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Angeblicher Raser bestreitet Schuld

Aus dem Amtsgericht Angeblicher Raser bestreitet Schuld

Weiterhin hat sich ein junger Mann aus Marburg wegen eines riskanten Überholmanövers auf der Bundesstraße 3 zu verantworten. Dass er rücksichtslos handelte, andere Personen massiv gefährdete, bestreitet der Fahrer.

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Massive Straßenverkehrsgefährdung oder nicht? Diese Frage muss das Amtsgericht Marburg beantworten.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Im Dezember vergangenen Jahres hatte er auf der B3 etwa auf Höhe Marburg-Süd einen anderen Wagen erst rechts überholt, dann beim erneuten Ausscheren auf die linke Spur angeblich so scharf geschnitten, dass die Fahrerin nur durch eine Vollbremsung einen Aufprall verhindern konnte (die OP berichtete Anfang Juni).

Die fünf Insassen, allesamt Polizisten in Zivil und nach Dienstschluss gerade auf dem Nachhauseweg, ließen das riskante Manöver nicht auf sich sitzen, verfolgten und stellten den eiligen Fahrer schließlich in der Stadt.

Dass er zuvor rechts überholt hatte, gibt der 35-Jährige zu, nicht jedoch, dass er grob verkehrswidrig handelte. Er hatte es zwar eilig, wollte seine Tochter an diesem Nachmittag aus dem Kindergarten abholen, doch dass er dermaßen knapp einscherte, wie von den Zeugen behauptet, sah er nicht ein. Auch eine Behinderung oder Vollbremsung des anderen Wagens habe er nicht bemerkt.

Wohl aber die Polizisten. Ein Zeuge sprach davon, dass der BMW sogar nur knapp davor war, seitlich mit dem anderen Auto zu kollidieren. Erst während der Vollbremsung wurden sich die Mitfahrer des riskanten Manövers bewusst, „die Bremsung war heftig, wir waren schockiert“, berichteten weitere Zeugen.

Sie folgten dem mutmaßlichen Verkehrssünder, der mit deutlich überhöhter Geschwindigkeit weiterraste, um ihn zu kontrollieren, sich dafür „wieder in Dienst zu versetzen“.

Angeklagter: „Ich habe mich überfallen gefühlt“

An einer roten Ampel bei St. Jost stellten die Polizisten den eiligen Fahrer schließlich. Ab da wird die Version des 35 Jahre alten Angeklagten abenteuerlich - alle fünf Polizisten sollen regelrecht aus dem Auto gesprungen sein, auf seinen Wagen „zugestürzt“ und mit den Fäusten gegen die Karosserie getrommelt haben.

Zuvor sah er die Personen angeblich überstürzt aussteigen, verschloss aus Angst seine Türen, „dann hat es eingeschlagen, ich habe mich überfallen gefühlt - das ist keine Lüge“, beteuerte der Mann.

Seine Geschichte bestätigte dessen Freundin, die damals auf dem Beifahrersitz saß. Die Insassen des anderen Wagens hätten gegen die Scheiben „geboxt - ich habe mich richtig erschrocken“, bis sie dann die Ausweise sah, welche die Beamten vorzeigten, so die Zeugin.

Die Vorkommnisse auf der Stadtautobahn habe sie zuvor angeblich nicht mitbekommen, war „mit dem Handy beschäftigt“.

Die Situation stellten die Zeugen ganz anders dar. Erst vereinzelt seien die Polizisten nach und nach auf den anderen Wagen zugegangen, hätten eine übliche Kontrolle durchgeführt, an welcher der Angeklagte völlig ruhig und kooperativ mitwirkte.

Problematisch gestaltet sich vor Gericht die Bemessung des tatsächlichen Gefahrenpotenzials, das der Angeklagte verursacht haben soll.

Während das widerrechtliche Überholen lediglich als Ordnungswidrigkeit geahndet wird, wäre ein dermaßen knappes und gezieltes Schneiden schon eine massive Straßenverkehrsgefährdung mit ernsten Konsequenzen.

Mit ein Grund, warum Strafrichter Cai Adrian Boesken ganz genau nachhakte. Er wunderte sich über die Verfolgungsfahrt, wie den Grund dafür.

Richter: „Straßenverkehrist Kriegsschauplatz“

Riskante Fahrmanöver seien schließlich trauriger Alltag auf der Autobahn, „Straßenverkehr ist Kriegsschauplatz“, sagte der Richter. Und weiter: „War das emotional nicht doch sehr aufgeladen?“, wollte er von den Zeugen wissen.

Die haben allein während ihrer beruflichen Laufbahn schon so einiges erlebt. Nichtsdestotrotz war das Fahrmanöver des Beschuldigten dann doch „eine Spur zu heftig - das musste Konsequenzen haben“. Selbst als erfahrene Autobahnfahrer - „so was erlebt man nicht jeden Tag“, erklärten die Beamten. Zudem sei der Fahrer mit rund 130 Kilometern pro Stunde weiter und auch noch über den Parkplatz vor der Ausfahrt Marburg-Mitte gebraust.

Die Fahrerin des anderen Wagens konnte indes nicht vor Gericht erscheinen. Um weitere Zeugen zu hören, wurde die Verhandlung auf Mitte Oktober vertagt.

von Ina Tannert

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