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Aber Bolle hat sich köstlich amüsiert

Hund wird Facebook-Star Aber Bolle hat sich köstlich amüsiert

"Es war eine kurze intensive Freundschaft", beschreibt Ingmar Hirt seinen Tag mit dem kleinen Vierbeiner, den er auf der Straße gefunden hat. 21000 Menschen nahmen über Facebook daran teil.

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Die unglaublich ergreifende Geschichte von Ingmar und Bolle. Die beiden verbindet mehr als ein HDMI-Kabel.

Quelle: Nikola Ohlen

Marburg. Noch immer steht eine große Packung Hundefutter in seinem Büro. Die hatte Ingmar vergangenen Dienstag für den kleinen vierbeinigen Ausreißer gekauft, der ihm beinahe vors Auto gelaufen wäre. Ingmar Hirt ist Mediengestalter für Foto und Film bei der Agentur mymedia. Er hätte gerne einen eigenen Hund, besonders nach-dem er einen Tag in das Leben eines Hundebesitzers schlüpfen konnte.

An der Cappeler Straße kam der kleine Streuner wie aus dem Nichts, plötzlich auf die Fahrbahn gelaufen. Mediengestalter Ingmar hielt an und bemerkte, dass der Vierbeiner alleine unterwegs zu sein schien. Am Straßenrand war weit und breit kein Herrchen zu entdecken und auch in den umliegenden Häusern vermisste niemand den kleinen Hund. Da auch auf der Hundemarke am Halsband keine Informationen über den Besitzer herauszufinden waren, nahm Ingmar den Streuner erst einmal mit ins Büro.

Dort sind normalerweise keine Hunde, somit fehlte es an sämtlichen Dingen, die man für einen Hund benötigt. Angefangen bei Futter, bis hin zur Leine zum Spazierengehen. Kurzerhand ist Ingmar in einen nahegelegenen Supermarkt gefahren und hat einiges zu Fressen für seinen neuen Freund besorgt - eine große Packung Futter und diverse Leckerlis.

Er wusste ja nicht, wie lange der Kleine bei ihm bleiben würde. Auch einen Namen hat Ingmar ihm gegeben: „Purzelchen - oder auch Purzel“ - je nachdem, ob er lieb ist oder gerade Pipi auf den Teppich macht. Ingmar machte Fotos von dem Vierbeiner und kam damit in die Redaktion der OP. Wir haben die Fotos online gestellt und es hat sich gezeigt, dass der Hund großes Interesse im Landkreis weckt. Das Bild des kleinen Ausreißers war das am meisten angeklickte Bild in den vergangenen zwei Jahren. Mehr als 21000 Internetnutzer haben es bei Facebook angeklickt. Es wurde mehr als 400 Mal geteilt. Viele User schrieben uns ihre Tipps, wie man den Besitzer am besten ausfindig machen könnte und äußerten sich positiv über die Hilfsbereitschaft des jungen Mannes.

Zu den Hauptpflichten eines Hundesbesitzers zählt neben dem Füttern auch noch das Gassigehen bei Wind und Wetter. Mit dem Wetter hatte unser Kurzzeit-Hundebesitzer Ingmar zwar Glück, denn es war schön sonnig und angenehm warm, dafür hatte er aber eine andere Sorge. Der Hund hatte zwar ein Halsband um, aber keine Leine. Was nun? Nach Hin- und Herüberlegungen funktionierte er dann ein fünf Meter langes HDMI-Kabel um, das er sonst nutzt, um seinen Computer mit anderen Geräten zu verbinden. Praktisch, dass ein Mediengestalter davon immer eins an seinem Arbeitsplatz hat.

Gegen 16 Uhr hatte die Tierarztpraxis wieder geöffnet und Ingmar machte sich mit dem Kleinen auf den Weg dorthin. „Auch ein bisschen schweren Herzens“, wie er sagt. Da der Tank seines Wagens leer war, musste er noch einen kurzen Tankstopp machen. Als er zurück zum Auto kam, wartete der Vierbeiner schwanzwedelnd am Fenster auf ihn. Ein Moment, in dem er unserem Kollegen noch ein bisschen mehr ans Herz wuchs.

Beim Tierarzt angekommen, wurde der Chip des Hundes gescannt und die Besitzerin konnte schnell ausfindig gemacht werden. „Ach, den kenne ich doch“, sagte die Tierarzthelferin direkt - „Purzelchen“ war dort kein Unbekannter. Er ist wohl schon einige Male ausgebüxt - kein Wunder, wenn man von seinen Findern immer so gut behandelt und verwöhnt wird, wie bei Ingmar. Er ist aber kein Einzelfall. Laut der Deutschen Tiermeldezentrale werden bereits in diesem Jahr zirka 120 Hunde vermisst.

„Purzelchen“ blieb beim Tierarzt und wartete dort auf sein Frauchen, das ihn noch am gleichen Abend abholen kam. Dann war er nicht mehr „Purzelchen“ aus dem Büro, sondern wieder „Bolle“. Ingmar fuhr nach Hause. Alleine. Beim Tanken wird er das nächste Mal bestimmt wieder an seinen kleinen Freund denken, denn ein bisschen traurig, dass der wieder weg ist, ist Ingmar schon.

Was sollte man tun, wenn man einen Hund findet?

Einige Tipps gibt es im Hunderatgeber auf www.markt.de:

  • Zuerst sollte überprüft werden, ob am Halsband eine Adresse vermerkt ist.
  • Hat der Hund einen Chip im Ohr oder Hals, kann ein Tierarzt oder Tierheim diesen scannen und den Besitzer ausfindig machen.
  • Ist es nicht möglich, den Hund einzufangen, sollte man den örtlichen Tierschutzverein informieren.

von Claudia Ritzenhoff

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