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Alles begann mit einem Erdrutsch

40 Jahre Hausgemeinschaft Alles begann mit einem Erdrutsch

Für Haus und Mensch: Bewohner der Potsdamer Straße 2 feierten vier Jahrzehnte Haus und Gemeinschaftsgefühl.

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Stefan Mania (von links), stellvertretender Vorsitzender der Gemeinschaft, Bernd Schulte, Geschäftsführer Gewobau, Oberbürgermeister Egon Vaupel, Monika Engelter, Hans-Joachim Mummenthal und Manfred Engelter.Foto: Ina Tannert

Marburg. Ein Festzelt steht vor dem großen siebenstöckigen Gebäude, ein paar bunte Papierblumen leuchten am Eingang und in den Hecken des Grundstücks. Die Bewohner feiern gemeinsam das 40-jährige Bestehen ihres Hauses. Bei Grillwurst und Kuchen sitzen sie beisammen, tauschen Neuigkeiten aus und lernen alte und neue Bewohner besser kennen.

Mindestens drei bis vier Generationen sind vertreten, vom Kleinkind bis zum Rentner, die Bewohnerschaft ist abwechslungsreich. Vor allem Familien fühlen sich in dem Gebäude wohl, das war schon immer so, erzählen die Alteingesessenen.

Alles begann im Jahr 1973. Damals zog der allererste Bewohner, Helmut Luderer, in die Potsdamer Straße 2. Seine ersten Nachbarn kamen erst am folgenden Tag hinzu. So verbrachte er ganz alleine einen Tag und eine Nacht in dem großen Gebäude, erzählte Hans-Joachim Mummenthal vom Vorstand lachend. Er selber lebt seit 36 Jahren in dem Haus und ist damit die drittälteste Wohnpartei. Er kümmert sich um den Garten und die Außenanlage des Grundstücks.

Es gibt nur noch zwei Familien, die seit dem allerersten Jahr mit dabei sind und dem Haus die Treue gehalten haben. Aus diesem Anlass bekamen beide auf dem Fest einen Blumenstrauß überreicht.

Vor 40 Jahren stand auch das Haus ganz alleine, die heutigen Nachbargebäude gab es noch nicht. Nach und nach füllten sich die 24 Wohnungen der sieben Stockwerke mit Bewohnern.

Gleich im ersten Jahr mussten die neuen Nachbarn einiges durchmachen. Nach tagelangem Starkregen rutschte der damals noch kahle Hang hinter dem Haus ab. Wahre Schlammfluten ergossen sich dadurch in die Keller des Gebäudes. Für die Bewohner bedeutete dies viel Aufwand, bis Haus und Grundstück wieder von dem Dreck befreit waren.

Gemeinschaft baute Spielhaus und Hobbyraum

Doch aus diesem Übel erwuchs auch etwas sehr Positives, sind sich die Anwohner einig. Denn damals wurde die Hausgemeinschaft gegründet, die bis heute Bestand hat. Diese teilte sich schon damals die anfallenden Arbeiten in ihrem Zuhause, organisierte sich intern selbst, ersann immer wieder gemeinsame Projekte und arbeitet eng mit dem Besitzer, der Gemeinnützigen Wohnungsbau Gesellschaft (Gewobau), zusammen. Da es schon immer ein „kinderreiches Haus“ war, baute die Gemeinschaft neben dem Spielplatz auch ein eigenes Spielhaus für die kleinsten Bewohner. Im Keller entstand ein gemeinsamer Hobbyraum. Man traf sich regelmäßig zu Spielen, Essen, Wandertouren oder Gartenarbeit. „Wir haben immer schon eng zusammen gelebt“, erzählte Mummenthal. Das änderte sich auch nicht, nachdem einige der Mieter auszogen, neue hinzu kamen oder starben. An diese erinnert sich die Hausgemeinschaft auch heute noch.Zu ihrem 40-jährigen Bestehen kam auch der ein oder andere ehemalige Mieter und feierte mit.

Über gute und schlechte Erlebnisse der Hausgeschichte sprach der erste Vorsitzende Manfred Engelter. Er lobte die herzliche Gemeinschaft der Bewohner der Potsdamer Straße 2, auch liebevoll „P 2“ genannt und die gute Zusammenarbeit mit der Verwaltung.

„Diese Hausgemeinschaft ist beispielhaft“, lobte auch Bernd Schulte, Gewobau-Geschäftsführer. Wie sie ihr Heim und ihr Leben gemeinsam gestalten, sei große Klasse. „Gute Nachbarschaft ist eines der wichtigsten Dinge im Leben“, betonte auch Oberbürgermeister Egon Vaupel.

Als Geschenk zum Jubiläum erhielt die Hausgemeinschaft einen Scheck in Höhe von 1000 Euro von der Gewobau.

von Ina Tannert

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