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Alle 14 Mörder wurden freigesprochen

Ausstellung: Massaker von Mechterstädt Alle 14 Mörder wurden freigesprochen

Die Ausstellung im Rathaus dokumentiert bis zum 30. Januar die Ermordung von 15 Arbeitern im thüringischen Mechterstädt. Täter im Jahre 1920 war ein Marburger Studentenkorps.

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Dr. Kerstin Weinbach und Professor Bruno Reimann eröffneten die Ausstellung.

Quelle: Marcus Hergenhan

Marburg. „Wir waren uns bewusst, als wir das Gewehr anlegten, dass wir großes Herzeleid über deutsche Mütter bringen würden, denen wir die Söhne, die einzige Stütze vielleicht, nahmen. Wir schossen dennoch.“ Mit diesen Worten erklärte sich der Medizinstudent Frank Jahn vom Corpus Hasso Nassovia bei der Gerichtsverhandlung im Jahr 1920 zur Ermordung von 15 Arbeitern in Mechterstädt am 25. März desselben Jahres.

Jahn war einer von 14 Angeklagten, die alle Teil des StuKoMa, des Studentenkorps Marburg, waren. Eine von vielen studentischen Einheiten dieser Zeit, die von der Regierung unter Friedrich Ebert dazu eingesetzt wurden, im Land nach den häufigen Unruhen „für Ruhe“ zu sorgen. Auch nach dem rechten Kapp-Putsch, gegen den sich vor allem in Gotha von den Sozialisten angetriebene Arbeiter erhoben hatten, kamen die Studentenkorps zum Einsatz. Dass dabei die Marburger Einheit 15 gefangengenommene Arbeiter während einer Überführung von Gotha nach Mechterstädt einfach ermordete und sie anschließend durch das Zertrümmern der Schädel unkenntlich machte, zeigt, was im Namen des Staatsschutzes bereits lange vor der Machtergreifung Hitlers möglich war. Nach heutigem Kenntnisstand sollte ein Exempel statuiert werden, den Widerstand hatten die Arbeiter längst aufgegeben.

Um daran zu erinnern, wurde am Donnerstag eine Ausstellung zum „Massaker von Mechterstädt“ von Professor Bruno Reimann und Stadträtin Dr. Kerstin Weinbach (SPD) eröffnet. „Auch wenn es immer wieder auch von Marburger Historikern Bemühungen gegeben hat, diesen Fall aufzuarbeiten und im Gedächtnis zu halten, habe ich leider nicht den Eindruck, dass sich die Uni diesem Thema wirklich stellen möchte. Leider war es auch bislang nicht möglich, eine solche Ausstellung innerhalb der Räumlichkeiten der Hochschule zu realisieren. Ich denke, generell wird bei diesem Thema in vielen Kreisen hier in der Stadt noch immer eher weggesehen, vielleicht täten ein paar Gedenktafeln vor den entsprechenden Gebäuden in der Lutherstraße hier ganz gut“, sagte Reimann, der die Ausstellung hauptverantwortlich gestaltete. Für die Täter gab es seinerzeit keine Konsequenzen, die Regierung, die Universitäten und das Bürgertum, vor allem in Marburg, standen hinter den jungen Männern. Sie alle sahen in ihnen Verteidiger des Staates. Alle 14 Mitglieder wurden freigesprochen, die Beratung des Gerichts währte eine halbe Stunde.

von Marcus Hergenhan

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