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Aktivisten blockieren Populisten

Demo gegen Pro Deutschland Aktivisten blockieren Populisten

Kochtöpfe, Trillerpfeifen und Protest-Banner: Am Sonntag haben in Marburg 250 Demonstranten Kundgebungen der als rechtspopulistisch geltenden Bewegung Pro Deutschland lautstark behindert.

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In der Ketzerbach organisierten linke Gruppen eine Gegen-Demonstration zeitgleich zur Kundgebung vor der Marbacher Moschee einige hundert Meter weiter – um Provokationen und eine Eskalation zwischen Extremen zu verhindern.

Quelle: Nadine Weigel

Marburg. Sechs Anhänger der Bewegung „Pro Deutschland“ waren am Sonntagmorgen in einem Minibus nach Marburg gereist. Vor der Omar Ibn Al-Khattab-Moschee am Marbacher Weg äußerten sie ihre Kritik am Islam und dem muslimischen Frauenbild sowie über die Muslimbruderschaft in Ägypten. „Die wollen den Tod für Homosexuelle, Aufbau eines Terror-Regimes und Burka-Zwang für Frauen“, sagten verschiedene Redner der Bewegung. Viele Gegendemonstranten hielten lautstark dagegen. Minutenlang riefen sie „Haut ab, haut ab!“, in Richtung der rechtspopulistischen Gruppe.

Nach Angaben der Polizei, die mit Dutzenden Sicherheitskräften die Protest-Gruppen trennte, waren etwa 250 Gegen-Demonstranten den Aufrufen aus dem linken Lager gefolgt. Auf der Ketzerbach, Höhe Leckergäßchen versammelten sie sich früh morgens um „klar zu zeigen: In dieser Stadt ist kein Platz für rechtes Gedankengut“, wie Ulf Immelt vom Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) sagte. „Im Kampf gegen Nazis vergessen wir unsere Unterschiede, da stehen wir in Marburg eng zusammen.“ Ähnlich äußerte sich Pit Metz (Linke): „Das einzige, was Rechte hier bekommen, ist ein Tritt in den Hintern.“

Zu einer weiteren Kundgebung der sechs Protestierer in der Straße Am Grün, vor der Buchhandlung „Roter Stern“ kam es nicht mehr, da Gegendemonstranten die Zufahrt auf der Universitätsstraße blockierten. Sie zwangen den „Pro Deutschland“-Bus erst zum Stopp, dann zu einer Irrfahrt. Dutzende verfolgten den Wagen durch die Innenstadt, bis dieser Marburg zu verlassen schien. „Solche Leute, egal wie viele das sind, haben hier mit ihren Parolen nichts verloren“, sagt Tanja Hofmann (22), die sich mit Freunden dem Gegenprotest anschloss. „Schlimm, dass die ihren Müll überhaupt verbreiten dürfen“, sagt Henning Ostermann (30).Gegen Mittag tauchten die Rechtspopulisten plötzlich am Hauptbahnhof auf, wo die Mitglieder der Bewegung auf weniger Gegner trafen.

 

Die Demonstrationen verliefen nach Polizeiangaben weitgehend friedlich, nur auf der Universitätsstraße kam es zwischenzeitlich zu Rangeleien zwischen Sicherheitskräften und Gegendemonstranten, als diese zum Minibus der rechten Bewegung durchbrechen wollten. Es flogen Eier auf die Frontscheibe des Wagens. Die Situation entspannte sich als die Beamten die Anhänger von „Pro Deutschland“ anwiesen, die Innenstadt zu verlassen.

„Man muss einfach stolz auf diese Stadt und ihre Einwohner sein“, sagt Bilal El-Zayat, Vorsitzender der Islamischen Gemeinde in Marburg beim Blick auf den Gegenprotest. Dass sich Hunderte der Pro-Deutschland-Ideologie entgegenstellen, auch wenn deren rechtes Gedankengut nur von wenigen geteilt werde, erfülle ihn und seine Glaubensgemeinde mit Freude. „Pro Deutschland“ zieht derzeit während ihres Wahlkampfs durch verschiedene Städte.

von Björn Wisker

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