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Angeklagte: „Ich habe das alles nie gewollt“

Internetbetrüger vor Gericht Angeklagte: „Ich habe das alles nie gewollt“

Angeklagt waren eine Frau und ein Mann, die zum Zeitpunkt der Tat in Marburg wohnten.

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Wer übers Internet Waren bestellt, kann nicht immer sicher sein, dass er diese auch erhält.

Quelle: dpa

Marburg. Die Geschädigte im ersten Fall war aus Norddeutschland angereist. Im Herbst 2014 hatte sie bei der in einem Marburger Reitstall beschäftigten Angeklagten ein Pferdezaumzeug über Ebay ersteigert, das die neue Eigentümerin jedoch nie erreichte. Dabei ist ein Schaden von 125 Euro entstanden. Die Angeklagte zeigte sich bei ihrer Stellungnahme sehr emotional - sie habe damals ihren Job und damit auch ihre Wohnung verloren.

Das Geschäft sei vorher abgewickelt worden und den Versand hatte eine Freundin übernehmen wollen, erklärte sie. „Ich kann mich kaum noch daran erinnern. Aber da ich ohne Wohnung kein Internet hatte, habe ich die Kontaktierungsversuche durch die Käuferin nicht mitbekommen. Mein Leben ist zu der Zeit einfach komplett aus der Bahn geraten“, rechtfertigte sie sich. Sie hat inzwischen wieder einen Job als Reitlehrerin in Montabaur. Richterin Katharina Blumentritt schlug eine Aussetzung des Urteils vor, da die Angeklagte noch sehr jung und nicht vorbestraft sei. Die Angeklagte soll der Geschädigten den vollen Kaufpreis zurückerstatten und das Zaumzeug zusenden. Dazu kommt eine Spende ­über 100 Euro an das Cappeler Tierheim. Die Angeklagte entschuldigte sich wortreich: „Ich habe das alles nie gewollt“.

Zu einem ähnlichen Entschluss kam Blumentritt im Fall eines Marburgers, der einen an der Schweizer Grenze lebenden Mann um 237,50 Euro betrogen hat. Dieser hatte im Juni vergangenen Jahres ein DJ-Mischpult beim Angeklagten gekauft. Nach mehrfachem Vertrösten hatte sich der Geschädigte dazu entschieden, Anzeige zu erstatten. „Ich habe lange für das Mischpult sparen müssen. Ich habe eine Familie und der Verlust hat ein ganz schönes Loch in unsere Haushaltskasse gerissen“.

Der Angeklagte entschuldigte sich ebenfalls mit schwierigen Lebensumständen zur Zeit des Vorfalls und sagte, er habe nie die Absicht gehabt, das Paket nicht zu verschicken. Obwohl er mehrfach wegen Körperverletzung vorbestraft ist und auch schon zweimal eine Gefängnisstrafe ableisten musste, entschied sich Blumentritt wieder zugunsten einer Aussetzung des Urteils.

Der Angeklagte soll, ähnlich dem vorherigen Prozess, den Kaufpreis zurückerstatten, 100 Euro an den Geschädigten überweisen und weitere 150 Euro an das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen spenden.

von Muriel Kalisch

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