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Abenteuerliche Suche nach Echsen

Reptilien- und Amphibienforschung Abenteuerliche Suche nach Echsen

Bereits zum vierten Mal hat der Marburger Zoologe Sven Mecke bei einer Expedition nach Ost-Timor Amphibien und Reptilien erkundet.

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Zusammen mit der Flagge des „Explorer Clubs“ (rechts) und der Flagge von Ost-Timor posieren die Mitglieder des Forschungsteams auf Jaco Island. Zu sehen sind (von links) der einheimische Führer sowie Luis Lemos Agivedo Ribeiro, Mirco Wölfelschneider, Sven Mecke, Professor Hinrich Kaiser, Laura Fuchs, Dr. Mark O’Shea, Lukas Hartmann und Max Kieckbusch. 

Quelle: Privatfoto

Marburg. Die Suche nach exotischen Fröschen, Echsen oder Schlangen führte das Forscherteam auch bei der Expedition von Mitte Juli bis Mitte August durch unwegsames Bergland, in dunkle Höhlen und auf unbewohnte Inseln. „Ziel unserer Expedition war es, Amphibien und Reptilien aufzuspüren und zu identifizieren“, erklärt der Marburger Zoologe Sven Mecke. Zum vierten Mal seit 2012 nahm er jetzt zusammen mit vier Marburger Biologie-Studenten an einer internationalen Forschungs-Expedition auf das zuvor weitgehend unerforschte Ost-Timor (Timor-Leste) teil, der unabhängige Staat ist ein Teil der südostasiatischen Insel Timor (siehe HINTERGRUND).

Schon vor der vor wenigen Tagen beendeten Expedition hatten die Forscher unter Leitung von Professor Hinrich Kaiser (Victor Valley College Kalifornien) mehr als 25 neue Amphibien- und Reptilienarten entdeckt. Insgesamt dokumentierte das Team neben zahlreichen Froscharten 45 Echsen- und 16 Schlangenarten.

Die Forschungsobjekte zu entdecken und einzufangen, erfordert von den Wissenschaftlern einiges Geschick und eine Menge Mut. Viele Arten sind Baumbewohner oder leben grabend im Boden. Sie sind mithilfe von Fallen kaum zu fangen. „Die meisten sind relativ flink. Da muss man sehr schnell sein, um sie mit der Hand zu fangen“, berichtet Sven Mecke.

Außerdem ist es ratsam, bei den größeren Echsen wie den Waranen genau zu wissen, wo es zuzupacken gilt, so dass sie nicht zum Beißen kommen. Angst vor Schlangen hat der Marburger Zoologe, der seit Kindesbeinen fasziniert von allen Arten von Reptilien und Amphibien ist, auf jeden Fall auch nicht.

 Die allermeisten der gefangenen Tiere werden nur fotografisch dokumentiert und dann wieder freigelassen. Auch ein mobiles Labor hatten die Forscher dabei. Bei einer einmonatigen Expedition werden im Schnitt fünf bis zehn Tiere eingeschläfert und dann zu Forschungszwecken mitgenommen. Feuchtwarmes tropisches Klima und unwegsames Gelände machen die Expeditionen schon zu einer Art Abenteuer, die ganz anders ist, als die Arbeit an der Universität. „Auf jeder Expedition gibt es auch immer wieder Überraschungen“, erläutert Sven Mecke.

Wichtigstes Ziel der Expedition war eine 240 Kilometer von der Hauptstadt Dili entfernte unbewohnte und bei den Eingeborenen heilige Insel, die Timor-Leste vorgelagert ist: „Jaco Island“ hat nur eine Fläche von acht Quadratkilometern. Bereits auf der Fahrt dorthin konnte das Forschungsteam einige von den Einheimischen überfahrene Schlangen sammeln, wie beispielsweise einen Wasserpython (Liasis mackloti). „Auch Todfunde stellen wichtige wissenschaftliche Belege dar und sind nicht wertlos für die Forschung“, berichtet Mecke.

Die mit dichtem Wald bewachsene Insel „Jaco Island“ erreichten die Wissenschaftler mit Fischerbooten. Mehrere Tage lang erforschten sie die Insel und fanden eine neue Glattechsen-Art, von der bisher überhaupt nur ein Exemplar bekannt gewesen ist, das 2011 gesammelt wurde. Außerdem entdeckten sie nicht nur mehrere Arten von Skinken (Glattechsen), wie Waldskinke, Regenbogenskinke und Nachtskinke sondern auch einen jungen Bogenfingergecko (Cyrtodactylus sp.). Zudem gelang ihnen noch ein besonderer Nachweis: Sie konnten erstmals für Ost-Timor eine Timor-Bronzenatter (Dendrelaphis inornatus timorensis) nachweisen.

Nach dem Aufenthalt auf der Insel ging es in Geländewagen weiter: die ursprünglich anvisierte Bergregion „Paitxau Mountains“ war allerdings wegen starker Regenfälle und auf den Straßen liegenden umgefallenen Bäumen nicht ansteuerbar. Doch auch so bot sich den Forschern noch ein artenreiches Betätigungsfeld.

Auswertung der Daten erfolgt in Marburg

So fingen sie in der Bergregion um Solbada im Zentrum Ost-Timors eine Walzenschlange (Cylindrophis cf. boulengeri), eine Art, von der weltweit nur 15 Exemplare dokumentiert sind. Und im Schutzgebiet „Nancuro Forest Reserve“, das aus einem Streifen Tieflandregenwald, Mangroven, Lagunen und einer Strandfläche besteht, fanden die Forscher auch eine neue Schlangenart, die nunmehr wissenschaftlich beschrieben werden soll.

Erst in Marburg in seinem Büro im Fachbereich Biologie wertet Sven Mecke als Spezialist für Skinke (Glattechsen) die auf Timor gesammelten Daten aus. Hinzu kommen Vergleichsstudien mit Arten, die in Museen auf der ganzen Welt eingelagert sind. Nur so kann sichergestellt werden, dass die während der Expedition gesammelten Tiere auch wirklich bisher unbeschrieben und für die Wissenschaft also neue Arten sind.

Übergeordnetes Ziel der Expeditionen ist es, durch die flächendeckende Dokumentation den Schutz der Tiere zu fördern. Zudem erklären die Forscher der einheimischen Bevölkerung bei jeder Expedition ihre Fundstücke, um sie für die Bedeutung von Schlangen und Echsen und den Naturschutz in ihrer Heimat zu sensibilisieren.

von Manfred Hitzeroth

Hintergrund

Geleitet wurde die Expedition auf Ost-Timor vom 21. Juli bis zum 13. August von Professor Hinrich Kaiser (Kalifornien) und dem Forscher und Tierfilmer Dr. Mark O‘ Shea (Wolverhampton/Großbritannien). Neben dem Marburger Zoologen Sven Mecke nahmen auch die Marburger Studenten Max Kieckbusch, Lukas Hartmann, Laura Fuchs und Mirco Wölfelschneider sowie Studenten aus Timor und den USA teil. Erstmals fand die Timor-Expedition unter der Flagge des „Explorers Club“ statt. Um die Ehre, eine von den derzeit 202 Flaggen dieses exklusiven internationalen Forscher-Clubs zu tragen, hatte sich das Team erfolgreich beworben.
Bereits seit 2009 hat Professor Kaiser mehrere Forschungsreisen nach Ost-Timor unternommen. Auch die letzte Expedition war Teil einer Langzeit-Überwachung, bei der die jetzt gesammelten Daten über die Amphibien und Reptilien auf Ost-Timor mit zuvor gesammelten Daten verglichen werden können.
Die Ergebnisse der Expeditionen sind auch Forschungsarbeiten, die in Abschlussarbeiten von Studierenden oder Publikationen in internationalen Fachmagazinen resultieren. Finanziert wurde diese Expedition unter anderem aus Studentenförderprogrammen und Einzelspenden sowie Eigenbeiträgen der Teilnehmer.

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