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Amnon Orbach soll Ehrenbürger von Marburg werden

Auszeichnung Amnon Orbach soll Ehrenbürger von Marburg werden

Er hat die jüdische Kultur in Marburg wiederbelebt und engagiert sich für den Dialog mit anderen Religionen: Amnon Orbach soll für seinen Einsatz die Ehrenbürgerrechte erhalten. Das Stadtparlament muss noch zustimmen.

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Amnon Orbach (84) lebt seit 1982 in Marburg.

Quelle: Nadine Weigel

Marburg. Historische Ereignisse hat Amnon Orbach schon häufig erlebt, zitiert, gewürdigt. Er erinnert an Jahrestagen an die Opfer des Holocaust, er betet, er feiert. Ein Höhepunkt für den Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde war 2005 der Umzug der Synagoge vom Pilgrimstein in die Liebigstraße, aber auch die Eröffnung des Garten des Gedenkens. Ebenfalls ein historisches Ereignis war vor vier Jahren die feierliche Übergabe der neuen Thora-Rolle - sie enthält die fünf Bücher Mose. Sie wurde in einer für Marburg ungewöhnlichen Prozession durchs Südviertel getragen.

Nun rückt Amnon Orbach selbst in den Mittelpunkt eines historischen Ereignisses. Der Magistrat der Stadt Marburg beschloss am Montag einstimmig, Orbach die Ehrenbürgerrechte zu verleihen.

Ein entsprechender Antrag wird dem Haupt- und Finanzausschuss und dem Stadtparlament vorgelegt. Die Stadtverordneten haben also das letzte Wort über die höchste Auszeichnung, die die Universitätsstadt zu vergeben hat. In der Beschlussvorlage des Magistrats heißt es: „Er hat sich durch sein Engagement in herausragender Weise für die Belange der jüdischen Mitbürger und die Erhaltung des jüdischen Lebens, der jüdischen Traditionen und des jüdischen Glaubens hier in Marburg eingesetzt sowie zur Vermittlung der jüdischen Kultur erheblich beigetragen.“

Seit fast 30 Jahren ist er Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde. Durch seine Initiative wurde 1989 die erste Synagoge nach der Shoah eingeweiht.

Vor vier Jahren wurde Orbach einen Tag nach seinem 80. Geburtstag mit einer Ehrung im Rathaus überrascht. Oberbürgermeister Egon Vaupel (SPD) überreichte dem Jubilar das Stadtsiegel und bezeichnete ihn als „ein Stück Marburg“. Vaupel und Orbach haben seit Jahren ein gutes Verhältnis zueinander. Und auch wenn Orbach mal anderer Meinung ist, für Kompromisse ist er immer offen.

Jüngstes Beispiel: Im November kritisierte Orbach, dass die Verkaufsaktion „Marburg b(u)y Night“ auf dem Platz der ehemaligen Synagoge eröffnet werden sollte. Das sei kein Platz zum Saufen, stellte Orbach im Vorfeld klar. Die Kritik des Gemeindeleiters kam an: Das Programm wurde so gestaltet, dass es auch für die Jüdische Gemeinde angemessen war. Orbach wird nicht müde zu betonen, dass der Platz der früheren Synagoge ein Treffpunkt für die Marburger sein soll. Er steht für Versöhnung, für Verständigung.

Auch zur islamischen Gemeinde hat Orbach ein gutes Verhältnis. Er war einer der Ersten, der den Wunsch der Islamischen Gemeinde nach einer neuen Moschee unterstützte. Die Stadt Marburg hat vier lebende Ehrenbürger: Schwester Edith, Dietrich Möller, Dr. Reinfried Pohl und Dr. Hans-Gerhard Schwick.

von Anna Ntemiris

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Die Studenten Ronen (links) und Noa aus Haifa sangen mit dem Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde Amnon Orbach.

Die Begegnung stand im Vordergrund des 7. Hoffests der Jüdischen Gemeinde Marburg. Die Besucher verschiedener Konfessionen verbrachten den heißesten Nachmittag des Jahres mit Musik, israelischen Speisen und sehr viel Wasser.

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