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Angeklagte bestreiten Handy-Diebstahl

Aus dem Amtsgericht Angeklagte bestreiten Handy-Diebstahl

Ausgiebig bis in den Morgen gefeiert haben zwei junge Männer. Jetzt stehen sie vor Gericht, weil sie zwei anderen Männern Smartphones geklaut und Drogen gegeben haben sollen.

Marburg. Bis zum Gedächtnisverlust will eine Gruppe junger Männer, die sich in der Nacht im Dezember 2014 erst in Marburg kennenlernte, Alkohol getrunken haben. Neben Bier sollen große Mengen Schnaps über den Tresen einer Kneipe am Marburger Hauptbahnhof gewandert sein. „Wir waren schon gut dabei, als wir dort angekommen sind“, sagte der 23-jährige Angeklagte aus Wetter. An der Mensa hatte er sich zuvor Amphetamine andrehen lassen. In der Kneipe am Bahnhof habe er daraus eine Line gemacht, selbst Drogen konsumiert und den Rest den anderen kostenlos angeboten.

Erst im Taxi auf dem Heimweg habe er bemerkt, dass er das Smartphone eines neuen Bekannten in der Hosentasche habe. „Ich habe ein Messer gezeigt. Das war plötzlich weg. Also hatte ich das Handy vom Tisch genommen und gesagt, ich lege es erst wieder hin, wenn ich mein Messer habe“, schilderte der Angeklagte. Das sei nicht passiert und man habe weitergetrunken und das Handy darüber vergessen. Der Angeklagte habe es dann in den nächsten Tagen zurückgeben wollen - aber er habe keinen Termin mit dem Besitzer des Handys vereinbaren können, der beiden gepasst hätte. Aber seine eigene SIM-Karte hatte er zwischenzeitlich mal in dem Handy. Warum konnte er nicht erklären. Außerdem habe er das Samsung Galaxy S4 im Wert von mehr als 600 Euro zwei Monate später verloren.

Die Staatsanwaltschaft schilderte in der Anklage sehr detailliert, dass der Angeklagte das Handy erst in seinem Ärmel und dann hinter seinem Rücken habe verschwinden lassen.

Auch der Schulfreund aus Wetter, der 22-jährige Mitangeklagte, habe laut Staatsanwaltschaft bei dem Diebstahl geholfen - und das Smartphone eines weiteren der drei neuen Bekannten geklaut. Er soll seine Taschen auf den Tisch geleert haben. Dabei habe er das Galaxy S3 eines Tischnachbarn verdeckt und so haben die beiden jungen Männer es unbemerkt an sich genommen. Der 22-Jährige sagte indessen vor dem Amtsgericht, dass er das Handy ausgeschaltet und mit gerissenem Display unter der Bank gefunden habe. Erst daheim habe er es angeschaltet und anhand der Bilder gesehen, dass es einem der Marburger Bekannten gehöre.

„Die haben sofort Terror gemacht“

Dieser habe ihn auch bei Facebook angeschrieben. „Ich habe nicht reagiert. Ich wollte nicht mit denen verhandeln, die haben sofort Terror gemacht“, sagte er aus. Ein geplantes Treffen zur Übergabe der beiden Smartphones sei nie zustande gekommen. Auch er habe das Handy mit seiner Karte genutzt - und es nach einem Monat geklaut bekommen. Beide betonten, dass sie sehr viel getrunken und große Gedächtnislücken zur Nacht hätten.

Der Besitzer des S3 sagte aus, dass er zwei Tage später bemerkt habe, dass sein Handy weg war. „Ich dachte ich hätte es irgendwo betrunken verloren. Ich kann mich an die Nacht nicht wirklich erinnern.“ An Drogen oder ein Messer könne er sich nicht erinnern. Auch sein Cousin wisse nichts von dem Messer, Drogen habe er noch nie genommen. Er habe auch nicht mitbekommen, dass seinem Cousin und seinem Bekannten die Smartphones geklaut wurden.

Mitverhandelt wurde auch der Diebstahl eines Rollers. Den soll der 23-Jährige aus einem Keller geklaut haben - oder zumindest übernommen haben, obwohl er vom Diebstahl gewusst habe. Wert: 600 Euro. Dass ein Bekannter - welcher hatte er vergessen - ihm den nach dem Osterfeuer kostenlos überlassen hatte, habe er im Hinterkopf seltsam gefunden. Auf deutliche Nachfrage seiner Anwältin erklärte er dann, dass der Roller nicht geschenkt gewesen sei - er hätte später 300 Euro dafür zahlen sollen.

Der Diebstahl wurde aufgedeckt, weil der Besitzer selbst ermittelte und seinen Roller vor dem Haus des Angeklagten gefunden habe, wie die geladenen Polizisten ausführten. Der Bestohlene selbst erschien nicht vor Gericht. Sowohl er als auch der Besitzer des zweiten Smartphones sollen beim Folgetermin am 29. Februar um 15 Uhr gehört werden, ebenso wie der Bewährungshelfer des 23-Jährigen. Dann will das Gericht sich auch das Video aus der Überwachungskamera der Kneipe ansehen.

von Patricia Grähling

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