie von Sinnen um sich gehauen haben, dabei ging sogar ein Laptop drauf. Der Nacken der Ex habe hörbar geknackt, sie sei nicht in der Lage zum Atmen gewesen, noch Wochen später hätte ihr Hals geschmerzt. Während der Tat soll ihr Peiniger „Ich weiß, dass Du keine Luft mehr bekommst, ist mir egal“ gerufen haben.

Der Angeklagte habe ebenfalls die zweite Ex-Freundin, mit der er, entgegen ihren Angaben, verlobt sei, gegen eine Wand gedrückt, sodass sie keine Luft mehr bekam. Als sie um Hilfe schrie, setzte er sich auf sie und stopfte ihr solange Fotos in den Mund, bis sie blutete.

Als die Frau ihn ein anderes Mal aus der Wohnung schmeißen wollte, verletzte er sie am Kopf und misshandelte sie in einem mehrstündigen Martyrium. Sie konnte mit Platzwunden fliehen. Er stalkte die beiden Frauen, terrorisierte sie telefonisch, die Frauen sollen in „ständiger Angst“ gelebt haben. Der 27-Jährige habe seiner ersten Verflossenen sogar am Kindergarten ihrer Tochter aufgelauert, die sie allerdings von einem anderen Mann hatte.

In seiner mindestens fünfstündigen Reaktion auf die Anklage sah der Mann sich aber als Opfer. Die beiden Frauen hätten sich gegen ihn gewandt, er sei unschuldig. Seine Ausführungen waren klar und wortgewandt, fast schon poetisch. Er machte nicht den Eindruck eines Psychopathen. „Er ist auch gesund und voll verantwortlich“, sagte Gutachterin Dr. Petra Bauer.

Da der Vorsitzende Richter am Landgericht Gernot Christ aber wenig Erfolg auf eine andere Strafe als die des Amtsgerichts in Aussicht stellte, entschied sich der Angeklagte zusammen mit seinen Verteidigern dafür, sich schuldig zu bekennen. Dadurch kann er vermutlich nach Absitzen von zwei Dritteln der Strafe auf Bewährung frei kommen. Am Montag wird das Verfahren fortgeführt.

von Yannic Bakhtari

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