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Aktivisten starten Pfand-Petition

Aufruf im Netz Aktivisten starten Pfand-Petition

Viele Marburger fordern das Aufstellen von Pfandkisten in der Stadt. Damit soll Umweltverschmutzung verhindert und vor allem Bedürftigen, den Flaschensammlern geholfen werden.

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Aufkleber weisen auf die Aktion hin, dass die Stadt Pfandsammelstationen einrichten soll. Immanuel Griesel handelt: Vor seinem Laden„Green Hill“ hat er bereits eine Kiste montiert. Fotos: Wisker

Marburg. Damit Flaschen und Dosen, für die es acht bis 25 Cent gibt, nicht mehr im Mülleimer landen, sollen etwa an Laternenmasten Sammelstationen aufgebaut werden, ist ein Auruf gestartet worden. Diese Forderung geht aus einer Online-Petition in den sozialen Netzwerken Facebook und change.org hervor. Sie trägt den Namen „Pfand gehört daneben, Herr Vaupel“. Nach wenigen Wochen zählt sie bereits rund 260 Unterzeichner. Die Begründung der Antragssteller: „Der Unterschied zwischen Arm und Reich wird in Marburg immer größer“, schreiben die Initiatoren. Das zeige sich nirgendwo deutlicher als beim Pfand: „Die einen gehen abends feiern und können es sich leisten, Dosen und Pfandflaschen in öffentliche Mülleimer zu werfen. Für die anderen sind 8, 15 oder 25 Cent viel Geld - sie nehmen es dafür sogar auf sich, den Müll zu durchwühlen und das Pfand wieder herauszuholen.“ Darum sei es „toll, wenn Marburg eine nachhaltige Lösung für das Pfandproblem finden und so mit gutem Beispiel vorangehen würde.“ In einigen Städten seien bereits unterschiedliche Möglichkeiten diskutiert und ausprobiert worden.

An vielen Mülleimern in der Stadt kleben Flyer, die auf die Initiative hinweisen. Und einige der bislang 264 Online-Unterzeichner forcieren den Plan, begründen die Forderung: „Es ist menschenunwürdig, die Leute ihr Überlebensgut aus dem Mülleimer fischen zu lassen. Wenn so eine fortschreitende Armut schon herrscht, muss man nicht noch den Daumen drauf drücken und die Leute im Müll danach suchen lassen. Tut keinem weh, solche Müllstationen in Marburg“, schreibt etwa Unterzeichner Lau K. Andere richten Appelle an die Marburger und die Stadtverwaltung: „Bitte helfen Sie die Initiative Pfand gehört daneben in Marburg zu unterstützen“, schreibt Jonas Weber. Alexander Thelen nennt den Grund: „Weil es eine soziale und zeitgerechte Bewegung ist.“ Bundesweit zählt die Initiative, die auch in Hamburg und Berlin für Diskussionen sorgt, mehr als 26 000 Facebook-Unterstützer.

Die Stadtspitze sieht den Vorschlag jedoch skeptisch. „Wir halten die Idee, Pfandflaschen neben Mülleimern oder an separaten Stationen zu sammeln, weder für gut noch praktikabel“, sagt Ralf Laumer, Sprecher der Stadt. Zunächst gelte, dass Pfandflaschen in die dafür vorgesehenen Pfandsysteme gehören. Darüber hinaus sehe die Stadt ein Sicherheitsproblem, „wenn etwa Glas-Pfandflaschen separat gesammelt werden, und die Gefahr besteht, dass sie aus den Behältern genommen und zerstört werden.“ Allerdings prüfe die Verwaltung aktuell, ob sie an öffentlichen Mülleimern Aufkleber anbringen könnte, welche etwa die Standorte der nächsten Glas-Recyclingbehälter nennen.

Initiativen-Unterstützer Lukas Schmidt fordert im Internet Eigeninitiative statt Papierkrieg. Und das Ansinnen der Initiative greifen einige bereits ohne das Vorpreschen der Stadt auf: An einigen Standorten haben Privat- und Geschäftsleute bereits Sammelkisten aufgestellt. Etwa der Skatershop „Green Hill“ an der Gutenbergstraße. „Ich habe solche Sammelkisten in anderen Städten gesehen und habe das dann hier nachgeahmt“, sagt dessen Inhaber Immanuel Griesel. Zuerst hätten Kunden und Fußgänger irritiert geschaut, den Sinn des Kastens nicht verstanden. Mittlerweile füllt dieser sich vor allem nachts.

Kurios: Die erste Kiste, die vor dem Laden montiert worden ist, wurde von Dieben abgeschraubt. „Bringt ja auch 1,50 Euro“, sagt Griesel und hängt eine neue Kiste auf.

von Björn Wisker

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