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Allergiewissen lernen im Hochgebirge

Hautmedizin Allergiewissen lernen im Hochgebirge

Eine Woche lang fand eine allergologische Weiterbildung als "Allergie School" für Medizin­studenten in der Hochgebirgsklinik in Davos (Schweiz) statt.

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In der malerischen Gebirgs-Umgebung von Davos fand die allergologische Weiterbildung statt.

Quelle: Privat

Marburg. Die Hochgebirgsklinik in Davos ist die letzte verbliebene Reha-Klinik in dem Schweizer Kurort in den Alpen, weil Kuren in den Schweizer Bergen heute kaum noch verschrieben werden. Dass es dort nicht mehr so viele Reha-Kliniken gebe, sei im modernen Gesundheitssystem schlicht und einfach eine Kostenfrage. „Früher zur ‚Zauberberg-Zeit‘ waren hier mehr als 20 Tuberkulose-Kliniken“, erläutert der Marburger Haut­mediziner und Allergologe Professor Wolfgang Pfützner im Gespräch mit der OP. Der Schriftsteller Thomas Mann setzte vor fast 100 Jahren diesen Lungensanatorien in dem damals noch sehr mondänen Kurort Davos in seinem Roman „Der Zauberberg“ ein grandioses literarisches Denkmal.

Doch nicht auf Thomas Manns literarischen Spuren reiste eine Gruppe von neun Studierenden und weiteren Dozenten unter Leitung von Professor Pfützner vor wenigen Wochen nach Davos. Das Ziel der Marburger war die auf rund 1600 Metern gelegene Hochgebirgsklinik vielmehr vor allem wegen der speziellen medizinischen Möglichkeiten, die damit verbunden sind. Denn dort arbeiten Mediziner, die vorwiegend Patienten mit Allergien, Neurodermitis und Asthma behandeln. „Ein Ziel der studentischen Weiterbildung war, den Klinikbetrieb kennenzulernen“, berichtet Pfützner. Das Besondere an der Davoser Klinik sei die hohe Zahl der dort stationär behandelten Allergie-Patienten. Dieser große und spezialisierte stationäre Betrieb verfüge zudem über eine Reihe von besonderen Untersuchungs-Laboren für Atem- oder Hauttests.

Gegenseitiger Mehrwert

Das Programm der Studienwoche sah vor, dass die Dozenten aus Marburg den Studierenden die Theorie vermittelten und die Schweizer Mediziner den Marburgern Einblicke in die klinische Praxis gaben. Der Mehrwert des Marburger Besuchs für die Kollegen aus Davos lag darin, dass die Marburger Dozenten jeweils abends im Vortragssaal der Klinik vor allem den jüngeren Ärzten mit ihren Vorträgen neueste Einblicke in die aktuellen Ergebnisse der Allergieforschung gaben.

Für Allergie-Patienten ist das Hochgebirge eine ganz besondere Gegend, die auch heilende Wirkung haben kann. „Es ist dort deutlich pollenärmer als im Flachland, und die Pollenflüge setzen später ein“, erklärt Pfützner. Zudem sei die sehr trockene Luft nahezu frei von den für Asthma- und Neurodermitis-Patienten sehr lästigen Hausstaubmilben. „Man kann dadurch sehr schnell stabilere Befunde erhalten und muss weniger mit Medikamenten arbeiten“, zählt Pfützner einige der damit verbundenen medizinischen Vorteile auf. Zudem sei für manche Allergiker eine Hypo-Sensibilisierung im Hochgebirgsklima mit weniger Nebenwirkungen erreichbar, weil es so gut wie keine Allergene gebe. Zwar könne man diese Erkenntnisse aus dem Klinikbetrieb in der Schweiz nicht „eins zu eins“ in die Kliniken in nicht-gebirgigen Gegenden übertragen, sagt Allergie-Spezialist Pfützner. Jedoch könne man daraus lernen, wie wichtig Umwelteinflüsse für den Heilungs- und Genesungsprozess seien.

Skifahren am Nachmittag

Beliebt waren bei der Fortbildung auch die Nachmittagsstunden, die zur freien Verfügung standen und von einigen zum gemeinsamen Skifahren genutzt wurden. Dennoch macht Professor Pfützner deutlich, dass auch der Weiterbildungs-Aspekt sehr wichtig war. So gehörte beispielsweise eine Abschluss-Klausur zum Pflichtprogramm.

Die Kooperation mit der Davoser Spezialklinik soll auf jeden Fall ausgebaut werden. So soll es bereits im kommenden Jahr wieder eine Weiterbildungswoche geben. Zudem könnten Marburger Doktoranden Dissertationsthemen angeboten werden, für die sie in Davos forschen. Auch ein Ärzteaustausch könnte überlegt werden, erläuterte Pfützner.

von Manfred Hitzeroth

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