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Ab und zu fliegt eine Kaffeetasse

Ehrenamtliche Betreuer Ab und zu fliegt eine Kaffeetasse

Mit Essen, Musik und Theater dankte der Betreuungsverein SuB ehrenamtlichen gesetzlichen Betreuern für ihr Engagement. Der Abend diente auch dem gegenseitigen Kennenlernen.

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Dr. Anna Stach (links), Leiterin der Beratungs- und Geschäftsstelle, und die Vereinsvorsitzende Almuth Schauer (rechts) begrüßten Bettina Berk als 200. Mitglied des Marburger Vereins für Selbstbestimmung und Betreuung mit einem Blumenstrauß.Foto: Manfred Schubert

Quelle: Manfred Schubert

Marburg. „Die rechtliche Betreuung ist eine sehr verantwortungsvolle Tätigkeit. Man hat zum Teil existenzielle Entscheidungen zu treffen“, betonte Dr. Anna Stach, Leiterin der Beratungs- und Geschäftsstelle des Marburger Vereins für Selbstbestimmung und Betreuung, kurz SuB. Dabei brauche man Unterstützung; Erfahrungsaustausch sei wichtig sowie Anerkennung für die ehrenamtliche Übernahme einer sehr wichtigen öffentlichen Aufgabe: der staatlichen Rechtsfürsorge für die Schwächsten der Gesellschaft. Grund genug für den SuB, einem von drei Betreuungsvereinen im Landkreis, jährlich ehrenamtliche Betreuer zu einem Dankeschön-Abend einzuladen, den die Sparkasse Marburg-Biedenkopf und die Hessische Staatskanzlei finanziell unterstützen.

35 Menschen waren ins Beratungszentrum mit integriertem Pflegestützpunkt (BiP) am Rudolphsplatz gekommen. Nach einer Stärkung vom Buffet und Grußworten der SuB-Vorsitzenden Almuth Schauer sowie der Leiterin der Betreuungsbehörde, Dr. Birgit Wollenberg, boten die „Vielsaitigen Gitarreros“ aus dem Allnatal musikalische Unterhaltung. Viel Spaß hatten die Gäste an den aus Zurufen des Publikums improvisierten Szenen des Fast Forward Theatre zum Thema Betreuung.

Stammtisch will sich regelmäßig treffen

Der Stammtisch der ehrenamtlichen gesetzlichen Betreuer sei gerade dabei, sich neu zu formieren, berichtete Günter Pfitzenmaier. Im kommenden Jahr wolle man sich in einer neuen Lokalität wieder jeweils am ersten Montag im Monat treffen. „Es hat mir am Anfang sehr geholfen, mich mit erfahrenen Betreuern auszutauschen“, betonte Pfitzenmaier, der mittlerweile zum vierten Mal eine Betreuung einer Person aus einem Altenheim übernommen hat. Sehr schwierig sei es, wenn jemand ins Krankenhaus komme und man im Extremfall über medizinische Maßnahmen entscheiden und dabei vom mutmaßlichen Willen des Betreuten ausgehen müsse. Dabei habe man das Gefühl, Herr über Leben und Tod sein zu müssen.

Einige der Gäste trugen ebenfalls Erfahrungen oder Anekdoten bei. Eine Frau berichtete, sie habe einmal eine Kaffeetasse an den Kopf geworfen bekommen. „Aber das lag nicht an mir, sondern weil die Person allgemein eine Aversion gegen Betreuer hatte“, fügte sie hinzu. Eine andere Teilnehmerin erzählte, dass sie eine sehr gebildete ältere Frau betreute und die Gespräche mit dieser eine große Bereicherung bedeutet hätten. Dr. Stach und die Vorsitzende Almuth Schauer freuten sich, an diesem Abend auch das 200. SuB-Mitglied begrüßen zu können. Sie überreichten einen Blumenstrauß an Bettina Berk. Weiter stellte Dr. Stach Zehra Demir vor, über deren Engagement sie sich besonders freue. Demir, stellvertretende Vorsitzende des Ausländerbeirats Stadtallendorf, habe anfangs Übersetzungsarbeit ins Türkische geleistet und bemühe sich, Migranten ans Ehrenamt heranzuführen. „Es gibt einen großen Bedarf, mittlerweile sind die ersten Gastarbeiter auch im Betreuungsalter“, sagte Demir.

von Manfred Schubert

Hintergrund

Aufgaben von Betreuungsvereinen:
Betreuungsvereine wurden im Zuge der Reform von 1992, mit der die Entmündigung abgeschafft wurde, gesetzlich verankert. Zu den Aufgaben anerkannter Betreuungsvereine gehören die planmäßige Gewinnung, Einführung und Fortbildung ehrenamtlicher Betreuer und Bevollmächtigter; die Unterstützung und Beratung ehrenamtlicher Betreuer bei der Wahrnehmung ihrer Aufgaben; die planmäßige Information der Bevölkerung über rechtliche Vorsorge und Betreuungsverfügungen. Die Betreuerbestellung soll über die rechtliche Vertretung durch Vorsorgevollmachten vermieden werden.
Laut Dr. Stach führt der SuB etwa 500 Beratungen im Jahr in Marburg und dem Landkreis sowie Veranstaltungen zu Vorsorgevollmacht und rechtlicher Betreuung mit etwa 800 Teilnehmern im Jahr durch.

Informationen:
Kann ein Erwachsener aufgrund einer psychischen Krankheit, einer körperlichen, geistigen oder seelischen Beeinträchtigung seine Angelegenheiten nicht oder nur teilweise regeln, so wird ihm eine Betreuungsperson zur Seite gestellt. Diese nimmt die Interessen des Betreuten im Sinne einer rechtlichen Begleitung und Vertretung wahr. Oft geht es dabei um ganz praktische Dinge wie Briefwechsel und Telefonate, Regelung von Wohnungs- oder Behördenangelegenheiten, aber auch Organisation von Haushaltshilfen oder Pflege.

Zahlen und Fakten

Zahlen zum Betreuungswesen bundesweit:
Derzeit gibt es etwa 1,4 Millionen rechtliche Betreuungen, davon etwa 830 000 ehrenamtlich geführt, ungefähr 62 Prozent durch Familienangehörige. Der Betreuungsbedarf steigt, ebenso die Zahl der Vorsorgevollmachten: 2013 waren 2,4 Millionen im Bundeszentralregister erfasst, 2015 schon 2,7 Millionen.

Kontakt:
Marburger Verein für Selbstbestimmung und Betreuung, Beratungszentrum BiP, Am Grün 16, 35037 Marburg,
Telefon: 0 64 21 / 1 66 46 50, Internet: www.sub-mr.de, E-Mail: info@sub-mr.de.
Sprechzeiten: Mo bis Fr 9 bis 12 Uhr, Do 16 bis 18 Uhr und nach Vereinbarung.

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