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Alle Religionen unter einem Zelt

Ramadanzelt Alle Religionen unter einem Zelt

Rund 400 Menschen feierten am Donnerstagabend in der Marburger Innenstadt gemeinsam die Eröffnungsfeier des 8. Marburger Ramadanzeltes.

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Rund 400 Besucher sind am Donnerstag zur Eröffnungsfeier des Ramadanzeltes am Elisabeth-Blochmann-Platz gekommen.

Quelle: Stadt Marburg

Marburg. Es war ein „Who is Who“ Marburgs Politik- und Religionsszene. Denn am Donnerstagabend gaben sich nicht nur Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies und Ex-Oberbürgermeister Egon Vaupel die Ehre, bei der Eröffnung des jährlichen Ramadanzeltes, das zum achten Mal auf dem Elisabeth-Blochmann-Platz stattfand.

Auch Vertreter des Ausländerbeirates, der jüdischen sowie der katholischen und evangelischen Gemeinde Marburgs saßen unter dem gut gefüllten Pavillon. Alle Redner sprachen sich für ein Miteinander und gegen Rassismus und Ausgrenzung aus.

„Islamkritik“ geschönter Begriff für Rassismus

Allen voran Marburgs Oberbürgermeister, der den Finger in die Wunde legte. „Wer die Medienberichte verfolgt, hat mitbekommen, dass in Deutschland die Muslimfeindlichkeit in den vergangenen Jahren massiv zugenommen hat. Diesen Menschen rate ich, nach Marburg zu kommen, um zu sehen, wie ein Miteinander aussieht“, meinte Dr. Thomas Spies und holte zum verbalen Hieb gegen „Islamkritik“ aus: „Ich denke, dass das ein geschönter Begriff für Rassismus ist.“

Den schlechten Ruf des Islam führte der 21-jährige Ramin auf diverse Terrorgruppen zurück. „Was zum Beispiel der IS macht, ist purer Terror und hat mit dem Islam nichts zu tun. Leider dreht sich die Berichterstattung in den Medien oft um diese winzige Minderheit“.

Trotz Unterschieden zwischen den drei Offenbarungsreligionen unterstrich vor allem Monika Bunk, 1. stellvertretende Vorsitzende der jüdischen Gemeinde Marburg, die Gemeinsamkeiten zwischen Juden und Moslems, bezeichnete letztere
als „Brüder und Schwestern“. „Die jüdische Gemeinde steht an der Seite der Muslime. Gegen jegliche Form von Rassismus und Hass“, sagte Bunk.

„Das sind Menschen mit Angst und Hass im Herzen, die sich meistens gar nicht mit uns auseinandersetzen wollen. Die wird’s wohl immer geben“, erklärte der 47-jährige Abou das Aufkommen von rechtspopulistischen Parteien wie der AfD. Er zuckte mit den Schultern. In der Universitätsstadt lebe es sich allerdings sehr gut: „Marburg ist sehr links. Hier hatte ich noch nie Probleme.

Ziel des Ramadans: Glauben und Willen stärken

Der Ramadan begann am 6. Juni (siehe Hintergrund). Laut Dr. Hamdi Elfarra, Vorsitzender der Islamischen Gemeinde Marburg und Moderator an diesem Abend, sei es das Ziel dieses Fastenmonats, den eigenen Glauben und Willen zu stärken und sich über die Abhängigkeit von Gott im Klaren zu werden.

Vor allem Willensstärke mussten die Feiernden beweisen, denn das Essen wurde erst um 21.53 Uhr aufgetischt, und es gab kaum jemanden, der nicht hungrig war.

Hintergrund
Für Muslime in Deutschland begann der Fastenmonat Ramadan dieses Jahr am 6. Juni und dauert bis zum 4. Juli. Von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang verzichten Gläubige während dieser Zeit auf Essen und Trinken. Auch Rauchen und Geschlechtsverkehr sind untersagt. Ausgenommen sind Reisende, Kinder, Altersschwache, Kranke und Schwangere. Für gläubige Muslime ist der Ramadan eine religiöse Pflicht, er gehört zu den fünf Säulen des Islam.

von Benjamin Kaiser

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