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Angebote für Flüchtlinge ins Zentrum

Spies lobt Marburger Maßnahmen Angebote für Flüchtlinge ins Zentrum

Die Stadt Marburg will das Portal Gisselberg aufgeben und ihre Angebote für Geflüchtete künftig 
in der Innenstadt konzentrieren.

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Die Stadt gibt ihr Portal für Flüchtlingshilfe in Gisselberg auf und will die Angebote im Stadtzentrum konzentrieren.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Seit der Schließung der Erstaufnahmeeinrichtung in Cappel werden die Angebote, die im Portal Gisselberg gemacht worden sind, deutlich weniger angenommen. Die Stadt Marburg will den Standort deswegen aufgeben und die Angebote, die für zugewiesene Geflüchtete gedacht sind, wieder in der Innenstadt konzentrieren. Sprachkurse für Zugewiesene, medizinische Betreuungsangebote und die Kleiderkammer sollen zentrumsnah 
 erreichbar sein, sagte Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies (SPD) im Gespräch mit der OP.

Im Gespräch ist eine städtische Immobilie in Bahnhofsnähe. Sie hätte den Vorteil, dass sie auch in räumlicher Nähe des Arbeitsmarktbüros für Geflüchtete wäre, die Kreisjobcenter und Arbeitsagentur gemeinsam in der Afföllerstraße betreiben. Zudem befinden sich Qualifizierungsträger in der Nähe.

Was mit den Sprachkursen im Rahmen des Integrationsprojektes „Voice“ des Landkreises geschehen soll, die derzeit in Gisselberg stattfinden, war am Mittwoch noch unklar. Der Spielplatz, den die Firma Alea in Gisselberg gebaut und der Stadt geschenkt hatte, bleibt dagegen an seinem bisherigen Standort. Er sei bisher von der Gisselberger Jugend und vom städtischen Kindergarten mitgenutzt worden – diese Möglichkeit bleibt dem Gisselberger Nachwuchs erhalten, sagte Elke Siebler, die persönliche Referentin des Oberbürgermeisters.

Betreuungsschlüssel viel besser als vorgeschrieben

Die städtische Flüchtlingskoordinatorin Gudrun Fleck-Delnavaz koordiniert weiterhin die Betreuung der in Marburg lebenden Flüchtlinge. Fleck-Delnavaz ist in diesem Amt seit Anfang des Jahres 2015 tätig. Mit dieser Bemerkung reagierte Spies auf die Kritik der Flüchtlings-Hilfsorganisationen „Asylbegleitung Mittelhessen“ und „No Border“, die Stadt beachte die Interessen von Asylsuchenden nicht in ausreichendem Maße. Fleck-Delnavaz sei im Amt gewesen, noch ehe die Erstaufnahmeeinrichtung in Cappel im Juli 2015 eröffnet wurde.

Der Betreuungsschlüssel für Asylbewerber sei in Marburg zudem besser als vorgeschrieben: Laut Gesetz muss auf 150 Asylsuchende ein Sozialarbeiter kommen, in Marburg sei der Schlüssel deutlich besser, sagte Spies. Die Sozialarbeiter würden zudem von sonst üblichen anderen Aufgaben entlastet, weil dafür anderes Personal zur Verfügung stehe, etwa Hausmeister für städtische Unterkünfte.

Spies wies auch die Kritik zurück, die Stadt zwinge Flüchtlinge, in Gemeinschaftsunterkünften zu wohnen. Die Stadt weiche in erheblichem Umfang von der Bestimmung im Hes­sischen Aufnahmegesetz ab, nach denen Geflüchtete in Gemeinschaftsunterkünften untergebracht werden können. Geflüchtete, die einen Aufenthaltstitel haben, müssen sich aber selbst um eine Wohnung kümmern.

Spies konterte zudem den Hinweis auf „fehlende Schutz- und Fluchträume“ mit dem Hinweis, die Stadt betreibe eine eigene Schutzeinrichtung für traumatisierte Flüchtlings­
frauen. Schließlich lehne die Stadt nicht Asylsuchende ab, 
die dem Landkreis zugewiesen sind und nach Marburg ziehen wollen. „Über jeden Einzelfall reden wir mit dem Kreis“, sagte Spies.

von Till Conrad

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