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Alte Bücher lieben es wohltemperiert

Serie "Kalte Orte", Teil 4 Alte Bücher lieben es wohltemperiert

Mehr als 7500 Bücher ­werden in der „Rara“-Sammlung der Marburger Universitätsbibliothek ­gelagert.

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Dr. Bernd Reifenberg zeigt ein Buch aus der „Rara“-Sammlung der Uni-Bibliothek , deren Temperatur und Luftfeuchtigkeit stets ­überwacht werden.

Quelle: Nadine Weigel

Marburg. „Besonders im Sommer ist es hier sehr angenehm“, berichtet Dr. Bernd Reifenberg, der in der Uni-Bibliothek für die Betreuung der „Rara“-Sammlung zuständig ist. Die Rede ist von den beiden Räumen im Untergeschoss des „Silberwürfels“ an der Stadtautobahn. Denn wenn draußen die 30-Grad-Marke erreicht wird und es in den Verwaltungsräumen der Uni-Bibliothek eher schwül-warm ist, herrscht in der „Rara“-Sammlung permanent eine angenehm frische Temperatur. Allerdings empfiehlt es sich dann, beim längeren Arbeiten in den Räumen ein Jackett oder einen Pullover anzuziehen – auch wenn es sonst eher ein heißer Sommertag ist.

„Rund 20 Grad Lufttemperatur und eine Luftfeuchtigkeit zwischen 50 und 60 Prozent“: So beschreibt Reifenberg das Raumklima, das hier vorgehalten wird. Denn es darf für die Bücher weder zu warm noch zu kalt werden. „Bei Temperaturen über 30 Grad würden sich die Einbände der Bücher verziehen“, erläutert Reifenberg.

Zahn der Zeit hat an Büchern genagt

Überwacht wird die Temperatur von einem speziellen Messgerät, von dem beide Werte durchgehend exakt aufgezeichnet werden. Falls einer der beiden Werte nicht dem vorgeschriebenen Messwert entspricht, dann muss nachjustiert werden. Eigentlich könnte die Raumtemperatur sogar noch um rund fünf Grad gesenkt werden, was für die alten Bücher in den Regalen sogar noch ein bisschen besser wäre.

Doch das geht deswegen nicht, weil es dann deutlich kälter wäre als im Lesesaal, in dem die Exemplare aus der „Rara“-Sammlung“ von Nutzern der Uni-Bibliothek bestellt werden können. „Nicht gut sind vor allem schnelle Temperaturänderungen“, erläutert Reifenberg. „Zudem ist es wichtig, dass es in der Luft feuchter als normal ist.“ Eigentlich sei es im Lesesaal aus Sicht der Bücher nämlich ein wenig zu trocken. Die Bücher aus den vergangenen Jahrhunderten, von Reifenberg liebevoll als die „Schätze“ der Uni-Bibliothek bezeichnet, sind schließlich nicht nur Museumsstücke, sondern können auch zu Studienzwecken ausgeliehen und unter Aufsicht eingesehen werden.

Darunter finden sich zum Beispiel zahlreiche großformatige Folianten aus der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts, also aus der Gründungszeit der Marburger Universität. Viele dieser Bücher sind noch auf Latein verfasst. Naturgeschichtliche Wälzer sind in diesen Regalen ebenso zu finden wie biografische Nachschlagewerke.

Der Zahn der Zeit hat an den wertvollen und seltenen Büchern jedoch genagt. Nicht alle sind in einem optimalen Erhaltungszustand. Doch die überwachte Klimatisierung soll dazu beitragen, dass die hier gesammelten Werke den Bibliotheksnutzern auch in den kommenden Jahren noch in gutem Zustand zur Verfügung stehen.

von Manfred Hitzeroth

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