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„Alles eine Frage der Priorität“

Kinderbetreuung „Alles eine Frage der Priorität“

Familie und Beruf - das lässt sich in Marburg besonders gut vereinbaren. Die Universitätsstadt gehört zu den deutschen Spitzenreitern in der Kinderbetreuung.

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Genießen das Wühlen in der Klötzchenkiste bei Tagesmutter Jeanette Heide: Anna (r.) und Heidi finden die Holzeisenbahn am besten. Foto: Thorsten Richter

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. 38 Prozent - diese Quote für Kinderbetreuung schafft in ganz Hessen keine andere Kommune. Insgesamt verfügt Marburg über 615 Plätze für unter Dreijährige. Bis zum Sommer 2013, wenn die gesetzliche Pflicht von 42 Prozent greift, sollen bis zu 80 weitere Krippenplätze entstehen. Damit wäre die Quote locker erreicht.

Zum Vergleich: der gesamte Landkreis Marburg-Biedenkopf weist eine Quote von 26 Prozent auf, in Gießen sind es knapp 32 Prozent, in Wetzlar gar nur 25. Was macht Marburg besser als die anderen Kommunen und Kreise? „Marburg hat eine innovative Jugendhilfe. Darüber hinaus werden Tagesmütter nicht nur finanziell gefördert, sie werden auch sozial abgesichert“, sagt Renate Oberlik vom Kinderschutzbund. „Die Aufgabe der Kinderversorgung wird ernst genommen und auch interessant gestaltet.“

Lobende Worte, die Bürgermeister Franz Kahle gerne hört. Aber ist der Erfolg einzig eine Frage der Prioritätensetzung? Der Grünen-Politiker sagt „Ja“. Denn: „Die Leute wollen die Betreuung für ihre Kinder. Gerade in einer Universitätsstadt wie Marburg ist es wichtig, Studium und Familienplanung zu ermöglichen.“

Wichtig sei aber auch, die Betreuung in sozialen Brennpunkten wie Waldtal und Richtsberg nicht zu vernachlässigen. Daher soll die Stadtwald-Krippe sowie die Gruppe in der AKSB-Kita weiter ausgebaut werden. Darüber hinaus laufen die Planungen für die Krippe am Schwanhof, die von der Universität finanziert wird, auf Hochtouren.

Zustände, von denen Mütter und Väter anderorts nur träumen können. Besonders hart trifft es Alleinerziehende, die selbst im Härtefall keinen Platz für den Nachwuchs finden, so nicht zurück in den Job können und unter den Hartz-IV-Regelsatz fallen. Kein Einzelfall. Alleine in Frankfurt fehlen 700 Plätze.

Und die Nachfrage wird steigen. Für Marburg rechnet Bürgermeister Kahle mit einem Bedarf um die 60 Prozent. „Wir dürfen uns auf dem Erfolg nicht ausruhen und müssen weitere Konzepte anschieben“, sagt er und erntet breite Zustimmung von Renate Oberlik. „Alleine Plätze zu schaffen, das reicht nicht aus. Auf die Qualität kommt es an.“ Und daher sagt sie auch: Das von der Bundesregierung ab August 2013 vorgesehene Betreuungsgeld - Eltern, die ihre Kinder zu Hause aufziehen und auf einen Krippenplatz verzichten, werden mit 150 Euro bezuschusst - wäre viel besser in die Infrastruktur der Kindergartenplätze investiert. „Das trifft wieder nur die Falschen.“

von Carsten Bergmann

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