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Ärzte warnen vor Selbstdiagnose

OP-Telefonaktion Ärzte warnen vor Selbstdiagnose

Die Professoren Rolf Felix Maier, Maritta Kühnert und Dario Zovko beantworteten gestern Fragen der OP-Leser rund ums Thema Geburt.

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Beantworteten Fragen der OP-Leser: Der Chef der Kinderklinik Rolf Felix Maier (links), die Leiterin des Kreißsaals Prof. Maritta Kühnert und der Leiter der Kinderchirurgie Dario Zovko.Foto: Weigel

Quelle: Nadine Weigel

Marburg. Einen freudigen Anruf erhielt Dario Zovko gleich zu Beginn der OP-Telefonaktion. Anita Becker bedankte sich bei dem kommissarischer Direktor der Klinik für Kinderchirurgie für seine Arbeit vor drei Jahren: Zovko hatte ihrem Sohn in einer Not-Operation das Leben gerettet. Ein Blinddarmbruch und eine anschließende schwere Blutvergiftung hatten zu „einem sehr kritischen Zustand geführt“, erinnerte sich Zovko.

Solche Notfälle sind glücklicherweise die Ausnahme, erklärten die Experten der Telefonaktion. Mehr als 80 Prozent der Babys, die im Perinatalzentrum am UKGM zur Welt kommen, können im Schnitt nach drei Tagen gemeinsam mit der Mutter nach Hause entlassen werden.

Bei Professorin Maritta Kühnert meldete sich eine 60-Jährige. Sie macht sich Sorgen um ihre Schwiegertochter. Diese sei im dritten Monat schwanger und habe sich übers Internet ein Ultraschallgerät besorgt, um damit die Herztöne ihres ungeborenen Kindes abzuhören. „Schaden die Ultraschallwellen dem Kind?“, wollte die werdende Großmutter von der Leiterin des Kreißsaales am Uniklinikum wissen.

Kühnert konnte sie beruhigen. Wenn die Geräte zugelassen und Tüv-geprüft seien, dann sei eine Gefährdung ausgeschlossen. Hebammen verwendeten solche Ultraschallgeräte in der fortgeschrittenen Schwangerschaft. Die Ärztin rät jedoch generell allen werdenden Müttern ab, zu Mitteln der Selbstdiagnose zu greifen. Um die mögliche Gefahr einer Frühgeburt auszuschließen, sollten Schwangere rechtzeitig einen Frauenarzt aufsuchen, wenn sie bei sich folgende Symptome bemerken: Entzündung in der Scheide, Ausfluss, Flüssigkeitsabgang, Bauch- oder Rückenschmerzen, die in die Beine ausstrahlen.

Wer sich unsicher sei, sollte medizinischen Rat lieber einmal mehr als zu wenig einholen. Professorin Kühnert weist in diesem Zusammenhang auch auf die Spezialsprechstunde am Uniklinikum hin. Wer die Telefonnummern des Kreißsaales 06421/5864417 oder 5894444 wähle, sei dort verbunden mit Hebammen, die sehr kompetent seien. Und diese würden gegebenenfalls mit einem erfahrenen Mediziner verbinden. „Geburtshilfe braucht viel Erfahrung und lebenslange Lernbereitschaft“, sagt Kühnert. „Man muss viel wissen, um möglichst wenig zu tun.“ So hält die erfahrene Ärztin auch nichts davon, Geburten künstlich herbeizuführen, nur weil die werdende Mutter die Nase voll von der Schwangerschaft habe. „Das ist kein Grund zu intervenieren.“ Ein 68-Jähriger wird bald Großvater und wollte von Rolf Felix Maier, Leiter der Kinderklinik, wissen, welche Folgen Zeckenbisse bei Eltern für das Kind haben können. „Können Sie gar genetische Folgen haben?“, fragte der Mann. Maier konnte ihn beruhigen. Zeckenstiche verändern nicht das Erbgut. Infektionen, die durch Zecken ausgelöst werden, werden ebenfalls nicht aufs Kind übertragen.

von Michael Arndt, Andreas Arlt und Anna Ntemiris

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