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600 Millionen Euro für eine neue EAM

Eon-Mitte-Verkauf 600 Millionen Euro für eine neue EAM

Seit mehr als einem Jahr laufen hinter verschlossenen Türen Verhandlungen über den Rückkauf der Eon Mitte AG durch die Landkreise und Kommunen im Gebiet des Energieversorgers. Bis Ende des Jahres soll die Entscheidung fallen.

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Ein Konzern wird verkauft: Wenn die Kreistage mitspielen, wechselt die Eon Mitte AG zum Jahresende den Besitzer.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Die Rückübertragung des privaten Unternehmens in die Hände der Kommunen ist ein hochkomplexer Vorgang, der in mehreren Schritten erfolgen soll.

Wie nach OP-Informationen aus Plänen für den Rückkauf der Anteile am Energieunternehmen hervorgeht, über die dieser Tage die Mitglieder der betroffenen Kreistage informiert wurden, wollen die bisherigen kommunalen Anteilseigner - zwölf Landkreise und die Stadt Göttingen - die kompletten 100 Prozent des Unternehmens bis zum Jahresende übernehmen. Der Energiekonzern Eon machte mit Hinweis auf das laufende Verfahren keine Angaben.

Bislang halten die kommunalen Aktionäre, darunter auch der Landkreis Marburg-Biedenkopf, 26,7 Prozent an der Eon Mitte AG. Im Jahr 2002 hatten sie ihren Anteil gemeinsam von 54 Prozent reduziert und waren durch den Verkauf gegenüber dem Eon-Konzern vom Mehrheits- zum Minderheitsaktionär geworden.

Nur das Tochterunternehmen Eon Mitte Vertrieb wird bei einem Rückkauf gegen einen Wertausgleich an den Hauptkonzern abgegeben. Im Gegenzug bekommen die kommunalen Miteigentümer von Eon dann weitere Aktien der Eon Mitte, sodass dieser Anteil von 26,7 auf etwa 32 Prozent steigt.

Erst kommen Altaktionäre, dann Kommunen zum Zug

Die restlichen 68 Prozent an Eon Mitte sollen von den kommunalen Aktionären gemeinsam über einen Kredit finanziert werden, der mit den jährlichen Dividendenzahlungen des Unternehmens nach 20 Jahren abgelöst werden kann. Der Preis liegt nach OP-Informationen bei etwa 600 Millionen Euro.

Nach dem Kompletterwerb der Aktien durch die Altaktionäre, also die zwölf Landkreise und die Stadt Göttingen, sollen wiederum bis zu 49,9 Prozent der Anteile den etwa 200 Städten und Gemeinden im Eon-Mitte-Gebiet angeboten werden.

Das Interesse der Kommunen daran ist da, es hat sich auf Gemeinde-Ebene eine Lenkungsgruppe gebildet, die einen Einstieg der bisher an der Eon Mitte nicht beteiligten Städte und Gemeinden mitsteuern und verhandeln will. Klar ist: Städte und Gemeinden müssen für eine Beteiligung 10 Prozent des Anteils als Eigenkapital aufbringen.

Ein Konsortium aus verschiedenen Stadtwerken, darunter auch die Marburger Stadtwerke, wird dagegen zunächst nicht zum Zug kommen. Norbert Schüren, Geschäftsführer der Stadtwerke Marburg, begrüßte gegenüber der OP am Freitag, dass die Chance genutzt werden solle, die Eon Mitte in die regionale Hand zurückzuholen. Er betonte, dass das Stadtwerke-Konsortium aus etwa zwei Dutzend Unternehmen auch weiterhin zu seinem Angebot stehe, mit mindestens 25 Prozent bei einer rekommunalisierten Eon Mitte einzusteigen.

Dass angesichts der Entwicklung einige der Kommunen, die ihre Konzession in den vergangenen zwei Jahren von der Eon weg und an die Stadtwerke vergeben hatten und sich an der gemeinsamen Netzgesellschaft Energie Marburg-Biedenkopf (EMB) beteiligt haben, aus diesem Verbund abspringen, glaubt Schüren nicht.

Schüren hofft auf Fortschritte bei den Netz-Verhandlungen

„Wir haben eine starke kleine Netzgruppe zusammenbekommen.“ Jeder könne überlegen, was besser sei: „ein relevanter Anteil“ an einer kleinen Netzgesellschaft oder „ein nicht relevanter Anteil“ an einem viel größeren Verbund.

Schüren zeigte sich zuversichtlich, dass die Verhandlungen über die zur EMB gewechselten Netze mit einer rekommunalisierten Eon Mitte und deren Repräsentanten nun besser zum Abschluss gebracht werden könnte. Den geplanten Aufbau eines neuen Vertriebs für die Eon Mitte sieht er hingegen als „unglücklich“ an. Die Rückgewinnung der an den Eon-Mutterkonzern abzugebenden 500000 Stromkunden sollten die regionalen und kommunalen Unternehmen gemeinsam angehen, nicht in Konkurrenz, so Schüren.

von Michael Agricola

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