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800 Jahre Familiengeschichte in 60 Minuten

Prinz von Hessen im Staatsarchiv 800 Jahre Familiengeschichte in 60 Minuten

Rund 140 Zuhörer, darunter auch viele Vertreter des hessischen Adels, kamen in den Landgrafensaal des Hessischen Staatsarchivs zur Buchvorstellung durch einen echten Prinzen von Hessen.

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Rüdiger Freiherr Schenck zu Schweinsberg (rechts), der amtierende Erbschenk in Hessen, ließ es sich nicht nehmen, seinem Prinzen Rainer von Hessen nach dessen Vortrag im Staatsarchiv ein Glas Riesling „Prinz von Hessen“, Jahrgang 2015, einzuschenken. Foto: Kristina Lieschke

Marburg. Prinz Rainer von Hessen schlug erzählend einen Bogen von den Anfängen der eigenen Familiengeschichte und zugleich der hessischen Landesgeschichte im 13. Jahrhundert bis in die Gegenwart. Dabei skizzierte der Onkel von Familienoberhaupt Donatus Landgraf von Hessen am Dienstagabend quasi im Schnelldurchlauf, was er in seinem Buch „Die Hessens. Geschichte einer europäischen Familie“ auf 144 Seiten ­genauer ausführt.

Archivdirektor Dr. Andreas Hedwig, der auch die Einführung ins Thema übernommen hatte, stand dem Prinzen bei seinem Vortrag moderierend zur Seite und spielte ihm immer wieder verabredete Stichworte zu. So ließen sich insbesondere die für 800-Jahre-in-60-Minuten nötigen zeitlichen Sprünge geschickt strukturieren.

Natürlich fehlten in diesem individuell gefärbten Geschichtsabriss die Landesgründer Sophie von Brabant und ihr Sohn Heinrich I. von Hessen ebenso wenig wie Anna von Mecklenburg und deren Sohn Philipp der Großmütige, Hessens großer Reformator im 16. Jahrhundert. Nach Philipps Tod teilte sich dann das Haus Hessen in vier Erblinien, von denen das Haus Hessen-Kassel und das Haus Hessen-Darmstadt bis ins 20. Jahrhundert bestanden.

Auch die wichtige Rolle starker Landgrafenwitwen späterer Zeiten wusste Prinz Rainer besonders zu würdigen. Und der Historiker und Regisseur erwähnte den „seltsamen Zufall“, dass die hessische Dynastie nicht nur mit einer Heiligen - der heiligen Elisabeth von Thüringen - als Stammmutter beginnt, sondern dass auch an ihrem Ende im 20. Jahrhundert eine aus dem Hause Hessen stammende Elisabeth heiliggesprochen wurde. Auch diese nach Russland verheiratete Elisabeth gründete nach dem Tod ihres Mannes ein Hospital. Nach dem Sturz des Zarenregimes wurde sie 1918 nach Sibirien verschleppt und dort grausam ermordet. 1992 wurde sie dann von der Synode der russisch-orthodoxen Kirche heiliggesprochen, erzählte der Prinz. Er berichtete außerdem über die Verstrickungen seiner Familie in das Hitlerregime und über den tragischen Flugzeugabsturz, bei dem im November 1937 auf dem Weg zu einer Familienhochzeit fast alle Angehörigen des Hauses Hessen-Darmstadt umkamen. Später adoptierte der kinderlose letzte Erbe des Hauses Hessen-Darmstadt, Ludwig, dann seinen Kasseler Vetter Moritz und führte damit die beiden hessischen Häuser wieder zusammen. Vortrag und Buch stießen auf großes Interesse des Publikums: Der Büchertisch wurde zum Schluss der Veranstaltung jedenfalls komplett leergekauft.

von Kristina Lieschke

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