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Alkoholsüchtiger bedroht Sanitäter und Polizisten

"Ich mache euch kalt" Alkoholsüchtiger bedroht Sanitäter und Polizisten

Weil ein suchtkranker Marburger sowohl Sanitäter als auch Polizisten bedroht und sich aggressiv geweigert hatte, ihren Anweisungen Folge zu leisten, musste er vor dem Amtsgericht erscheinen.

Marburg. Marburg. Mitte November vergangenen Jahres hielt sich der 25-Jährige zusammen mit zwei Bekannten in einer Wohnung in Marburg auf. Dort konsumierten die drei alkoholsüchtigen Männer über Stunden hinweg große Mengen Schnaps. In den späten Mittagsstunden brach schließlich einer der Männer zusammen, konnte sich nicht mehr bewegen oder sprechen.

Daraufhin rief der Angeklagte einen Rettungswagen. Nachdem die Sanitäter eingetroffen waren, hinderte er sie jedoch daran, den halb besinnungslosen Mann zu versorgen. Er bedrohte sie anscheinend in solchem Maße, dass die Rettungsmannschaft sich genötigt sah, die Hilfsmaßnahmen einzustellen, die Wohnung wieder zu verlassen und die Polizei zu rufen.

Als die Beamten mitsamt Diensthund schließlich in der Wohnung eintrafen und auf den betrunkenen Angeklagten stießen, griff dieser sie verbal an und weigerte sich, den Raum zu verlassen.

Nach mehrmaliger, vergeblicher Aufforderung, die Wohnung zu räumen, ergriffen die Polizisten den Mann, legten ihm Handschellen an und brachten ihn aufs Revier.

Bereits im Polizeiwagen begann der Angeklagte die Beamten massiv zu beleidigen und zu bedrohen. Unter anderem drohte er, sie alle mitsamt dem Hund „kalt zu machen“, sobald seine Fesseln gelöst wären. Im Großen und Ganzen „typische beleidigende Drohgebärden eines Betrunkenen“, kommentierteeiner der beiden Polizisten, die als Zeugen vor Gericht aussagten, das Verhalten gelassen. Auf der Polizeistation verhielt sich der Mann weiterhin aggressiv, versuchte einen der Polizisten gegen eine Stahltür zu stoßen. „Mit viel Kraftaufwand“ dirigierten die Beamten den sich wehrenden Mann schließlich in eine Ausnüchterungszelle, in der er bis zum nächsten Tag verblieb.

Angeklagter trinkt Alkohol, seit er 14 Jahre alt ist

Ein Alkoholtest wurde nicht durchgeführt. Die Polizisten beurteilten den Zustand des Angeklagten als stark betrunken, aber noch aufnahmefähig und ansprechbar.

Erst in der Zelle setzte seine Erinnerung wieder ein, gab der Beschuldigte vor Gericht an. Vom Tattag habe er einen sogenannten Filmriss und wisse nichts mehr von den Vorkommnissen.

Der 25-Jährige ist bereits seit mehreren Jahren alkoholsüchtig und hat schon mehrere Entgiftungs- und Entziehungskuren hinter sich. Seine beiden Bekannten ebenfalls. Am Tattag hatten sie erst am Morgen eigenmächtig und gegen ärztlichen Rat eine stationäre Marburger Suchtklinik verlassen. Seit seinem 14. Lebensjahr trinke er regelmäßig Alkohol, seitdem er 18 ist und nach dem Tod der Mutter wurde es besonders schlimm, gab er vor Gericht an. In letzter Zeit habe die Therapie jedoch mehr Erfolg, es käme zwar seltener zu ausschweifenden Alkoholexzessen, „aber wenn dann richtig“.

Der junge Mann stand nicht zum ersten Mal vor Gericht. Seit 2002 musste er sich bereits mehrmals wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis, Sachbeschädigung, Verstoß gegen das Waffengesetz und schweren Diebstahls verantworten. Zur Tatzeit befand er sich innerhalb einer Bewährungsfrist. Hinsichtlich des aktuellen Verfahrens ist er jedoch nicht einschlägig vorbestraft, wurde also bislang nicht wegen ähnlicher Taten verurteilt.

Vor Gericht beteuerte der junge Mann er wolle sich bessern, weiter therapeutische Maßnahmen wahrnehmen und endlich „trocken werden“. Auch seine Bewährungshelferin betonte, er sei mittlerweile „auf einem guten Weg“.

Richter Dirk-Uwe Schauß verurteilte den Mann schließlich wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte und Beleidigung zu einer Geldstrafe von 1200 Euro.

von Ina Tannert

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