Volltextsuche über das Angebot:

23 ° / 16 ° Regen

Navigation:
Alltag in Trümmern, die Hoffnung bleibt

Terra Tech Alltag in Trümmern, die Hoffnung bleibt

Gut 150000 Euro werden benötigt, um das Förderzentrum für behinderte Menschen des Terra-Tech-Partners Humanost im bosnischen Maglaj wieder aufzubauen. Doch zunächst steht noch das Aufräumen im Mittelpunkt.

Voriger Artikel
Erinnerungen an den Holocaust
Nächster Artikel
„Große Lösung“ in der Bahnhofstraße

Links: Ein Bild aus dem Behindertenzentrum der Hilfsorganisation Humanost. Die mit Glaswolle gedämmten Zwischenwände mussten herausgerissen werden. Das Wasser hat sie zerstört. Rechts: Schlamm und Geröll prägen das Straßenbild in vielen Orten der Region.Fotos: Christian Schmetz (Terra Tech)

Marburg. Nichts ist mehr so wie vor der Überschwemmungskatastrophe, berichtet Christian Schmetz, der für die Marburger Hilfsorganisation Terra Tech in den vergangenen Tagen in Maglaj war, das rund 70 Kilometer nördlich der bosnischen Hauptstadt Sarajevo liegt.

Dort haben, wie in vielen anderen Regionen des Balkans, die Wassermassen von wochenlangen Regenfällen im Mai und Schlammlawinen eine Schneise der Zerstörung hinterlassen. Nachdem es zunächst in der Soforthilfe unter anderem darum gegangen war, im Bosna-Tal die Gefahr von Seuchen zu bekämpfen, wird nun allerorten aufgeräumt. Auch in Maglaj aber kehrt der Alltag nur in ganz kleinen Schritten wieder ein. Erste Geschäfte haben wieder geöffnet, nachdem die Inhaber das unbrauchbar gewordene Mobiliar entsorgt und die Wände wieder halbwegs getrocknet haben, berichtet Schmetz. Überall kommt es jetzt darauf an, die Schäden, die das Wasser angerichtet hat, zu beseitigen und zu verhindern, dass sich Schimmel bildet und die Räume, in denen das Wasser zeitweise zwei Meter hoch stand, ganz unbewohnbar werden. Neben Spendengeld, das Terra Tech gesammelt und der Partnerorganisation Humanost als Soforthilfe zur Verfügung gestellt hat, brachten Christian Schmetz und sein Kollege Peter Pfingst mit einen Kleinbus unter anderem gerade Trocknungsgeräte und Desinfektionsmittel nach Maglaj.

Fuhrpark in Mitleidenschaft gezogen

Das Behinderten-Tageszentrum, in dem zuletzt zwischen 60 und 80 Menschen aus der Gemeinde und den umliegenden Dörfern unter anderem in einer Werkstatt arbeiten, ist für viele Klienten ein ganz wichtiger Anlaufpunkt, wie Schmetz betont. Ob es wie erhofft bis zum Ende der Ferien im September wieder nutzbar sein wird, ist offen und hängt auch davon ab, ob die notwendigen finanziellen Mittel zur Verfügung stehen.

Neben dem Gebäude, in dem schon viele Zwischenwände herausgerissen werden mussten, hat es auch den Fuhrpark des Zentrums erwischt. Die beiden Transporter, mit denen die Klienten des Zentrums aus den umliegenden Bergdörfern abgeholt wurden, sind unbrauchbar geworden. Alles in allem schätzt Schmetz die Schadenssumme auf 150000 Euro. Weil durch das Hochwasser die Wände des Gebäudes in Mitleidenschaft gezogen wurden, wird nun auch geprüft, ob eine Sanierung oder ein Neubau die bessere Lösung wäre. Letzteres böte die Möglichkeiten, die Größe auch dem gestiegenen Bedarf anzupassen, das Zentrum sei vor der Hochwasserkatastrophe bereits an die Kapazitätsgrenze gestoßen.

Einen Eindruck über die Situation vor Ort, aber auch über die im Zentrum geleistete Arbeit, bietet eine Fotoausstellung, die im Rahmen der Marburger Fototage in dieser Woche in der Marburger Volkshochschule, Deutschhausstraße 38, zu sehen ist. Der Marburger Jan Bosch zeigt dort Bilder, die er vor einem Jahr in Maglaj aufgenommen hat. Nun werden diesen auch Fotos gegenübergestellt, mit denen Christian Schmetz den Ist-Zustand in Maglaj dokumentiert hat. Die Ausstellung ist nach der Eröffnung am Donnerstag um 17 Uhr auch am Freitag und Samstag von 10 bis 17 Uhr sowie am Sonntag von 10 bis 15 Uhr zu sehen.

  • Weitere Informationen zu den Projekten von Terra Tech und der Spendenaktion zugunsten der Opfer der Flut auf dem Balkan gibt es unter der Telefonnummer 06421/9995990 oder im Internet unter www.terratech-ngo.de

von Michael Agricola

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr