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„Abriss ist nicht die einzige Lösung“

Chemie-Bau „Abriss ist nicht die einzige Lösung“

Wohnheim, Büros oder doch Labore? Wie kann sich der Campus II auf den Lahnbergen weiter entwickeln? Mit potentiellen Baukonzepten der Zukunft wurde am Mittwochabend jongliert.

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Über das Für und Wider einer Neugestaltung denkmalgeschützter Gebäude auf den Lahnbergen sprach Referentin Dr. Silke Langenberg aus München.

Quelle: Ina Tannert

Marburg. Die alte Chemie und andere Lahnberge-Denkmäler etwa in ein Studentenwohnheim mit Campusanschluss umzubauen, sei durchführbar, wenn auch nicht unbedingt erstrebenswert, erklärte Referentin Dr. Silke Langenberg, Professorin für „Bauen im Bestand, Denkmalpflege und Bauaufnahmen“ von der Hochschule München. Angestrengt hatten das Thema die lokalen Agenda-Gruppen Ökologie, Verkehr und nachhaltige Stadtentwicklung, die rund 50 Zuhörer zum Ideenaustausch begrüßen konnten.

Ansätze für eine Umnutzung denkmalgeschützter Bauten gab es so einige, das Thema spaltet die Gemüter. Dabei sah der sogenannte „Masterplan Lahnberge“, im Rahmen der baulichen Neuordnung der Marburger Universität, noch 2009 einen Abriss von Gebäuden auf einer Fläche von über 15.000 Quadratmetern vor, darunter die alte Chemie, die mittlerweile jedoch unter Denkmalschutz steht.

Anpassungsfähigkeit kann genutzt werden

Nach Meinung der Arbeitsgruppen sei ein Abriss „nicht die einzige Lösung“, betonte Gerhard Haberle, Sprecher der AG nachhaltige Stadtentwicklung. Gerade vor dem Hintergrund knappen Wohnraumes bestehe etwa die Möglichkeit, die leerstehenden Gebäude für Wohnzwecke zu nutzen. Möglichkeiten hierfür samt alternativer Nutzungsideen stellte die Referentin vor. Die Gebäudekomplexe seien zwar „nicht unproblematisch“, jedoch trotzdem denkmalgeschützte Bauten. Der Grund dafür ist deren Konstruktion nach dem sogenannten „Marburger System“, das durch eine vierstützige, konsequente wie flexible Raster-Bauweise international Schule machte. Der allgemeine wie energetische Zustand der alten Systembauten aus den 1970er-Jahren sei zwar „nicht der allerbeste“ - deren hohe Anpassungsfähigkeit könne man jedoch erfolgreich nutzen, betonte die Referentin.

Gemeinsam mit einer Gruppe Architektur-Studenten entwickelte sie nach einem Besuch in Marburg verschiedene alternative Nutzungskonzepte. Eine Möglichkeit wäre der Umbau der alten Chemie in ein Studentenwohnheim. Für diese potentielle Umsetzung entwickelte die Forschergruppe mehrere Konzeptmöglichkeiten, die das äußere Erscheinungsbild des Komplexes mal mehr, mal weniger verändern würden. Darunter finden sich diverse Modul-Ansätze, welche sich sowohl für Wohneinheiten wie für Büroräume eignen könnten.

Plädoyer für „hochschulnahe Nutzung“

Generell befürwortete die Referentin jedoch eine „hochschulnahe Nutzung“ wie etwa Hörsäle oder Büros für die Universität. Ein Umbau in ein modernes Wohnheim wäre zwar möglich, jedoch „wenig erstrebenswert“, alleine da die Gefahr einer „Verödung anderer Wohnbezirke“ entstehen könnte. Statt einem Abriss samt Neubau befürwortete Langenberg eine alternative Nutzung und „Ertüchtigung“ der leer stehenden Gebäude.

Dies sei nicht nur finanziell günstiger, sondern spare ebenfalls erhebliche Mengen an neuem Material, knappen Ressourcen und Energiekosten - „ökologisch die sinnvollste Art, alte Bauten zu nutzen“. Voraussetzung hierfür sei jedoch stets das Einverständnis des Denkmalschutzes. Doch auch hier gebe es Handlungsspielraum. Dem stimmte auch Dr. Bernhard Buchstab vom Landesamt für Denkmalpflege aus dem Publikum heraus zu. Der Denkmalschutz sei bei diesem Thema offen, es gehe im Kern darum, die Gebäude zu erhalten, diese jedoch auch „mit innovativen Ansätzen weiterzuentwickeln“, lobte Buchstab die Ideen der Studierenden.

Das Thema studentisches Wohnen auf den Lahnbergen behält die Agenda weiterhin im Hinterkopf und hofft auf einen breiten Dialog in der Bevölkerung. Mit einer Umnutzung als Wohnraum zu einem „Denkmal, das lebt“, ließe sich mitunter auch das Verkehrsproblem von Marburgs stärkstem Pendlerpunkt verbessern, betonte Martin Turek von der Agendagruppe. Nötig hierfür wäre jedoch die Schaffung einer umfassenden Infrastruktur und Einkaufsmöglichkeiten des abgelegenen Standortes als „zwingende Voraussetzung“.

von Ina Tannert

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