Volltextsuche über das Angebot:

12 ° / 7 ° Regenschauer

Navigation:
AfD ist für 7,4 Prozent eine Alternative

Analyse der Europawahl auf Kreisebene AfD ist für 7,4 Prozent eine Alternative

Was bleibt von der Europawahl im Landkreis als Erkenntnis zurück? Ganze 3,3 Prozent mehr Wähler gingen am Sonntag mehr in die Wahllokale als 2009.

Voriger Artikel
Hohe Anforderungen im Praxisteil
Nächster Artikel
Fußball-Sammelalbum für Elnhausen

AfD-Spitzenkandidat Bernd Lucke (r) und AfD-Kandidatin Beatrix von Storch feiern am 25.05.2014 bei der Wahlparty der Alternative für Deutschland zur Europawahl in Berlin.

Quelle: Hannibal Hanschke / dpa

Marburg. Die absoluten Zahlen sollten wenigstens als positiver Trend gewertet werden. Insgesamt stieg die Zahl der Wähler von 66679 auf 72863. Die Wahlbeteiligung liegt mit 39,3 Prozent dennoch erneut unter der 40-Prozent-Marke. Dass die nicht geknackt werden konnte lag auch an den Kommunen Bad Endbach, Breidenbach und Stadtallendorf, die wie 2009 unter 30 Prozent blieben. Bei Stadtallendorf muss man sich schon ein wenig verwundert die Augen reiben, ist doch gerade die Hauptstadt des Ostkreises bekannt für ihre Nationenvielfalt. Irgendwie möchte man dieser Kommune einfach mehr Interesse an Europa unterstellen. Die Universitätsstadt Marburg verbuchte das beste Ergebnis mit 47,4 Prozent. Nein, nicht ganz richtig. Gladenbach knackte mit 54,2 die 50-Prozent-Marke Wie das? 2009 gingen dort gerade mal 31,5 Prozent wählen. Nun, dort fand parallel eine Bürgermeisterwahl statt. Sehr tricky.

2009 erreichten die Fronhäuser die Bestmarke. Sie wählten damals ebenfalls ihren Bürgermeister und kamen deshalb auf 76,7 Prozent. Am Sonntag ließen sie es ohne Bürgermeisterwahl ruhiger angehen und fielen auf 39,8 Prozent zurück.

5 339 Mitbürger wählen die „Alternative“

Vielleicht lag es ja auch an der AfD, dass mehr Menschen zur Wahl gegangen sind. Hadi Riedel aus Kirchhain, Sprecher des AfD-Kreisverbandes, geht davon aus, dass die 5339 AfD-Wähler nicht nur von anderen Parteien kommen, sondern auch aus dem Pool der bisherigen Nichtwähler beziehungsweise frustrierten Wähler, denen man dieses Mal eben eine Alternative bieten konnte. „Wenn man bedenkt, dass wir vor einem Jahr erst den Landesverband und dann sechs Wochen später den Kreisverband gegründet haben, möchte ich das Ergebnis von 7,4 Prozent schon als sensationell bezeichnen“, so Riedel auf OP-Anfrage.

Und ja, mit diesem Erfolg im Rücken will die Partei „definitiv“ 2016 bei den Kommunalwahlen antreten. Riedel weiter: „Ganz besonders freut mich das persönliche Ergebnis in meiner Heimatgemeinde Himmelsberg, wo die AfD mit einem unglaublichen Ergebnis von 25,84 Prozent abgeschlossen hat. Das ist ein unglaublicher Vertrauensbeweis und zeigt, dass ich von den Menschen, die mich kennen, keinesfalls als rechtspopulistisch wahrgenommen werde.“ Durchaus zufrieden, wenn sie auch leichte Verluste hinnehmen mussten, sind die Grünen. Sandra Laaz, Vorsitzende der Kreistagsfraktion, freute sich über ein hessenweit sehr gutes grünes Ergebnis. „Bedauerlich finde ich allerdings, dass die AfD so stark nachgefragt wurde. Das halte ich sogar für besorgniserregend.“ Aufgrund der gefallenen Prozenthürden freuen sich dieses mal auch die kleinen Parteien, die sonst unter Sonstige rangieren. „Ich bin sehr erfreut, dass wir wenigstens einen Sitz haben, wo unser Kandidat sich auch im Europaparlament für den Tierschutz starkmachen kann und den Missbrauch der Tiere aufzeigt“, sagt beispielsweise Wolfgang Pentzler aus Weimar, der auch für die Organisation Peta aktiv ist.

Das mag auch nicht verkehrt sein, aber es gibt auch noch andere Parteien, die jetzt auch mit einem weitgehend unbedeutenden Wahlergebnis eine Person nach Brüssel schicken dürfen. Etwa die NPD. Im Landkreis wählten 369 Personen die Partei, die die demokratischen Parteien eigentlich verboten sehen wollen. Aufgrund der doch geringen Wahlbeteiligung reichten eben diese 369, um auf 0,5 Prozent zu kommen. Da sollte sich jeder Nichtwähler doch mal fragen, wie viel er dazu beigetragen hat, dass 369 Personen 0,5 Prozent ergeben können. Bleibt nur zu hoffen, dass die NPD mit 369 Wählern auch ihr Limit im Kreis erreicht hat.

7,4 Prozent: Des einen Lust, des anderen Frust

Die SPD durfte sich immerhin auf ihre Wähler verlassen, dass sie die meisten Stimmen erzielte. Das war 2009 nicht so, da durfte sich die CDU über knapp 34 Prozent freuen. Wahlverlierer ist einmal mehr die FDP, die im Vergleich zu 2009 um 7,4 Prozent nach unten rutschte. 7,4? War das nicht exakt auch das Wahlergebnis der AfD? Ja, richtig. Übrigens auch das der Partei „Die Linke“, die sich über dieses Ergebnis ebenso freute.

Erste Reaktionen der Vertreter der Parteien CDU, SPD, FDP und „Die Linke“ haben schon am Sonntagabend erste Reaktion zur Europawahl abgegeben:

Jörg Behlen, Kreisvorsitzender der FDP Marburg-Biedenkopf: Nach der Neuaufstellung in Bund und Land hätte ich mir ein besseres Ergebnis für die FDP gewünscht. Es bleibt nur festzustellen, dass etwas mehr als ein halbes Jahr nicht ausreicht, unsere Wähler neu zu mobilisieren.“

Dr. Thomas Schäfer, Kreisvorsitzender der CDU Marburg-Biedenkopf und hessischer Finanzminister: Mit dem Ergebnis der CDU kann ich leben, bleibt sie auf Bundesebene doch stärkste Kraft. Die Zugewinne der SPD sind meiner Ansicht nach der Tatsache geschuldet, dass der sozialdemokratische Spitzenkandidat ein Deutscher ist.

Sören Bartol, Vorsitzender des SPD Unterbezirks Marburg-Biedenkopf und Bundestagsabgeordneter: Im Kreis haben wir die guten Ergebnisse der vorangegangenen Wahlen bestätigt, im Bund zeigt sich zum einen, dass unser Spitzenkandidat Martin Schulz großen Einsatz  gezeigt hat und zum anderen, dass die SPD die Regierungsarbeit positiv dominiert.

Anna Hofmann, Fraktionsvorsitzende der Linken im Kreisparlament: Das ist ein super Ergebnis für uns im Kreis, das wir so noch nie hatten  und ein Zeichen für die nächste Kommunalwahl.

von Götz Schaub

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr