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Afrikanisches Wörterbuch entsteht in Marburg

Afrika-Forschung Afrikanisches Wörterbuch entsteht in Marburg

Der Marburger Afrikanist Professor Hermann Jungraithmayr erarbeitet mit Unterstützung aus Nigeria das Wörterbuch einer afrikanischen Stammessprache.

Marburg. Es kommt auf die Akzentuierung, die genaue Beachtung der Vokale und die Tonhöhe an: das Wort „èek“ heißt Eichhörnchen, wenn es mit tiefem Ton ausgesprochen wird. Mitteltonig intoniert bedeutet „eek“ hingegen Schwangerschaft. Das Wort stammt aus der Sprache „Ngas“ oder „Angas“, der Muttersprache von rund 500000 Nigerianern.

Forschungsgemeinschaftfördert das Projekt

Seit seinem Besuch beim Volk der Ngas in Nigeria im Jahr 1962 erforscht der Marburger Afrikanist Professor Hermann Jungraithmayr die Sprache der Ngas. 50 Jahre später nähert sich mittlerweile das Projekt eines Wörterbuches und der dazugehörigen Grammatik, das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert wird, seinem Ende.

Der emeritierte Marburger Wissenschaftler erhielt dazu mittlerweile bereits zum dritten Mal tatkräftige Unterstützung von einem jungen Mann aus Nigeria: Luka Jiwul kam bereits zum dritten Mal nach Marburg und an die Uni Frankfurt, wo der Marburger Forscher lehrte. „Jiwul ist ein verlässlicher Gewährsmann für die bis heute vor allem nur mündlich tradierte Sprache“, erläutert Jungraithmayr. Sprachverwandtschaftlich gesehen gehört Ngas zu einer Großfamilie, zu der unter anderem auch Alt-Ägyptisch, die Berbersprachen Nordafrikas sowie Arabisch und Hebräisch zählen, erläutert Professor Jungraithmayr.

„Der wahre kulturelle Reichtum Afrikas liegt in der enormen Vielfalt seiner Sprachen“, meint der Afrikanist. Die rund 800 Millionen Bewohner des „schwarzen Kontinents“ sprechen an die 2000 Sprachen. „Jede ist ein kleines Universum von unzähligen Wörtern, die durch präzise Regeln in oft hoch komplizierte grammatische Formen verwandelt werden“, beschreibt der Marburger Forscher. „Diese filigranen Gebilde, den Sprechern selbst natürlich nicht bewusst, erschließen sich nur dem wissenschaftlichen Ohr, dass die Qualität eines mikroskopisch feinen Hörgeräts besitzen muss.“

Die „feinziselierten Laut- und Formensysteme“ seien auf die hohen Anforderungen einer reinen Hör- und Sprachgemeinschaft geeicht, analysiert der Afrikanist. Über Jahrtausende sei so ein Reichtum an kulturellen Inhalten und Formen angesammelt worden, der über Generationen hinweg weitergegeben und im Gedächtnis der Sprecher aufbewahrt werde. Heute sei allerdings die Vielfalt der Sprachen durch das Vordringen grenzüberschreitender Verkehrssprachen bedroht.

von Manfred Hitzeroth

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