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Achtung der Frau in den Fokus gerückt

Mädchen vor Beschneidung bewahrt Achtung der Frau in den Fokus gerückt

Die Ausstellung kann im Rathaus während der Öffnungszeiten besichtigt werden. Außerdem gibt es ein Begleitprogramm.

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Professorin Muthgard Hinkelmann-Toewe sprach bei der Ausstellungseröffnung.

Quelle: Marcus Hergenhan

Marburg. „Es ist tragischerweise auch heute noch so, dass in Afrika rund 125 Millionen Mädchen die Genitalien verstümmelt werden. Diese jahrhundertealten Bräuche werden leider nur langsam überwunden und dabei ist es wichtig, nicht mit dem besserwisserischen Blick eine Europäers aufzutreten. Leider ist es auch so, dass solche Praktiken durch Migration ihren Weg nach Deutschland finden können und hier der Verweis auf das Grundgesetz nicht immer Wirkung zeigt, es braucht also noch immer mehr Aufklärung zu dem Thema und darum geht es hier.“ Mit diesen Worten eröffnete Bürgermeister Dr. Franz Kahle (Grüne) die Ausstellung „Wonders of the Female Body“ des Vereins für Lebendige Kommunikation mit Frauen in ihren Kulturen (LebKom).

In der Halle des Rathauses sind ab sofort viele Bilder und Info-Tafeln zum Thema der „female genital mutilation“ (FGM) in Kenia zu sehen, wo die Mitarbeiterinnen des Fulda-Mosocho-Projekts seit Jahren mit großem Erfolg Aufklärungsarbeit betreiben. Bei der oft verharmlosend als „Beschneidung“ bezeichneten Praxis werden Klitoris und Schamlippen teilweise oder ganz entfernt, wodurch nicht nur die Lust am Sex für die Frauen verlorengeht, sondern auch Harnlass und Geburt enorm erschwert werden. Professorin Muthgard Hinkelmann-Toewe von der Universität Fulda hatte das Projekt in der Region mit rund 130000 Bewohnern ins Leben gerufen. „Oft werde ich gefragt: Warum Afrika?“ Ich entgegne dann immer: „Weil es sich lohnt! Wir haben mit unserem wertzentrierten Ansatz, der die Achtung der Frau in den Fokus rückt, mittlerweile rund 20000 Mädchen vor der Beschneidung bewahren können“, sagt Hinkelmann-Toewe.

Mittlerweile erkennen auch viele ehemalige Beschneiderinnen, welchen Schaden sie angerichtet haben, wie ein Filmbeitrag während der Ausstellungseröffnung zeigte. „Ich dachte, das sei nötig, damit die Frauen ihren Männern nicht fremdgehen könnten,“ sagt eine der Frauen, die früher selbst zum Messer griff. Für die mittlerweile emeritierte Professorin Hinkelmann-Toewe steht fest: „Wir müssen, ohne mit dem Zeigefinger zu wedeln, die Menschen aufklären und dabei auch die Männer einbinden, damit sie ihre Frauen achten und damit sie ihre Töchter schützen.“

Die Ausstellung kann während der Rathaus-Öffnungszeiten besichtigt werden. Begleitend dazu gibt es am Mittwoch, 16. November, im Weltladen ab 20 Uhr eine Lesung zum „Wandel in Mosocho“. Eben diesen erlebten die Helferinnen über Jahre hinweg bei ihren Reisen in Namibia. Jüngere Kinder dort zeigen sich mittlerweile schockiert von der unmittelbaren Vergangenheit ihrer Eltern und Großeltern. „Das ist ja als würde man einfach einen Finger abschneiden“, meint ein fünfjähriges Mädchen.

von Marcus Hergenhan

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