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Altenpflege: Richtsberg schrumpft auf 48 Plätze

Debatte im Stadtparlament Altenpflege: Richtsberg schrumpft auf 48 Plätze

Aufruhr in der Altenpflege: OB Egon Vaupel (SPD) bestätigt die Befürchtungen des Betriebsrats, wonach die Einrichtung am Richtsberg von 80 auf 48 vollstationäre Pflegeplätze umgebaut wird.

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Demonstration der Marburger Altenhilfe: Die gestrige Sitzung der Stadtverordnetenversammlung ist von Protesten begleitet worden. Hintergrund ist der Abbau von Pflegeplätzen am Richtsberg und ein befürchteter Jobverlust von Angestellten. Fotos: Nadine Weigel

Quelle: Nadine Weigel

Marburg. „Wir setzen auf ein modernes Konzept, das den Bedürfnissen der Menschen gerecht wird“, sagt Vaupel während der Sitzung der Stadtverordnetenversammlung gestern. „Die allermeisten wollen im Alter zu Hause bleiben, ambulante Versorgung, wenigstens quartiernah leben, Teilhabe genießen. Erst zu aller letzt kommt für sie ein vollstationärer Aufenthalt in Betracht“, sagt er.

Vollstationäre Plätze, Kapazitäten für Demenzpatienten, betreutes Wohnen, Plätze für alternde Migranten - das Stadtoberhaupt kündigt an, solch ein Mischangebot zu forcieren. 250 000 Euro seien in dieser Woche bereitgestellt worden, um weitere Teile eines solchen Konzepts erarbeiten zu lassen. 208 vollstationäre Pflegeplätze gebe es Vaupel zufolge künftig in Marburg. 70 im Südviertel, 80 in Cölbe sowie 48 am Richtsberg - plus zehn weitere, die nach einer Umstrukturierung der defizitären Tagespflege Auf der Weide entstehen sollen. „Faktisch reduzieren wir um einen Platz im Vergleich zu heute. Das demontiert nichts“, so Vaupel.

Demonstration der Marburger Altenhilfe: Die Sitzung der Stadtverordnetenversammlung wurde von lauten Protesten begleitet. Hintergrund ist der Abbau von Pflegeplätzen am Richtsberg und ein befürchteter Jobverlust von Angestellten.(Fotos: Nadine Weigel)

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Irritation bei Mitarbeitern der Altenhilfe: „Diese zehn in Aussicht stehenden Plätze haben wir aber nicht morgen, wenn wir sie brauchen. Das dauert, wenn es überhaupt passiert, drei, vier, fünf Jahre - und wir bleiben weiter im Schwebezustand“, sagt Gabriele Brunnet, Betriebsratsvorsitzende der Altenhilfe. Realität sei der Abbau von Kapazitäten. „Theoretische Rechnerei betreibt der Magistrat. Zu so einem Schritt gibt es nicht mal einen Aufsichtsrats-Beschluss“, ergänzt Gerd Kaufmann.

Der OB erklärt zudem, dass Senioren des Betreuten Wohnens auch das Recht  haben, externe, private Pflegedienste zu beauftragen. „Die Konkurrenz holen wir uns damit direkt ins Haus. Kein Unternehmer würde so etwas machen“, sagt Brunnet. Vaupel entgegnet: „Ich will den freien Willen der Menschen akzeptieren und ich will Wettbewerb. Wenn unser Dienst nicht gut genug ist, andere den Auftrag bekommen, müssen wir eben noch besser werden.“ Da der ambulante Dienst der Altenhilfe jährlich jedoch bereits 35 000 Euro Gewinn einfahre, zeuge das von „sehr guter Arbeit“, man müsse „die private Konkurrenz nicht fürchten“.

 

Betriebsbedingte Kündigungen schließt der OB indes aus. „Solange ich im Amt bin, wird es keine geben.“ Allerdings würden „Schwankungen in der Belegung“ weiterhin mit befristeten Arbeitsverträgen abgefedert. Gerd Kaufmanns Einschätzung: „Dass es weniger Jobs gibt, wenn wir am Richtsberg unter 80 Plätze gehen, ist unausweichlich. Das steht ja sogar in mittlerweile zwei Gutachten.“ Die Wirtschaftlichkeit sei nur bei 80 Plätzen gegeben, sagt auch Wieland Stötzel (CDU). „Sonst ruinieren wir die von der Kommune getragene Altenpflege.“ Nach fünf Jahren Diskussion sei es Zeit zu handeln. „Uneinigkeit beim Konzept entbindet die Koalition nicht von einer Entscheidung.“ Ohnehin sei ein Neubau des Hauses am Richtsberg - im Stil von Cölbe - die beste Lösung, auch um die vollstationäre Pflege zu modernisieren. Vaupel lehnt einen Neubau in der Sudetenstraße (Kosten: rund 10 Millionen Euro) ab.

von Björn Wisker

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