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Amnon Orbach ist Ehrenbürger

Ehrung im Rathaus Amnon Orbach ist Ehrenbürger

Amnon Orbach baute die jüdische Gemeinde in der Universitätsstadt über Jahrzehnte neu auf. Seit Sonntagnachmittag ist er der 77. Ehrenbürger Marburgs.

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Amnon Orbach ist seit gestern der 77. Ehrenbürger Marburgs. Erste Gratulanten: Ehefrau Hannelore und Oberbürgermeister Egon Vaupel, der die Laudatio hielt. Foto: Björn Wisker

Marburg. „Sie brachten das Judentum zurück in diese Stadt. Mit Geschick, Humor und der nötigen Sturheit“, sagte Oberbürgermeister Egon Vaupel (SPD) während der Laudatio. „Die Liebe, Offenheit, ihr großes Herz tragen sie hinaus in die Welt.“ Seine Toleranz, seine „Liebe zu allen Menschen dieser Erde“ habe Orbach schon als jungen Mann, als er in Israels Unabhängigkeitskrieg ab 1947 kämpfte, ausgezeichnet. „Mit das Erste, das sie taten, war Kritik an der Regierung zu üben. Dafür, dass sie sich nicht genug um die Integration der Araber gekümmert habe“, erinnerte Vaupel. Und das, obwohl viele Klassenkameraden des 1930 in Jerusalem geborenen Orbach in diesem Krieg gestorben seien.

„Etwas Besonderes für deine Mitmenschen zu hinterlassen, ist dein Ansporn“, sagt Monika Bunk von der jüdischen Gemeinde Marburg. Orbach habe zwar nie nach Ehre gestrebt, sie sei aber aus seiner Uneigennützigkeit, aus Demut erwachsen. „Ehre besitzen die Weisen“, zitiert Bunk aus einer jüdischen Schrift. Sie zitiert Orbach, als dieser vor vielen Jahren über seinen Vater sprach. „Er liebt alle Menschen, weil sie Menschen sind, sagtest du. Und du hofftest, ihm ähnlich zu werden. Das hast du geschafft.“

"Du wolltest die Verständigung der Religionen"

„Alle Juden in Deutschland sind stolz auf dich“, sagte Daniel Neumann vom hessischen Landesverband der jüdischen Gemeinden. Orbach sei für seine Glaubensgemeinschaft„ein Schiff im Sturm“. Es sei außergewöhnlich, dass ein Jude - zumal Israeli - zum Ehrenbürger in Deutschland ernannt werde.

„Sie sind der Beweis für das vorbildhafte Zusammenleben der Religionen und Kulturen in dieser Stadt“, ergänzt Asmah El-Shabassy von Marburgs islamischer Gemeinde. Die Muslime verdanken Orbach die Änderung des Bauplans für die Moschee - der 84-Jährige riet der Gemeinde zum Bau eines Kellers. „Seitdem kursiert bei uns der Name Orbach-Keller für diese Räume“, sagt sie. Der Neu-Ehrenbürger - mit dem ihm eigenen Humor - antwortete prompt: „Naja, ein viertes Stockwerk kann man später immer noch bauen.“ Klaus Dörr, Vorsitzender der christlich-jüdischen Gemeinde, lobte: „Du wolltest die Verständigung der Religionen. Das hast du vorangetrieben wie kaum ein anderer."

Neu-Ehrenbürger Orbach trug sich am Ende des Festakts im Rathaus in das goldenes Buch der Stadt ein. Seit fast 30 Jahren ist er Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde. Durch seine Initiative wurde etwa die erste Synagoge eingeweiht und der Garten des Gedenkens eröffnet.

von Björn Wisker

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