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877 Mitglieder bewirtschaften fast 35000 Hektar

Bodenverband feiert Jubiläum 877 Mitglieder bewirtschaften fast 35000 Hektar

Der Wasser- und Bodenverband „Marburger Land“ - ein Erfolgsmodell, das weiterhin wächst. So wurde der 150. Mähdrescher von Deutz-Fahr übergeben. Der Verband verfügt über die größte Mähdrescher-Armada Deutschlands.

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Oben: Übergabe des 150. Mähdreschers an den Wasser- und Bodenverband (WBV). Der Deutz-Fahr 6040 mit 4,20 Meter Schnittbreite hat einen 6,1 Liter-Motor, der maximal 250 PS leistet. In die Konstruktion flossen auch Hinweise aus dem WBV ein. Unten: WBV-Vorsteher Werner Metke (links) und Friedrich Schäfer, Vorsteher des Wasser-, Boden- und Landschaftspflegeverbands Hessen, erinnern an die Geschichte des Verbandes.
Fotos: Manfred Schubert

Quelle: Manfred Schubert

Amöneburg. „Die Wiege der Bodenverbände in Hessen steht hier, an dieser Stelle“, verkündete Friedrich Schäfer, Vorsteher des Wasser-, Boden- und Landschaftspflegeverbands Hessen und Vorsitzender der Hessischen Maschinenringe, den etwa 300 Zuhörern. Diese waren in die 2011 eingeweihte Maschinenhalle im Radenhäuser Feld gekommen, um das 40-jährige Bestehen des Wasser- und Bodenverbands (WBV) „Marburger Land“ zu feiern.

Mit der Gründung 1973 habe der WBV ein Jahr vor der Gebietsreform bereits den Zusammenschluss der beiden Landkreise Marburg und Biedenkopf vorweggenommen. Innerhalb dieser gebe es genau so große landwirtschaftliche Unterschiede wie EU-weit. „Auf großen Flächen kann jeder, auf kleinen ist es schwieriger und teurer“, unterstrich Schäfer. Der WBV sorge dafür, dass auch kleinere landwirtschaftliche Betrieb große, teure Maschinen nutzen können. Der Mitgründer Karl-Heinz Dickhaut, der 32 Jahre lang Verbandsvorsteher des WBV Marburger Land war, habe eine gesamte Generation der Land­wirte in Landkreis und Hessen geprägt.

Eindrucksvoll zeige sich die Entwicklung auch an der Mähdrescher-Armada: 52 Mähdrescher, dazu alle von einer Firma, das gebe es in ganz Deutschland nicht noch einmal. Vorreiter für Hessen und Deutschland sei der WBV auch 1995 mit der Einführung der „Flächendeckenden gewässerschonenden Beratung“ gewesen.

Diese hatte Werner Metke, Vorsteher des WBV Marburger Land, in seiner Begrüßung auch bereits angesprochen und seinem Vorgänger Dickhaut „großen Weitblick“ dafür attestiert. Die Energiewende sei am WBV auch nicht spurlos vorübergegangen, inzwischen biete er Maschinen zur Bearbeitung nachwachsender Energierohstoffe an.

Von der Gründung am 25. April 1973 durch 36 Personen mit 877 Hektar Land bis heute wuchs die Zahl der Mitglieder auf 877 Personen Ende 2012 mit 34300 Hektar. Monatlich kämen weitere hinzu, dennoch sei es gelungen, die Verwaltung schlank zu halten und die Büroarbeit mit zwei Personen zu bewältigen, berichtete Metke stolz.

Landrat Robert Fischbach betonte, er habe die Entwicklung des WBV von Anfang an verfolgt und immer unterstützt: „Wir wissen, welche Bedeutung die Struktur der Landwirtschaft im Landkreis hat.“

Erwin Koch, Vorsitzender des Kreisbauernverbands, überbrachte die Grüße des Hessischen Bauernpräsidenten. Mit diesem trägt er bekanntlich gerne öffentliche Dispute aus, einen kleinen Hinweis darauf konnte er sich nicht verkneifen: „Da ich nicht dieselbe Sprache wie Friedhelm Schneider spreche, habe ich mir einen vorgefertigten Text geben lassen, den ich hier verlese.“ Darin würdigte Schneider die „herausragende Stellung“ des WBV als bäuerliche Selbsthilfe­einrichtung.

Koch sprach seinen persönlichen Dank aus. Er sei ein „Mann des zweiten Jahres“, habe die Mitgliedsnummer 37 und die Leistungen des Verbandes fast 40 Jahre lang genießen dürfen. Auch den menschlichen Umgang hob er hervor. „Wenn man mal Mist auf einer Maschine gemacht hatte, beruhigte einen beispielsweise Doris Dickhaut am Telefon, man werde zusehen, das auf gute Art und Weise hinzukriegen“, sagte er. Selbst kleine Kinder wissen laut Koch, was der Wasser- und Bodenverband ist: „Als ich heute meinen vierjährigen Enkel in den Kindergarten brachte und sagte, wo ich hingehe, rief der ‚Das sind doch die mit den Mähdreschern, wann fahren wir Mähdrescher?‘“

Gerhard Lips, Leiter des Amts für Bodenmanagement Marburg, unterstrich die sehr gute zielgerichtete Zusammenarbeit, auch im Bereich Hochwasserschutz. Wie wichtig das sei, habe sich jetzt wieder gezeigt.

Gerhold Schreiner vom Schreiner Maschinenvertrieb in Steffenberg unterstrich, dass der WBV immer dem Handel vor Ort treu geblieben sei. Er freute sich, an diesem Tag den 150. Mähdrescher übergeben zu dürfen. Das Modell 6040 von Deutz-Fahr mit 4,20 Meter Schnittbreite hat einen 6,1 Liter-Motor, der maximal 250 PS leistet. Voriges Jahr habe sich die Frage gestellt, ob ein so kleiner Mähdrescher überhaupt noch gebaut würde. Allerdings sei er für die Strukturen im Landkreis genau richtig. So habe man an den Hersteller geschrieben, sei hingefahren und man habe dort zugehört, so kam es, dass man ihn wieder anbieten konnte.

Der „dichtende Landwirt“ Robert Gruß aus Niederklein trug seine Glückwünsche gereimt und teils auch gesungen unter dem Titel „Landwirtschaft im Wandel“ vor. Am neuen Mähdrescher wünschte er sich die Aufschrift: „Ihren Hunger zu stillen ist unser Job. Während Sie in Urlaub fahren, ernten wir für Sie.“

von Manfred Schubert

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