Volltextsuche über das Angebot:

20 ° / 7 ° wolkig

Navigation:
„Alter muss man nicht defensiv leben“

"Generation plus" „Alter muss man nicht defensiv leben“

„Ohne Sorgen in das Morgen“. Unter diesem Motto fand im Tabor-Gemeindezentrum der landesweite „Tag der Generation plus“ statt.

Voriger Artikel
Ortsbeirat beantragt Windel-Tonnen
Nächster Artikel
Hamann-Preis für einen Erneuerer seines Fachs

Marburg. Volles Haus in Tabor. Dort war die Hauptveranstaltung des hessenweit stattfindenden „Tag der Generation plus“. Veranstalter war der hessische Gemeinschaftsverband. Für musikalische Unterhaltung sorgte der Gitarrenclub Saitenwind sowie der Chor N’Joy aus Niederwalgern. Zahlreiche Gäste nahmen an den umfangreichen Kreativangeboten und Seminaren zu aktuellen Themen des praktischen Lebens teil. So tauschten sich etwa die Teilnehmer des Seminars „Wofür lebe ich?“ über ihren Alltag sowie traditionelle christliche Grundwerte aus.

Vom Umgang mit der Angst handelte ein weiteres Seminar, das sich mit der zunehmenden Verunsicherung und Angst der Menschen in der heutigen Zeit auseinandersetzte. Praktische Tipps zu medizinischer Vorsorge oder Informationen über das Leben von Missionaren wurden ebenfalls angeboten. Wer sich eher kreativ betätigen wollte, nutzte den Mützen-Häkel-Workshop. Des Weiteren las der bekannte Autor Eckart zur Nieden zahlreichen Zuhörern aus seinen Werken vor.

Rund 400 Besucher kamen zudem zum Gottesdienst am Vormittag. Ulrich Parzany , evangelischer Pfarrer aus Kassel und bekannt durch seine TV-Auftritte für das Projekt „Pro Christ“ sprach in seiner Predigt von den Sorgen des Alltags der älteren Generationen und wie diese überwunden werden können. Altern in der heutigen Zeit sei eine der größten Herausforderungen des Lebens. Für Gläubige werde der Kontrast zwischen der eigenen Stärke und der Kraft ihres Gottes mit zunehmendem Alter immer deutlicher. Man ist immer stärker auf Letztere angewiesen und verlässt sich darauf, während die eigene Vitalität schwindet. Aber: „Alter muss man nicht defensiv leben“, so Parzany. Es könne auch eine spannende Sache sein. Zuversicht, Vertrauen und dem Leben bewusst und mit Freude zu begegnen sind dabei wichtige Aspekte, die es anzunehmen gilt. Zusehends wächst in der Gesellschaft jedoch die umgreifende Angst vor dem Älterwerden, das Sterben wird auf unreife Weise geradezu verdrängt. Auch gläubige Christen sind davon nicht ausgenommen.

Die heutzutage allgemeingültige Lebensansicht wie etwa „ich will alles und das jetzt“-Einstellung beeinflusse auch den christlichen Glauben. Die religiöse Ewigkeitsperspektive schwindet, die Sicht begrenzt sich nur noch auf die eigene Lebenszeit, nicht mehr darüber hinaus. Dadurch baut sich großer Druck auf, bis hin zur Panik. Eine durch die moderne Überflussgesellschaft geprägte „Verwöhnung der Seele“ führt zu einer Schwächung der eigenen Fähigkeit, Enttäuschungen auszuhalten. Darin sieht Parzany eine Gefahr für Christen. Auch die ältere Generation sei davon betroffen. Zahlreiche moderne lebensverlängernde und -verbessernde Maßnahmen zeigen zudem ein allgemein gefestigtes Bild der „fitten Alten“. Der Tod wird verdrängt, keiner will mehr sterben, das ist Blödsinn, so Parzany. Viel eher sollte man auch im Alter das Leben genießen, es aber auch sinnvoll gestalten.

von Ina Tannert

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr