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Altenheim soll nicht abgerissen werden

Altenpolitik Altenheim soll nicht abgerissen werden

Die Zukunft des Altenheims am Richtsberg ist vorgezeichnet: Das Gebäude soll nur noch teilweise als Alten- und Pflegeeinrichtung genutzt werden.

Marburg. Die Kehrtwende in der Marburger Altenpolitik, die der seit einigen Monaten als Sozialdezernent amtierende Oberbürgermeister Egon Vaupel (SPD) vornehmen will, soll jetzt zementiert werden. Der noch unter der Verantwortung von Vaupels Vorgängerin Dr. Kerstin Weinbach gefasste Beschluss des Aufsichtsrats der Marburger Altenhilfe GmbH zum Abriss des Altenheims am Richtsberg soll im März bei einer Aufsichtsratssitzung revidiert werden. Das sagte Vaupel, der auch Aufsichtsratsvorsitzender ist, am Dienstag im Haupt- und Finanzausschuss. Er möchte dem Aufsichtsrat den Beschluss für eine Neuausrichtung in der nächsten Sitzung des Gremiums im März vorlegen.

Bereits im November vergangenen Jahres hatte Vaupel ausgehend von einem Gutachten des Kuratoriums Deutsche Altershilfe (KdA) ein Konzept für eine Neuausrichtung des Heims in der Sudetenstraße vorgelegt: Das Gebäude soll nicht abgerissen und durch einen Neubau ersetzt werden. Stattdessen sehen Vaupels Planungen vor, das Gebäude zu sanieren und nur noch im Erdgeschoss und in den beiden unteren Stockwerken eine Alten- und Pflegeeinrichtung zu betreiben. In den oberen vier Stockwerken könnten dann Wohnungen - beispielsweise für Studierende - entstehen.

„Es ist nicht so, dass die Gebäudesubstanz schlecht ist“, erläuterte der Oberbürgermeister im Ausschuss. Jedoch eigne es sich nicht besonders für die Nutzung als Alten- und Pflegeheim und müsse auf jeden Fall energetisch optimiert werden. Die Zahl von bisher 140 Altenheim-Betten im Altenheim am Richtsberg soll auf jeden Fall deutlich reduziert werden. 80 Plätze sollen übrig bleiben, sagte der OB. Der Schwerpunkt der Altenhilfe GmbH solle unter Bezugnahme auf das KdA-Gutachten von der stationären Pflege hin zu einem verstärkten Fokus auf die ambulanten Bereich gelegt werden. Im März sollen am Richtsberg Befragungen von älteren Mitbürgern über ihre Vorstellungen von einem Leben im Alter beginnen, erläuterte die städtische Altenplanerin Dr. Petra Engel. Prinzipiell solle das Haus von einem Pflegeheim zu einem Stadtteilhaus umgestaltet werden, ähnlich wie beispielsweise in Bremen.

Engel hatte bereits in der vergangenen Woche im Sozialausschuss konzeptionelle Überlegungen der städtischen Altenplanung vorgestellt anlässlich einer von der rot-grünen Koalition kurzfristig als Tischvorlage eingebrachten Antrags an den Magistrat möglichst schnell „eine konzeptionelle Planung für die Neugestaltung des Altenzentrums Sudetenstraße 24 und einen Personalentwicklungsplan vorzulegen“.

Im Sozialausschuss hatten bei Enthaltung der CDU die anderen Fraktionen dem Antrag zugestimmt. Im Hauptaussschuss war die Lage anders. Wieland Stötzel (CDU) signalisierte, dass seine Fraktion grundsätzlich der Gesamtlinie in der Neuausrichtung der Altenheim-Gestaltung nicht negativ gegenüberstehe, auch wenn es inhaltlich vielleicht Differenzen in Detailfragen gebe. Stötzel kritisierte jedoch scharf, dass der Antrag der Koalition viel zu kurzfristig vorgelegt worden sei, so dass man sich nicht rechtzeitig damit habe beschäftigen könne. Zudem sei aber auch nicht ganz klar, was der Antrag bezwecke, zumal er im Wesentlichen aus der Zusammenfassung einiger wesentlicher Aspekte des KdA-Gutachtens bestehe. Zudem solle man doch zunächst die avisierte Entscheidung des Aufsichtsrates abwarten, bevor der Antrag im Parlament behandelt werde. Der Kritik schlossen sich in der rund einstündigen Debatte auch Jan Schalauske (Marburger Linke) und Reinhold Becker (MBL) an. Grünen-Fraktionschef Dietmar Göttling räumte ein, dass das Verfahren unglücklich gelaufen sei. Um keine „falschen Fronten“ aufkommen zu lassen, könne man einer Vertagung des Antrags zustimmen, betonte Göttling. Nun soll sich der Sozialausschuss nach der Aufsichtsratssitzung im kommenden Monat erneut damit beschäftigen.

von Manfred Hitzeroth

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