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Alle neun Stunden ein Wildunfall

Wildwechsel Alle neun Stunden ein Wildunfall

Nach überstandener Eis- und Schneeglätte sollten Autofahrer jetzt nicht zu unbeschwert auf das Gaspedal treten. Die Gefahr im Frühjahr: Vermehrt Wildtiere auf der Straße.

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Wildtiere kennen keine Verkehrsschilder, zudem unterschätzen sie die Geschwindigkeit von Fahrzeugen.

Quelle: Fotomontage: Hirsch

Marburg. Weit mehr als 800-mal im Jahr kommt es im Landkreis Marburg-Biedenkopf zu einem Unfall zwischen einem Fahrzeug und einem Wildtier. Während das Tier zumeist durch den Unfall getötet wird, kommen die Autofahrer meistens mit dem Schrecken und Blechschaden am Auto davon. Doch wenn es ungünstig läuft, kann so ein Unfall auch das Leben von Menschen im Auto gefährden, etwa wenn der Fahrer versucht, einer drohenden Kollision mit dem Tier unkontrolliert auszuweichen. Insbesondere bei kleineren Tieren wie Fuchs und Dachs rät die Polizei dazu, auf Ausweichmanöver zu verzichten. „In den vergangenen vier Jahren gab es zumindest keine Todesopfer und nur wenige Schwerverletzte zu beklagen“, sagt Polizeisprecher Martin Ahlich. Die Gefahr ist indessen stets vorhanden. Statistisch kommt es alle neun Stunden zu einem Wildtierunfall im Landkreis. Die meisten Unfälle ereignen sich in den Frühlings- und Herbstmonaten.

Die Erfahrungen zeigen, dass die Wildunfallzahlen ab März bis Mai deutlich ansteigen. Die Wildtiere sind auf der Suche nach Nahrung, Lebensraum oder auf der Suche nach neuen Partnern. Die Tiere legen dabei viele Kilometer zurück und kreuzen dabei immer wieder Straßen, weniger befahrene wie auch stark befahrene. Kam es im Februar 2012 auf dem Gebiet des Polizeipräsidiums Mittelhessen noch zu 264 Wildunfällen, stieg die Zahl in den drei darauf folgenden Monaten kontinuierlich an. Im Mai letzten Jahres wurden 449 Wildunfälle im gesamten Präsidiumsbereich registriert, das den Landkreis Gießen, den Lahn-Dill-Kreis, den Kreis Marburg-Biedenkopf sowie den Wetteraukreis und die dortigen Autobahnen umfasst. Dort wurden vom 1. Januar 2012 bis zum 31. Dezember 2012 etwa 4500 Wildunfälle polizeilich aufgenommen.

Bei Wildunfällen kommt es zumeist „nur“ zu Blechschäden. Ein Zusammenstoß mit einem Wildtier ist aber trotzdem sehr gefährlich, da das Aufprallgewicht eines Tieres deutlich höher ist als sein Eigengewicht. Untersuchungen haben ergeben, dass ein Wildschwein bei einem Aufprall bei einer Geschwindigkeit mit etwa 60 km/h dann etwa das Gewicht eines Nashorns besitzt. 2010 verloren bundesweit 238800 Wildtiere ihr Leben auf der Straße. Das belegt die Unfallstatistik des Deutschen Jagdschutzverbandes (DJV). Am häufigsten traf es Rehe, 214000 starben 2010 im Straßenverkehr - eine Steigerung von sieben Prozent gegenüber 2009. Aber auch Menschen verlieren bei solchen Unfällen immer wieder ihr Leben. 2002 waren es bundesweit 30 Opfer.

Wer glaubt, einen Wildunfall nicht melden zu müssen, läuft Gefahr, auf seinem Schaden am Auto sitzenzubleiben. Ohne entsprechende Spuren und verlässliche Zeugen könnte es schwer werden, Versicherungen davon zu überzeugen, dass es sich bei dem Schaden um einen Unfall mit einem Wildtier handelt.

Hintergrund:
  • Das Polizeipräsidium Mittelhessen gibt Tipps zur Vermeidung von Unfällen mit Wildtieren und informiert über Verhaltensweisen, wenn der Unfall unausweichlich ist.
  • Grundsätzlich gilt: Fuß vom Gas, wenn Sie in Waldstücken und an unübersichtlichen Wald- und Feldrändern unterwegs sind.
  • Erhöhte Vorsicht: Wenn Sie auf neuen, durch den Wald führenden Verkehrsstraßen unterwegs sind.
  • Fernlicht benutzen: Benutzen Sie nachts in bewaldeten Gebieten das Fernlicht. Durch dieses Licht wirken die Augen der Tiere wie Rückstrahler und sind besser zu erkennen.
  • Abblenden und bremsen bei Wildwechsel: Bremsen Sie kontrolliert ab und hupen Sie, wenn Wild auf der Straße steht.
  • Vorsicht bei Nachzüglern: Wildtiere sind zumeist in der Gruppe zusammen. Kam es bereits zum Wildwechsel, so müssen Sie damit rechnen, dass noch andere Tiere die Straße überqueren.
  • Besser kontrollierter Aufprall als unkontrolliertes Ausweichen: Wildunfälle lassen sich nicht immer vermeiden. Sollte eine Kollision unvermeidbar sein, halten Sie das Lenkrad fest, folgen Sie dem Straßenverlauf und bremsen Sie ab. Riskante Ausweichmanöver gefährden hingegen möglichen Gegenverkehr und natürlich Sie selbst.
  • Warnschilder nicht ignorieren: Achten Sie auf die entsprechenden Warnschilder. Aufgrund bestimmter Auswertungen werden die Warnschilder vor allem an Strecken aufgestellt, wo es besonders häufig zu Wildwechsel kommt.
  • Absichern der Unfallstelle: Kommt es tatsächlich zu einem Wildunfall, sollten Sie die Unfallstelle absichern und die Polizei verständigen. Die Polizei verständigt auch den zuständigen Jagdpächter.
  • Das geht gar nicht: Auf keinen Fall sollten Sie ein Tier nach einem Unfall in den Kofferraum laden und mitnehmen. Damit würden Sie sich wegen Jagdwilderei strafbar machen.

von Götz Schaub

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