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Alles geht ausschließlich über Freiwilligkeit

Jugendrotkreuzler unterwegs Alles geht ausschließlich über Freiwilligkeit

Einfach mal was machen, was man noch nie gemacht hat - unter dieser Prämisse kam der Kontakt zwischen Mitgliedern des Jugendrotkreuz Marburg-Mitte mit Kindern und Jugendlichen, die im Getrudisheim leben, zustande.

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Wunden schminken nimmt Kindern auf spielerische Art den Ekel vor hässlichen Fleischwunden oder blutenden Wunden. So können sie im Ernstfall viel besser helfen.

Quelle: Götz Schaub

Marburg. Wer zum Jugendrotkreuz kommt, hat Spaß an Gemeinschaft und Spaß am gemeinsamen Lernen von Fertigkeiten, mit denen man anderen Menschen in Notsituationen wie Unfällen helfen kann. Dabei geht es in erster Linie um fundierte Kenntnisse rund um das Thema Erste Hilfe - theoretisch wie praktisch. Mit dem Wissen und Können ausgestattet, können die Jugendrotkreuzler in Notfall-Situationen durchaus wichtige Helfer werden, weil sie sich mit Erster Hilfe meist besser auskennen als andere Menschen. Und natürlich wollen sie auch zeigen, dass das nicht nur sie, sondern auch andere Können, wenn sie nur wollen. - Ja, man muss es schon wollen. „Denn bei uns geht alles ausschließlich über Freiwilligkeit“, sagt Dzeneta Bajrektarevic, eine der Betreuerinnen des Jugendrotkreuzgruppe Marburg-Mitte. Denn nur über Freiwilligkeit erreichen die Kinder auch die Wohlfühlatmosphäre, die für sie darüber entscheidet, auch mit Herz bei der Sache zu sein.

Kunstblut macht die„Wunde“ richtig echt

Ein „Ausflug“ führte die Jugendrotkreuzler, zu denen auch Kinder aus dem Landkreis gehören, an den Richtsberg, ins dortige Getrudisheim. Dort trafen sie auf für sie völlig unbekannte Kinder und Jugendliche, um mit diesen einen gemeinsamen Nachmittag zu verbringen. Dank zweier witziger Stuhlkreis-Spiele kamen sich die Kinder sehr schnell näher und wurden neugierig aufeinander. Die Jugendrotkreuzler hatten auch ein paar Koffer mitgebracht, in denen sich allerlei Materialien zum Schminken befanden.

Doch ging es nicht darum, sich schön herzurichten, sondern sich gegenseitig im besten Fall übel aussehende Wunden an Hand, Arm oder Kopf zu schminken. Das machte allen Kindern gleichermaßen Spaß, erst recht als dann noch Kunstblut ins Spiel kam, das den geschminkten Wunden noch den realistischen Touch verlieh. Dabei konnten die Betreuer der Jugendrotkreuzler wie auch die Leiterin des Gertrudisheims, Katja Meißner, erstaunt zur Kenntnis nehmen, dass keines der Kinder in irgendeiner Form Probleme mit der sehr realen Darstellung von blutenden Wunden hatte. Eine gute Voraussetzung für alle, möglicherweise auch im Ernstfall die Ruhe zu bewahren und nicht vor Schreck zu erstarren. Schnell bekamen Dzeneta Bajrektarevic und ihre Kollegin Nora Schotten viel zu tun. Hier wurde noch mehr Schminke benötigt, dort noch mehr Blut. Die Kinder waren begeistert bei der Sache.

Immer ein Kind aus dem Gertrudisheim und ein Kind des Jugendrotkreuz bildeten eine Einheit. Nach dem gegenseitigen Schminken war dann die professionelle Erstversorgung der Wunden angesagt. Das nötige Verbandsmaterial stand natürlich auch zur Verfügung. Nicht lange, und der ehemalige Stuhlkreis hatte sich in ein Lazarett verwandelt.

Überall „verletzte“, aber gut erstversorgte Kinder. Zur Stärkung hatten die Gastgeber Kuchen und Getränke im Angebot, das reichlich genutzt wurde. Die Kinder hatten sich schon längst einen Überblick über die Namen der anderen verschafft und waren in Gespräche vertieft. Dabei zeigte sich auch, dass auf seiten der gastgebenden Kinder nur solche waren, die an diesem erstmaligen Treffen freiwillig teilnehmen wollten.

„Auch bei uns zählt Freiwilligkeit sehr viel“, informierte Katja Meißner. Die Kinder sollen in ihrer Freizeit zu nichts gedrängt werden, was sie nicht möchten. Diejenigen, die sich entschieden hatten, die Jugendrotkreuzler zu empfangen, waren alle der Meinung, dass es sich gelohnt habe. So sehr sogar, dass einige von ihnen den Gästen zeigen wollten, wie sie im Getrudisheim leben und sie zur Zimmerbesichtigung einluden. Wahrlich ein großes Entgegenkommen, das zeigt, dass sich der Nachmittag für alle gelohnt hatte. Und vielleicht kommt ja demnächst auch ein Kind aus dem Getrudisheim zu den wöchentlich stattfinden Gruppenstunden der Jugendrotkreuzler - natürlich ganz freiwillig. So wie Philip seinen Weg dorthin gefunden hatte. Dem Gymnasiast fiel in der Schule ein Flyer in die Hand. Er fühlte sich angesprochen und kam zu einer „Schnupperstunde“.

Seither ist er dabei und trifft sich jeweils freitags von 14 bis 15.30 Uhr mit Tamina, Leila, Lorna und Charlotte zum Spielen, Lernen und Üben im DRK-Haus in der Deutschhausstraße 21 in Marburg. Wer zwischen 8 und 12 Jahre alt ist und auch mal Lust hat, zu erfahren, was man als Jugendrotkreuzler so alles macht, ist eingeladen, zur oben angegebenen Zeit vorbeizukommen - nur nicht in den Ferien.

HINTERGRUND:

Das Gertrudisheim ist eine Kinder- und Jugendhilfeeinrichtung in Trägerschaft des Caritasverbandes der Diözese Fulda. Es wurde bereits 1975 am Richtsberg erbaut. Dort finden vier Kinder- und Jugendwohngruppe mit jeweils bis zu neun Plätzen in separaten Einfamilienhäusern ihr Zuhause. Sie werden jeweils von fünf Mitarbeitern betreut.

Zudem gibt es noch eine Mutter-Kind-Gruppe. Dort finden zumeist noch sehr junge Mütter Hilfe, die mit der Versorgung und Betreuung ihres Kindes überfordert sind. Die Kinder und Jugendlichen sind zwischen 6 und 19 Jahren alt und leben meist mehrere Jahre in der Einrichtung, wenn ihre leiblichen Eltern sich nicht um sie kümmern können. Sie besuchen Marburger Schulen und können neben Angeboten im Gertrudisheim auch Vereinen beitreten.

n Kontakt: Katja Meißner, Telefon 06421/948020

von Götz Schaub

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