Volltextsuche über das Angebot:

5 ° / 1 ° Regenschauer

Navigation:
Am Ende verloren, aber wie ein Löwe gekämpft

Am Ende verloren, aber wie ein Löwe gekämpft

Für seinen großen Einsatz im „Bündnis gegen das Gerichtesterben“ erhielt der Marburger Anwaltverein (MAV) den Rembert-Brieske-Preis des Bundesverbandes.

Voriger Artikel
Am Anfang waren die gelben Gardinen
Nächster Artikel
Ein wahrlich zauberhafter Reiterball

DAV-Präsident Wolfgang Ewer (von rechts) überreichte den Rembert-Brieske-Preis an die MAV-Vorsitzende Gisela Falk und ihre Vorstandskollegen Volker Schmidt und Karl Otto Beckmann.Foto: Krause

Marburg. Der Deutsche Anwaltsverein (DAV) verlieh die Auszeichnung zum zweiten Mal für herausragende und nachhaltige Initiativen vor Ort, die Vorbildcharakter haben. Während des Festakts im Fürstensaal des Landgrafenschlosses sagte Oberbürgermeister Egon Vaupel (SPD), es sei nicht selbstverständlich, dass eine Berufsgruppe den Schulterschluss mit den Bürgern suche, um gemeinsame Interessen durchzusetzen. Und dass Veränderungen nicht als gegeben hingenommen würden, das passe zu Marburg.

Es sei Zeit gewesen, einen Preis für örtliche Anwaltvereine auszuloben, die sich für Anwaltschaft und Gesellschaft verdient gemacht haben, betonte DAV-Präsident Dr. Wolfgang Ewer. Denn sie seien es, die auf die Verhältnisse vor Ort eingehen könnten. Benannt sei der Preis nach dem verstorbenen früheren Vizepräsidenten des DAV, denn Rembert Brieske sei es gewesen, der sich immer um die lokalen Vereine intensiv gekümmert habe.

Der Kampf um das Marburger Arbeitsgericht sei verloren worden, „aber Sie haben gekämpft wie ein Löwe, was Sie geleistet haben, ist beachtlich“, sagte der Präsident. Die Marburger Anwaltschaft habe sich mit guten Argumenten öffentlichkeitswirksam positioniert und mit dem Bündnis zusammen mit Richterschaft, Gewerkschaften und Politik gegen das Gerichtesterben gekämpft. Große Aufmerksamkeit weit über Marburg hinaus habe dabei das symbolische Zugrabetragen des Arbeitsgerichtes erhalten.

Und das „Übel“ Schließungen und Zusammenlegungen beschäftige weiter. „Der Rechtsstaat entfernt sich vom Bürger“, kritisierte Ewer. „Das Recht muss in der Fläche erhalten bleiben.“ Und genau deswegen müsse das Marburger Vorbild Beachtung finden, um sich auch andernorts zu wehren.

„Wir brauchen die Gerichte, auch die kleinen“, betonte die Vorsitzende des MAV, Gisela Falk. Sie forderte eindringlich, auf die Einsparung von Richterstellen zu verzichten. Weitere Einsparungen auch bei Personal seien der falsche Weg. Der Preis motiviere, weiterzumachen und sich für den Erhalt von Gerichten im Sinne der Bürgerfreundlichkeit einzusetzen. Im Fall des Marburger Arbeitsgerichts hätten die guten Argumente bei der Landesregierung nichts gebracht. „Das war und ist bitter für Demokraten“, so Ewer.

Wie Ewer wiesen weitere Ehrengäste wieder darauf hin, dass es nicht wie gewollt zu Einsparungen gekommen sei, vielmehr seien neue notwendige Gebäude einfach nicht einberechnet worden. In jedem Fall seien Wege von bis zu 70 Kilometern, um zu ihrem Recht zu kommen, für die Bürger nicht zumutbar. Die Politik müsse erkennen, dass die Gerichtsbarkeit kein Geschäftsbetrieb sei, sondern zum Kernbereich hoheitlicher Aufgaben gehöre. Professor Gilbert Gornig, vom Fachbereich Rechtswissenschaft der Philipps-Universität, verwies darauf, dass Zivilcourage ein elementarer Faktor in unserer Gesellschaft sei, zumal viele Menschen einfach wegschauten. Und auch die Studierenden hätten Nachteile, Marburg sei die einzige Unistadt ohne Arbeitsgericht in Hessen, und die angehenden Juristen müssten nun nach Gießen fahren. Der Vorsitzende des Landesverbandes Hessen, des DAV, Peter Schirmer, und der Präsident der Anwaltskammer Kassel, Heinrich Dilcher, sagten, es sei dem Marburger Anwaltverein gelungen, die Interessen aller zu formulieren. Für den musikalischen Rahmen sorgten die Swinging Wodka Lemon Gang & Friends, die mit weiteren Gruppen bei den Protesten aufgespielt hatten. Passend begannen sie mit typischer Beerdigungsmusik aus New Orleans, die einerseits Trauer zeige, andererseits, dass es im Leben fröhlich weitergehe, wie Gisela Falk befand.

von Heiko Krause

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Marburg

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr