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Absurde Posse um sexistisches Plakat

Wirbel um angebliches Verbot Absurde Posse um sexistisches Plakat

Als eine Fälschung erwies sich ein angebliches Schreiben von Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies (SPD), in dem er angeblich die Entfernung eines Plakats anordnet.

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Dieses Plakat, das der Radiosender "Radio Bob" auch auf seiner Homepage zeigt, darf in Marburg zunächst hängen bleiben.

Quelle: Nadine Weigel

Marburg. Im Faksimile eines Schreibens mit dem Briefkopf der Stadt Marburg wird Spies zitiert, dass er die Entfernung eines Plakates von einem hessischen Radiosender angeordnet habe. Das Plakat zeigt eine Frau im super-kurzen Rock und durchsichtigen Leggins von hinten, die sich nach vorne beugt und dabei ihr kaum verhülltes Hinterteil sehen lässt. „Ohne Rock geht gar nicht“, lautet die entsprechende Textzeile auf dem Plakat des Radiosenders, das in Marburg an mehreren Stellen hängt und das der Sender auf seiner Homepage auch kosten­los zum Versand anbietet.

„Ich halte dieses Plakat für geschmacklos und sexistisch, aber ich habe seine Entfernung nicht angeordnet“, sagte Spies am Freitagabend zur OP. Der Radiosender hatte zuvor auf seiner Homepage behauptet, Spies habe die bewusste Anordnung getroffen.

Auch die online-Ausgabe eines auflagenstarken Boulevard-Blatts war auf die Fälschung hereingefallen und hatte die Meldung des Radiosenders - offenbar ohne Gegenrecherche - übernommen und getitelt mit „Poposse in Marburg - OB verbietet A…-Plakat“. „Ich will nicht verhehlen, dass ich froh wäre, wenn dieses Plakat in Marburg nicht mehr hängen würde“, sagte Spies der OP am Freitagabend. „Aber da ist wohl jemand auf eine Fälschung hereingefallen.“

Sender forderte Hörer auf, Plakate zu ordern und ins Fenster zu hängen

In dem offensichtlich gefälschten Schreiben wird behauptet, die Stadtverwaltung habe nach eingehender Prüfung befunden, dass die Werbung nicht „den behördlichen Vorstellungen von Gleichheit und geschlechtersensibler Werbung im Geltungsbereich der Stadt Marburg entspricht“. Frauen würden im Rahmen dieser Kampagne zu Objekten degradiert und nicht als Personen dargestellt. Man wolle mit der Entfernung „erneut ein dauerhaftes Zeichen“ gegen jegliche Form der Diskriminierung setzen, heißt es in dem angeblichen Schreiben weiter.

Auch der deutsche Werberat hatte sich mit dem Plakat beschäftigt, aber mehrere Beschwerden dagegen zurückge­wiesen.

Der Sender forderte seine Hörerinnen und Hörer auf, Plakate beim Sender zu ordern und ins Fenster zu hängen.

Spies sagte, er wolle am Montag mit dem Sender klären, woher dieser das Schreiben habe.

Auch die Jungen Liberalen waren gestern auf die Fälschung hereingefallen. „OB Spies stellt hier den Genderwahn über die Pressefreiheit“, sagte die Vor­sitzende Lisa Freitag in einer Mitteilung.

Der FDP-Stadtverordnete Hanke Friedrich Bokelmann, stellvertretender Kreisvorsitzender der jungen Liberalen, sprach vom „Geist der 50er“, der wieder durch Marburg wehe, und befand: „Das Plakat dürfte viele mit seinem gelungenen Witz zum Schmunzeln bringen.“

von Till Conrad

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