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Ärger über Krater in den Straßen

Straßenschäden Ärger über Krater in den Straßen

Der Bibberwinter sprengte Krater in Marburgs Straßen. Sie sind übersäht von tiefen und breiten Schlaglöchern. Autofahrer und Anwohner fürchten bei der anstehenden Sanierung Flickschusterei.

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Joachim Maurer wurde ein Schlagloch zum Verhängnis. Wegen der Versicherung fotografiert er den Unfallort. 

Quelle: Björn Wisker

Marburg. Joachim Maurer versenkt sein Auto im Loch. Täglich. Der 55-Jährige umkurvt auf dem Weg zur Arbeit quer durch Marburg Dutzende Mulden im Asphalt. Lange ging der Schlagloch-Slalom für ihn und sein Auto glimpflich aus. Bis vor kurzem: Dann zerlegte es Teile der Radaufhängung. Hunderte Euro wurde er in der KFZ-Werkstatt los. Maurer ätzt über den Zustand der Straßen: „Jedes Jahr geht der Asphalt kaputt, seit Jahren wird notdürftig repariert. Es brechen auch immer wieder dieselben Stellen auf, das ist doch kein Zufall“, sagt er.

Risse, Spalten, Löcher: Tiefe Furchen ziehen sich auch durch die Frankfurter Straße. Auch Christoph Gerber (36) wird dort jeden Tag auf dem Weg zur Arbeit durchgeschüttelt. „Zum Glück kenne ich die Gefahrenstellen mittlerweile. Ich hoffe nur immer, dass mein Auto mir das Gepolter verzeiht und nicht kaputtgeht“, sagt der Bürokaufmann.

Im Gegensatz zu den Vorjahren wird es von Seiten des Landes keine finanziellen Sonderhilfen, kein Schlaglochprogramm, geben. Das bestätigte ein Sprecher des Wirtschaftsministeriums Hessen gegenüber der OP. Doch ob das städtische Geld ausreicht, ist fraglich. Rund 1,05 Millionen Euro stehen in Marburg für die Reparaturen der Straßen und Gehwege in diesem Jahr zur Verfügung. Für die Erhaltung von Autobahnen und Bundesstraßen in Hessen stellt der Bund in 2013 rund 300 Millionen Euro bereit, das Land Hessen sieht für die Sanierung der Landesstraßen im laufenden Jahr rund 65 Millionen Euro vor. Allerdings wird nicht jeder Euro für Schlaglochbeseitigung ausgegeben, bei den Summen handelt es sich um Gelder für alle möglichen Straßenarbeiten.

Nach Einschätzung von Burkhard Vieth, Präsident von Hessen Mobil, bewege sich „das Ausmaß winterbedingter Schäden trotz der extremen Witterung bisher auf durchschnittlichem Niveau“. Das deckt sich nicht mit den Beobachtungen vieler Marburger. „Ich habe ein Déjà vu wenn ich sehe, wie schlimm die Straßen aussehen“, sagt Heike Schick aus Ockershausen. Die Stadt hat nach eigenen Angaben noch keinen Gesamtüberblick darüber, welche Straßenzüge im vergangenen Winter am meisten gelitten haben. Glimpflich kam offenbar die Universitätsstraße davon - was vor allem daran liegen dürfte, dass die Hauptverkehrsachse noch von ihrem recht neuen Belag profitiert.

Hessen Mobil macht unter anderem Lastkraftwagen für die großflächigen Schäden verantwortlich. Der Deutsche Städte und Gemeindebund fordert daher eine Schlagloch-Gebühr für Lkw. Von den 25 000 Kilometern öffentlicher Straßen in Hessen sei rund die Häöfte reparaturbedürftig, heißt es vom ADAC. „Ein bis drei Jahre hält das provisorische Flickwerk vielleicht“, kritisiert Verbandssprecher Wolfgang Herda. Grundhaft saniert werden müsse das Gros der Straßen. Doch erst im Mai, wenn es beständig und wärmer wird, können die Dienstleistungsbetriebe Marburg (DBM) mit Heißteer arbeiten und die Löcher beseitigen.

Auch Fahrradfahrer nerven die Straßenschäden. „Während klassische Schlaglöcher auf Radwegen zwar selten sind, droht im Verkehr trotzdem Gefahr. Etwa, weil die Löcher und Risse an den Rändern sind und man mittiger fahren muss, wo einen die Autos eng überholen“, sagt Wolfgang Schuch von Marburgs Allgemeinem Deutschen Fahrradclub (ADFC). „Und entlang der Lahn plagen wir uns stets mit Schlamm, der nach Hochwasser, wie zuletzt im Januar, monatelang liegenbleibt.“

von Björn Wisker

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