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Amerikaner sucht seine deutschen Vorfahren

Marburg Amerikaner sucht seine deutschen Vorfahren

Der US-Amerikaner John R. Whitman hat sich in Marburg auf Spurensuche nach seinen Vorfahren gemacht. Er vermutet weitere Verwandte, die den Familiennamen „Schwaner“ tragen oder trugen.

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John Whitman ist auf der Suche nach noch lebenden Verwandten in Deutschland. Sein Ur-Großvater war Seifenfabrikant in Marburg, der Großvater des 60-Jährigen wanderte im 19. Jahrhundert nach Baltimore/USA aus.

Quelle: Björn Wisker

Marburg. John R. Whitman (60) will wissen, wer er ist und wo seine Vorfahren herkommen. Was für die meisten Menschen selbstverständlich ist, bleibt für den EDV-Spezialisten aus Boston/Massachusetts (USA) ein Traum. Im 19. Jahrhundert wanderte sein in Marburg geborener Großvater über den großen Teich aus. Wie viele Einwanderer vor und nach ihm, strandete er zunächst in Ellis Island vor New York – jenem berühmten Ort, den jeder Neuankömmling passierte, wenn er ins Land der unbegrenzten Möglichkeiten wollte. „Bei meinen Nachforschungen bin ich die Passagierlisten von Kreuzern durchgegangen, die Ende des 19. Jahrhunderts vor der Ostküste festmachten und stieß auf den Namen meines Großvaters“, erinnerte sich John Whitmann. „Ich fand später sogar ein Foto von ihm.“ Was ihn bewegte, mit 17 Jahren auszuwandern, habe er bislang nicht herausfinden können.

Der Softwareentwickler ist auf der Suche nach „seinen Wurzeln“. Nach vielen Jahren in der Obhut einer Pflegefamilie fand er vor zehn Jahren heraus, dass „Mom and Dad“ nicht seine leiblichen Eltern waren. „Sie waren stets gut zu mir, aber ich spürte eine unerklärliche Leere in mir“, erinnerte er sich. Im Alter von vier Monaten war er in einem Washingtoner Waisenhaus abgegeben und kurze Zeit später adoptiert worden. Dass er überhaupt Bescheid weiß, verdankt der Harvard-Dozent einem Zufall. Aus Neugier über den eigenen Stammbaum und im Vorfeld der Geburt seiner einzigen Tochter, beantragte er in Washington D.C. die Herausgabe der Familienakten. „Dort stand es dann: mein Vater war aus Puerto Rico, meine Mutter gebürtige Italienerin.“ Er habe plötzlich in einer „Sinn- und Identitätskrise“ gesteckt und stellte Nachforschungen an. „Es war ein bisschen wie bei Indiana Jones, der auf Schatzsuche geht.“ Monatelang durchforstete er Archive, sprach mit Freunden, Bekannten und den ehemaligen Bediensteten des Washingtoner Waisenhauses. „Offiziell durfte mir dort niemand Auskunft geben, aber jemand gab mir den Tipp, die College-Jahrbücher der George-Washington-Universität anzuschauen.“ Ohne Name, Aussehen oder andere Anhaltspunkte setzte er sich tagelang in die Bibliothek der Universität und hatte die Hoffnung beinahe schon aufgegeben. „Dann fiel mir auf, dass alle Mädchen, der in Frage kommenden Abschlussjahrgänge meiner Mutter, lange, blonde Haare hatten und in der gleichen Pose fotografiert waren – bis auf eine.“ Die junge Frau habe dunkle Haare gehabt und sei auf dem Bild ganz anders porträtiert gewesen. „Da ich selbst leidenschaftlich gerne fotografiere und die besondere Perspektive erkannte, spürte ich, dass dieses Foto von einem Verwandten gemacht wurde und ich da zum ersten Mal meine leibliche Mutter sah.“

Der Durchbruch war geschafft, eine neue Spur gefunden. „Schön war das Wiedersehen in Seattle aber nicht. Sie wollte keinen Kontakt, aber sie berichtete mir von der Einwanderungsgeschichte meiner Großeltern.“ Seitdem ist John Whitman in Deutschland auf der Suche nach Verwandten mit dem Nachnamen „Schwaner“.

von Björn Wisker

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Falls jemand Hinweise oder Tipps zu seiner Familiengeschichte hat, freut sich John Whitmann über Nachrichten an jwhitman@babson.edu

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