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An Schulverbünden scheiden sich die Geister

Neuer Schulentwicklungsplan An Schulverbünden scheiden sich die Geister

Der Schulentwicklungsplan für die Zeit bis 2018 ist beschlossene Sache.Von der großen Einigkeit, die sich der Schuldezernent Dr. Karsten McGovern wünschte, waren die Fraktionen im Kreistag allerdings weit entfernt.

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Um die Schule in Betziesdorf drehte sich die Diskussion im Kreistag: Der Schulentwicklungsplan sieht vor, den Standort an Bürgeln anzuschließen, weg von den Kirchhainer Nachbarn.

Quelle: Archivfoto

Marburg. Gut 600 Seiten dick ist der neue Schulentwicklungsplan. Doch während die Verwaltung von allen Seiten für ihre akribische Arbeit bei der Erstellung gelobt wurde, waren es die politischen Weichenstellungen, die einmal mehr für Diskussionen sorgten. Sieben Schulen im Landkreis schließen sich laut Plan zu drei neuen Verbünden zusammen, die Grundschule in Bracht wird 2016 geschlossen, sofern sich die Schülerzahlen nicht so positiv entwickeln, dass sie erhalten werden könnte.

Am Ende der engagierten Debatte während der letzten Kreistagssitzung des Jahres stimmte die Koalitionsmehrheit von CDU, Grünen und Freien Wähler für den Plan. SPD, Linke und FDP mochten dem Gesamtplan aus unterschiedlichen Motiven nicht folgen.

Der Kreisausschuss hatte sich allerdings eine breitere Mehrheit gewünscht, weil der Schulentwicklungsplan ein Vorschlag an das Land ist, wie der Kreis mit den zu erwartenden rückläufigen Schülerzahlen umgehen will. Die Schulstruktur im Kreis sei mit vielen sehr kleinen Schulstandorten eine besondere, und man wolle dieses dezentrale System im ländlichen Raum möglichst lange so erhalten. Dazu müssten aber auch Vorschläge gemacht werden, so McGovern. Die Entscheidung darüber trifft letztlich das Land.

Im Hinterland sollen sich die Grundschulen der Angelburger Ortsteile Lixfeld und Gönnern bis August 2016 zusammenschließen. Bereits zum August 2014 sollen die Stadtschule Biedenkopf sowie die Mittelpunktschulen Steffenberg und Breidenbach eine organisatorische Einheit an drei Standorten bilden. Diese Lösung, vor allem aber die geplante Zuordnung der Grundschule im Kirchhainer Stadtteil Betziesdorf über die Cölber Gemeindegrenze hin nach Bürgeln wurde von der Opposition erneut attackiert.

Lecher: „Ein guter Plan“

Bislang gehört die Außenstelle Betziesdorf zur Grundschule der Kirchhainer Stadtteile Anzefahr und Niederwald. Diese erstklassige Zusammenarbeit solle man nicht einfach auseinanderreißen, forderte die SPD-Abgeordnete Silvia Demper (Dautphetal). Die Verbindung mit Bürgeln gehe zu Lasten Kirchhains und biete für Betziesdorf keine Verbesserung.

Die Kirchhainerin Rosemarie Lecher verteidigte für die CDU dieses Vorhaben wie die anderen Schulverbünde als „alternativlos“ und warf der SPD vor, in Kirchhain Ängste geschürt und Gerüchte gestreut zu haben und die Menschen verunsichert zu haben. Panikmache und Kirchturmdenken sei aber falsch. Mit diesem Verbund wolle der Kreis ja den Standort Betziesdorf gerade erhalten und nicht schließen, so Lecher. Der Plan sei für Kinder und Eltern, nicht gegen sie gemacht worden.

Auch Jürgen Reitz (FW) betonte den Handlungsbedarf und verteidigte das frühzeitige Handeln des Kreises, bevor das Land von sich aus Schulen schließe: In den nächsten fünf Jahren würden „1700 Kinder weniger eingeschult, das ist eine Riesenschule, die einfach wegfällt.“

Doch diese Argumente ließ die Opposition nicht gelten. Anna Hofmann (Linke) monierte, dass „im vorauseilenden Gehorsam“ gehandelt werde. Die Verbundlösungen seien „nur ein Trick, um im Endeffekt Schulstandorte schließen zu können“. Sehr grundsätzlich wurde ihr Fraktionskollege Adnan Yildirim, der unter anderem bemängelte, dass in „Sonntagsreden“ zwar immer betont werde, wie wichtig Bildung und die Kinder seien. Mehr Geld werde aber nicht zur Verfügung gestellt, im Gegenteil, es werde immer schlechter.

Der Dautphetaler Joachim Ciliox (SPD) hätte es lieber gesehen, auch Förderschulen und Berufliche Schulen mit einzubeziehen. Außerdem vermisste er „langfristige Ziele über den Planungszeitraum hinaus“ und ein „ganzheitliches“ Schulkonzept. Der Plan beschäftige sich nur mit organisatorischen und verwaltungstechnischen Zusammenlegungen.

Ciliox: „Nur Land profitiert“

Der Profiteur daraus ist für Ciliox nur das Land Hessen. Von dort kämen die Sparvorgaben, und nur das Land habe davon finanzielle Vorteile. Der Kreis habe davon nichts, eher mehr Kosten, etwa weil Schüler zu den verschiedenen Standorten befördert werden müssten. Verbundlösungen über Gemeindegrenzen hinweg wie in Betziesdorf und Bürgeln lehnte Ciliox grundsätzlich ab.

Die FDP sagte Nein zum Plan, weil die Entscheidungen über die Kooperation zwischen Bürgeln und Betziesdorf „intransparent“ sei und auf ihre Forderung, Einsicht in die Entscheidungswege und -kriterien zu bekommen, bis zur Sitzung nicht reagiert worden sei. Angelika Aschenbrenner und Jörg Behlen betonten, dass der Plan an sich gut sei, aber die FDP dennoch nicht zustimmen könne weil das Thema Betziesdorf aus ihrer Sicht nicht ordentlich abgearbeitet worden ist. Es fehlten ausreichende Informationen über Alternativen und „wie man zu der jetzigen Entscheidung gekommen ist“.

Schuldezernent Dr. Karsten McGovern wies den Vorwurf zurück und erinnerte daran, dass es viele Gespräche zum Schulentwicklungsplan gegeben habe und das Verfahren ausgesprochen transparent gestaltet worden sei. Man solle sich auch keinen Illusionen hingeben. Die Lage an den drei Hinterländer Mittelstufenschulen zum Beispiel sei „dramatisch“, ohne Verbund sei jede einzelne von ihnen gefährdet.

Die Koalition und der Republikaner-Vertreter stimmten schließlich für den Plan, SPD, FDP, Linke und der Piraten-Abgeordnete waren dagegen. Bei den Einzelvoten über die Verbünde enthielt sich die SPD beim Verbund Biedenkopf-Steffenberg-Breidenbach. Die von allen anderen als unstrittig angesehene Fusion von Lixfeld und Gönnern lehnte nur die Linke ab.

von Michael Agricola

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