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Ärzte greifen zu neuer Diagnosetechnik

Prostatakrebs Ärzte greifen zu neuer Diagnosetechnik

Die Feststellung einer Prostatakrebs-Erkrankung wird genauer. Das Universitätsklinikum Gießen-Marburg (UKGM) ist mit einer neuen Software ausgestattet, die eine Verbindung mehrerer Diagnosemethoden ermöglicht.

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Professor Axel Hegele (vorne), Dr. Fabian Brüning und Professor Rainer Hofmann (Urologie-Leiter, rechts) stellen eine neue Diagnosemethode am Universitätsklinikum Gießen-Marburg vor. Foto: Björn Wisker

Marburg. Tastuntersuchung, Ultraschall, Ermittlung des PSA-Werts und Kernspintomografie: Jede Methode zur Feststellung eines Prostatakarzinoms hat „nur eine begrenzte Aussagekraft“, sagt Professor Rainer Hofmann, Direktor der Klinik für Urologie und Kinderurologie. Um die Treffsicherheit der Diagnostik in Marburg zu steigern, ist in der Klinik für Urologie auf den Lahnbergen nun die sogenannte Fusionsbiopsie möglich.

Die nötigen Untersuchungsgeräte sind mit neuer Software ausgestattet worden, die mehrere bildgebende Verfahren - Ultraschall, MRT, auch Elastographie - verbindet. Deren Einzelmotive werden am Computer übereinander gelegt, womit verdächtige Stellen eingegrenzt werden können. Durch die Zusammenführung der Bilddaten inklusive digitaler Markierung der auffälligen Areale aus den Untersuchungen könne „jeder Verdacht problemloser und verlässlicher abgeklärt“ werden, sagt Professor Axel Hegele, Leitender Oberarzt der Klinik.

"Ultraschall ist wie ein Münzwurf"

„Einzelne Untersuchungen alleine, etwa lediglich der Ultraschall ist wie ein Münzwurf, bestenfalls eine 50:50-Chance, ob die gestellte Diagnose stimmt“, erklärt Hegele. Die neue Methode sorgt dafür, dass sich die nötigen Gewebeproben „gezielt an den Stellen entnehmen lassen, wo Karzinome vermutet werden“, sagt Hofmann.

So läuft das Verfahren genau: Bei der herkömmlichen Prostatabiopsie entnimmt der Urologe ultraschallgesteuert aus allen Bereichen der Prostata je ein bis zwei Proben - letztlich nach dem Zufallsprinzip.

Insbesondere bei kleinen Tumoren oder bei Tumoren an untypischer Stelle gelingt häufig kein Tumornachweis, obwohl der Krebs bereits vorhanden ist.

Die Fusionsbiopsie verhilft laut Hofmann zu „mehr Klarheit“. Zunächst werde bei den betroffenen Patienten beim Radiologen die Prostata mit einer speziellen Kernspinuntersuchung untersucht, dem sogenannten multiparametrischen MRT. Dabei werden verschiedene, spezielle Kernspinuntersuchungssequenzen miteinander kombiniert. Mit Hilfe der dadurch erzeugten Bilder können Tumore in der Prostata besser sichtbar gemacht und auch Aussagen über die Größe des Tumors und dessen Aggressivität getroffen werden.

67000 Neuerkrankungen in Deutschland pro Jahr

Neu ist, dass bei der Fusionsbiopsie das Ultraschallbild mittels der speziellen Software im Ultraschallgerät mit dem beim Radiologen erstellten Kernspin-Bild übereinander gelegt, also fusioniert wird. Die verdächtigen Areale werden zuvor vom Radiologen markiert und können nun bei der Biopsie, die rektal durchgeführt wird, „real-time“ gezielt mithilfe aller drei Optionen in Kombination - Ultraschall, MRT und Elastographie - angesteuert werden. Dadurch ermöglicht die Fusionsbiopsie eine höhere Diagnosetreffsicherheit schon im Frühstadium einer möglichen Erkrankung, wenn auch nur kleine Gewebeanteile krebsverdächtig seien - das zeigen die ersten Ergebnisse, so Hegele.

Anhand der laut Hofmann „viel zuverlässigeren Diagnostik“ könnten auch die unterschiedlichen therapeutischen Empfehlungen besser ausgerichtet werden. Erfreulicherweise hat es die Klinik geschafft, dass keine Mehrkosten für den Patienten entstehen. 67000 Neuerkrankungen gibt es jährlich in Deutschland.

Von der Methode erhoffen sich die Mediziner auch wissenschaftliche Durchbrüche: Es solle perspektivisch gelingen, nicht mehr das ganze Organ Prostata behandeln zu müssen, sondern nur noch die speziellen, erkrankten Bereiche. Dieses Ziel zu erreichen, sei „nur eine Frage der Zeit“, sagt Hofmann.

von Björn Wisker

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