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A 4 kehrt zurück auf die Agenda

Umweltschützer alarmiert A 4 kehrt zurück auf die Agenda

Die Forderung der Wirtschaft einer Neuauflage der A 4 von Westen war ein Schwerpunkt-Thema bei einer Verkehrs-Debatte von SPD und Grünen.

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"Die haben einfach in die Menge geschossen."

Während Wirtschaftsvertreter die Debatte um eine Neuauflage der Pläne für einen Autobahnbau befeuern, fürchten andere, dass in Nordrhein-Westfalen mit einer Schnellstraße an die Kreisgrenzen Tatsachen geschaffen werden.

Quelle: Frank Rumpenhorst

Marburg. Wiederbelebung der Autobahn A 4 von Nordrhein-Westfalen durch den Landkreis Marburg-Biedenkopf: Aus Wirtschaftskreisen werden Stimmen laut, die eine Asphalt-Trasse durch Mittelhessen fordern. „Die A 4 aus Richtung Olpe ist für uns nicht vom Tisch. Nach den Wahlen wird es einen neuen Anlauf dafür oder zumindest für straßenbauliche Alternativmodelle geben müssen“, sagt Eberhard Flammer, Vorsitzender des IHK-Industrieausschusses Lahn-Dill und Chef des Kunststofftechnikers Elkamet in Biedenkopf.

Der Wohlstand einer ganzen Region, speziell des Hinterlands, sei mit der Ansiedelung der Automobil-industrie gekommen und mit dieser verknüpft. Und vor allem diese Zulieferer sehnen sich nach einer besseren Anbindung an die Boom-Regionen rund um Köln, sagt Flammer während einer Wahlkampfveranstaltung von SPD und Grünen am Freitagabend.

Zu teuer und umweltschädlich

„Zwei Milliarden Euro plus brisante Umweltfragen: Das ist es vielen in der Region nicht wert - damals nicht, heute nicht“, kontert Sören Bartol, Bundestags-Kandidat der SPD. Skepsis bei Henner Gonnermann, Sprecher der Bürgerinitiative Marburg-West gegen Fernstraßenbau: „In Nordrhein-Westfalen preschen viele, auch SPD-Leute mit einer A4-light vor“, sagt er.

Im Grenzgebiet zu Hessen konzipiere die Politik eine Bundesstraße, die auf vier Spuren ausgeweitet werden kann und hinter Erndtebrück ende. „Dann werden wir mit Verkehr zugeballert und wir müssen sehen, wie wir damit klarkommen. Das ist aggressive Sachpolitik und ist uns eine Warnung, das Thema A 4 nicht leichtfertig abzutun“, sagt er. 2010 wurde das 1,7 Milliarden Euro-Projekt gestoppt.

Ein neuer Anlauf - auch für Alternativen wie heranführende Bundesstraßen - hält Bartol für „absolut falsch“. Er werde „solche Vorhaben mit aller Kraft verhindern“. Bei der A 49 fordert der SPD-Mann vom Land hingegen den raschen Weiterbau: Die Zerstückelung der Bau-Abschnitte sei fatal, die Finanzierung der Straßen vor und hinter dem im Bau befindlichen, 900 Meter langen Tunnel bei Schwalmstadt-Frankenhain, sei weiter unklar. Gesamtvolumen des 40 Kilometer langen Lückenschlusses bis zur A 5 bei Homberg: 569 Millionen.

Ist Stefan Heck (CDU) pro A4?

Gerüchten zufolge soll Stefan Heck, CDU-Bundestagskandidat für eine A 4 plädieren. „Das ist Quatsch“, sagt er. Wenn aber eine Schnellstraße nördlich des Kreises umgesetzt werde, „müssen wir das Hinterland vom Verkehr ja irgendwie entlasten. Ortsumgehung Eckelshausen, die Lage in Buchenau und Führung des Lkw-Verkehrs sind dann Fragen.“

Thema Stadtautobahn: Die Hoffnungen der Lärm-Gegner auf eine Untertunnelung dämpfte Bartol. „Der Bund hat keine Gründe, 300 oder noch mehr Millionen Euro in Marburg zu investieren. Ich halte die Idee für aussichtslos“, sagte er. Aber: Sobald die Autobahnbrücke auf Höhe des Hauptbahnhofs marode werde, deren Neubau zur Debatte stehe, müsse man „über eine Lösung wie einen Halb-Tunnel nachdenken“, sagte er.

Hessen Mobil rechnet offenbar mit einer Haltbarkeit der Brücke von weiteren 30 Jahren. Bartol: Trotz dieses langen Zeitraums sei es sinnvoll, konkrete Pläne für verschiedene Lösungen zu schmieden - „um für die Umsetzung vorbereitet zu sein. Denn es sind extrem dicke Bretter zu bohren.“

Ein B3-Tunnel ist utopisch

Anton Hofreiter (Grüne), Vorsitzender des Bundestags-Verkehrsausschusses wurde während der Podiumsdiskussion noch deutlicher: „Auf einen Tunnel sollte sich niemand versteifen. Städte wünschen sich für sich zwar immer das Beste, aber ich sehe in diesem Fall keine Chance auf Umsetzung“, sagt er. Selbst wenn alles optimal liefe, Land und Bund die Pläne vorantreiben und die Finanzierung stehe, werde es „mindestens weitere 30 Jahre dauern bis das auch nur in der Nähe eines Baustarts rückt“.

Schon jetzt sind Hofreiter zufolge bundesweit 100 Straßenbauprojekte - ein Investitionsvolumen sechs Milliarden Euro - fertig geplant und könnten sofort gebaut werden. „Passiert aber nicht. Es ist völlig unklar wann Bagger anrollen“, sagt er. Die Kommunalpolitik sollten sich Hofreiter zufolge „schneller umsetzbare und günstigere Alternativen der Lärmbekämpfung überlegen“.

Gerhard Haberle, Sprecher der Initiative „Nachhaltige Stadtentwicklung“ kontert: „Naiv, dass ein Tunnel leicht machbar ist, sind wir nicht. Aber andere Städte machen uns vor, dass es und wie es geht - gerade was die Gegenfinanzierung, Stichwort Bauland, angeht.“

von Björn Wisker

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