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Altbürgermeister ja, aber kein Alteisen

Zur Kreistagswahl Altbürgermeister ja, aber kein Alteisen

Drei Altbürgermeister stehen allein auf der CDU-Liste, ein weiterer ehemaliger CDU-Bürgermeister, der Biedenkopfer Karl Hermann Bolldorf, kandidiert nach seinem Parteiaustritt auf der Liste der Alternative für Deutschland (AfD).

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Der Kreistag tagt traditionell im Landratsamt in Marburg. Für den neuen Kreistag bewerben sich unter anderen die Altbürgermeister Karl-Hermann Bolldorf (von oben links im Uhrzeigersinn), Manfred Vollmer, Klaus Hesse, Manfred Hoim, Karl Krantz und Egon Vaupel sowie Jochen Kirchner, dessen Amtszeit in Kirchhain in diesem Jahr ausläuft.

Quelle: OP-Collage

Marburg. Sieben auf einen Streich - Sechs Altbürgermeister und einer, der es noch dieses Jahr wird, stehen jedenfalls erst einmal auf verschiedenen Listen zur Kreistagswahl. Einer von ihnen ist das aktuelle CDU-Kreistagsmitglied Manfred Vollmer, ehemaliger Bürgermeister von Stadtallendorf. Er gehört auf der Liste zur Topten. Das bedeutet, er will ganz sicher noch mal so richtig im Kreistag mitmischen, oder? „Keine Frage, wenn ich mich für etwas entschieden habe, stehe ich auch zu hundert Prozent dazu.“ Und warum tut er sich das an? Antun - falsches Wort. „Mir macht es einfach Spaß, Politik zu machen, viele Dinge als ehrenamtlicher Mandatsträger mit zu beeinflussen.“

Der ehemalige Bürgermeister der Gemeinde Weimar, Karl Krantz, sitzt derzeit auch für die CDU im Kreistag. Er weiß, warum die CDU Vollmer braucht: „Er ist ein Mensch, der den Haushalt auch von hinten nach vorne lesen kann. Sein Wissen ist von großem Vorteil.“ Krantz selbst kann sich ein weiteres Engagement in der Fraktion vorstellen, lässt aber nun auch anderen den Vortritt.

„Ich kann es mir eigentlich noch gar nicht richtig vorstellen, ohne Kommunalpolitik zu sein. Seit den 60er Jahren gehe ich im Landratsamt ein und aus“, schmunzelt er. Dann sagt er aber auch: „Wenn es für mich nicht mehr klappt, ist das auch kein Beinbruch.“ Der dritte CDU-Mann ist Manfred Hoim, der derzeit dem Kreisausschuss angehört.

Ein weiterer ehemaliger CDU-Bürgermeister ist Karl-Hermann Bolldorf. 15 Jahre lang arbeitete er im Kreistag für die CDU mit. Der CDU gehört er bekanntermaßen nach 44 Jharen nicht mehr an. Er kandidiert aber auch wieder für den Kreistag, auf einer neuen Liste und zwar auf der der Alternative für Deutschland (AfD).

Bolldorf muss nichts mit seinem Gewissen abmachen

„Dass er es mit seinem Gewissen vereinbaren kann, seinen Namen und sein Engagement in den Dienst dieser Partei zu stellen, ist etwas, das nur er erklären kann“, hatte der hessische Finanzminister Thomas Schäfer, der zugleich CDU-Kreisvorsitzender ist, gestern gegenüber dem Hinterländer Anzeiger geäußert. Diese Aussage kann Bolldorf nicht nachvollziehen. „Zunächst einmal müssen CDU und SPD zur Kenntnis nehmen, dass sie nicht die einzigen wählbaren Parteien hier sind“, sagte er gegenüber der OP. Und weiter: „Bevor ich mich entschieden habe, für die AfD zu kandidieren, habe ich mich kundig gemacht und die hiesigen Kandidaten, die mir zuvor völlig fremd waren, zufällig auch kennengelernt. Und ich habe sie als vernünftige und nette Menschen kennengelernt.“

Von daher, so Bolldorf, habe er nichts mit seinem Gewissen abmachen müssen. Dann holt er etwas weiter aus: „Auch schon vorher hat mich die öffentliche Berichterstattung über die AfD irritiert. Ich habe sie nicht als objektiv empfunden. Wer in einer Demokratie freie Meinungsäußerung proklamiert, muss diese auch zulassen können, wenn es eine andere als die eigene ist.“

Bolldorf versteht sich selbst als Demokrat. Daran werde sich nichts ändern. „Menschen beurteile ich nach ihrem Charakter, nicht nach irgendeiner Zugehörigkeit.“ Auf der AfD-Liste steht er auf Platz zwei. Durchaus eine aussichtsreiche Position. „Ich würde mich freuen, wieder im Kreistag mitarbeiten zu können“, sagt er. Die SPD hat zwei Altbürgermeister - nein, halt - es sind ein Altbürgermeister und ein Alt-Oberbürgermeister. Der gerade aus dem Amt geschiedene Marburger Egon Vaupel steht auf Platz 80. „Wenn mich die Partei fragt, ob ich auf die Liste gehe, ist es nur logisch, sich zur Verfügung zu stellen. Für mich ist die Kandidatur eine klare Unterstützung der SPD-Liste, ein Bekenntnis zur sozialdemokratischen Politik.“

McGovern auf dem letzten Listenplatz

Klaus Hesse war einst Bürgermeister von Kirchhain. Vielleicht sitzt er ja nach dem Wahltag 6. März mit seinem Amtsnachfolger Jochen Kirchner erstmals in einem gemeinsamen Gremium, wenn auch für unterschiedliche Parteien. Jochen Kirchner ist noch parteiloser Bürgermeister von Kirchhain. Seine Motivation, jetzt für die Grünen zu kandidieren: „Meine Erfahrungen mit der Koalition im Kreis und meine Erfahrungen mit der Landrätin. Mein Listenplatz (18) ist ein Zeichen, wenn ich aber gewählt werde, nehme ich das Mandat auch an. Man steht schließlich nicht auf der Liste, um es dann abzulehnen.“

Die Listen zur Kreistagswahl lohnen ganz sicher bis zum jeweils letzten Platz aufmerksam angeschaut zu werden. Bündnis 90 /Die Grünen gehen mit 68 Kandidaten ins Rennen. Auf Platz 68 kandidiert kein Geringerer als der ehemalige Erste Kreisbeigeordnete Dr. Karsten McGovern. „Ich möchte mit meiner Kandidatur zunächst einmal deutlich machen, dass ich nach wie vor die Politik der Grünen im Kreis unterstütze“, sagt McGovern auf Anfrage der OP. Der letzte Platz auf der Liste sei allerdings auch so gewollt. Also nicht mehr als nur ein Zeichen? Wir reden hier schließlich von jenem Grünen, der zuerst die Landratsdirektwahl gegen Marian Zachow und Kirsten Fründt verlor und dann nach der neuen Koalition im Kreis zwischen SPD und CDU auch noch frühzeitig von der neuen Mehrheit im Kreistag aus seinem Amt als Vize-Landrat gewählt wurde.

Das sei zwar eine harte Erfahrung gewesen, gibt McGovern zu, aber mittlerweile liege die Sache hinter ihm. „Ich weiß aber auch, dass es damals nicht um mich persönlich ging, sondern ausschließlich um eine politische Entscheidung aufgrund der geänderten Mehrheiten im Kreistag.“ McGovern hat sich arrangiert und sich beruflich neu sortiert. So ist er zum einen als Berater tätig, zum anderen nimmt er auch einen Lehrauftrag an der Universität Kassel wahr.

Nun, und wenn er durch den Wahlmodus von Platz 68 aus tatsächlich den Weg in die neue Grünen-Fraktion findet, dann würde er sein Mandat auch annehmen. „Auch wenn die Platzierung bewusst gewählt ist, steht ich im Falle des Falles auch bereit.“

HINTERGRUND

 Auch Polit-Prominenz steht auf den Listen: Für die CDU kandidiert auf Platz 5 Dr. Christean Wagner, einst selbst mal Landrat und später unter anderem Hessischer Justizminister. Die FDP-Liste schließt mit ihrer erfolgreichsten Politikerin ab: Dr. Gisela Babel, die für die Freien Demokraten im Bundestag tätig war.

 Die SPD wie auch die CDU bieten auch ihre aktuellen Mitglieder des Bundestages an: Sören Bartol und Dr. Stefan Heck. Die SPD auch ihre Landtagsabgeordnete Angelika Löber. Als aktive Bürgermeister sind dabei Bernd Schmidt für die Freien Wähler, Manfred Apell (Lahntal) und Joachim Thiemig (Biedenkopf) auf der SPD-Liste, Marburgs Bürgermeister Dr. Franz Kahle bei den Grünen sowie der neue Marburger SPD-Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies.

SPD und CDU lassen zudem ihre Listen von den hauptamtlichen „Kreisspitzen“ anführen: Die SPD von Landrätin Kirsten Fründt und die CDU vom Ersten Kreisbeigeordneten Marian Zachow. Und die Grünen haben Dr. Karsten McGovern auf der Liste.

von Götz Schaub

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