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"Änderung ist existenzgefährdend"

Verkehr im Nordviertel "Änderung ist existenzgefährdend"

Die neue Linksabbiegemöglichkeit von der Bahnhofstraße in die Robert-Koch-Straße wird von ­ Autofahrern noch wenig genutzt - auch wenn sie eine Abkürzung sein soll. Der Wegfall von Parkplätzen stößt auf Kritik.

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Die neue Links-Abbiegemöglichkeit in die Robert-Koch-Straße wird von Autofahrern noch kaum genutzt. Die meisten fahren weiterhin über die Elisabethstraße und den Pilgrimstein in die Innenstadt.

Quelle: Lisa Klein

Marburg. Seit einer Woche können Autofahrer vom Bahnhof kommend links in die Robert-Koch-Straße einbiegen, um weiter über die Bunsenstraße und Deutschhausstraße Richtung Innenstadt zu gelangen. Das bedeutet auch: Die Robert-Koch-Straße ist nicht mehr zweispurig befahrbar. Mit der neuen Verkehrsführung sollen die Elisabethstraße und der Pilgrimstein entlastet werden (die OP berichtete).

Aber: Nur sehr wenige Autofahrer nutzen bisher diese Abkürzungs-Möglichkeit in die Innenstadt. Mehrere OP-Mitarbeiter beobachteten am Donnerstag und Freitag zu unterschiedlichen Zeiten die Verkehrsführung und kamen zu diesem ersten Fazit, das auch Anlieger teilen.

Schwierig für Lieferanten, gefährlich für Radfahrer?

Dass in der Robert-Koch-Straße viele Parkplätze weggefallen sind, stieß bei Besuchern des Behördenzentrums wie zum Beispiel des Finanzamts auf Kritik sowie bei den Einzelhändlern im Nordviertel.

Deutlich äußerten diese in einer OP-Umfrage ihre Skepsis.

„Das ist existenzgefährdend“, sagt Horst Kurz vom Herrenausstatter Homberger’s in der Bahnhofstraße. Dazu komme eine erheblich höhere Luftverpestung durch den „Stop-and-Go“-Verkehr vom Bahnhof Richtung Innenstadt, sagt Lydia Homberger. Jutta Hillhof, Mitarbeiterin im Reitsportgeschäft „Steigbügel“ in der Robert-Koch-Straße berichtet, dass sie seit Montag gut ein Drittel an Umsatz eingebüßt hat.

Schuld daran seien die rund 28 fehlenden Parkplätze in der Straße, die die Parkplatzsuche für potenzielle Kunden noch schwieriger mache.

Christine Schuler und Gabi Lauer von der Hirsch-Apotheke an der Ecke Robert-Koch-Straße/Bahnhofstraße sehen die neue Verkehrsführung ebenso kritisch. „Unsere Arzneilieferanten, die mehrmals am Tag kommen, haben keine Haltemöglichkeit mehr. Der neue Fahrradweg nimmt ebenfalls viel Platz ein“, sagt Lauer.

Außerdem sei das Linksabbiegen für aus der Bahnhofstraße kommende Fahrradfahrer gefährlich. Denn die Autofahrer seien noch nicht an diese neue Möglichkeit gewöhnt, sagt sie.

Ampel schaltet (zu) schnell auf Rot

Harald Schröder, Leiter der Straßenverkehrsbehörde der Stadt Marburg, erklärte auf Anfrage der OP, dass es positive Rückmeldungen von Fahrradfahrern sowie Fußgängern gegeben hätte. Alle Kreuzungen seien für Fußgänger mit Behinderungen barrierefrei umgestaltet worden.

Wer als Fußgänger die Bahnhofstraße von der Rosenstraße in Richtung Robert-Koch-Straße - oder umgekehrt - überqueren möchte, muss sich sputen. Die Ampel schaltet sehr schnell auf Rot - so war es am Donnerstag.

„Wie bei Verkehrsumstellungen üblich, bedarf es einer gewissen Eingewöhnungszeit für den Fahrverkehr. Dadurch sind in den Spitzenzeiten Rückstaus in der Bahnhofstraße entstanden. Wir gehen davon aus, dass sich das Verkehrsaufkommen durch eine Verteilung auf andere Straßen noch verringert“, teilte Schröder mit.

Schröder: Erreichbarkeit des Handels nicht gefährdet

Nach der Eingewöhnungszeit und dem Semesterbeginn Mitte Oktober soll die Entwicklung der Verkehrssituation überprüft werden, so Schröder weiter. „Gegebenenfalls kann eine geringfügige Anpassung der Ampelschaltungen erfolgen.“ Genau das fordert Christian Großmann, Vorsitzender des Werbekreises Marburg Nord, und zwar schnellstmöglich.

„Ich hoffe, dass noch an Stellschrauben wie die Ampelschaltung gedreht wird, um die neue Verkehrsführung zu einem gelungenen Gesamtkonzept werden zu lassen“, sagte er gegenüber der OP.

„Ich bin aber überzeugt, dass mit einer geschickteren Ausschilderung die Entlastung der Elisabethstraße erreicht und somit die Erreichbarkeit des Handels nicht gefährdet wird.“ Für ihn persönlich wie für viele Marburger Bürger stelle die Abbiegemöglichkeit sogar eine Abkürzung des Arbeitsweges dar.

von Lisa-Martina Klein und Anna Ntemiris

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