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52 Kilo abgespeckt

OP-Serie: Das schaffe ich 52 Kilo abgespeckt

Seit dem Sommer 2012 hat Martina Gücker einiges weggeschafft: Rund 15 Säcke Altkleidung, 52 Kilogramm Körpergewicht und fast 1000 Jogging-Kilometer.

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Hund gekauft und losgelaufen: Martina Gückers Diät-Geheimnis ist der Sport. Er bewahrt davor, träge und undiszipliniert zu werden.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Wenn im Briefkasten der Gückers in Wohratal mal wieder ein Katalog für Übergrößen liegt, dann landet er heute unbeachtet im Müll. Jahrelang war Martina Gücker auf die Kataloge angewiesen. An normale Bekleidung war bei weit über 100 Kilo nicht zu denken.

Gücker war schon immer eine aktive Frau. Sie ist Lehrerin an den Kaufmännischen Schulen in Marburg, in ihrer Freizeit engagiert sie sich bei den Landfrauen und im Posaunenchor. Gleichzeitig ist sie Hausfrau und Mutter von zwei Töchtern. Jobs, Hobbys und Beruf hatte Gücker immer im Griff mit ihrem Gewicht war das etwas anderes.

OP-Artikel weckt Ehrgeiz

„Das ist eine Art Gemütlichkeits-Spirale. Man nimmt immer mehr zu, wird träger, macht weniger Sport. Ich habe mich nie richtig ungesund ernährt. Aber wenn es schmecken sollte, dann kam eben der Schluck Sahne an das Essen“, so Schokoladen-Fan Gücker. Man sage als Dicker zwar immer, es gehe einem gut, aber im Endeffekt sei das nur eine Art Verdrängung: „Wenn der Arzt hohen Blutdruck misst, dann schiebt man es darauf, dass man sich vorher aufgeregt hat. Man lebt nach dem Motto, was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß.“

Irgendwo muss aber die Hoffnung, dass sich an dieser Situation noch mal etwas ändert, immer in Martina Gücker geschlummert haben. Geweckt wurde sie, erzählt sie uns freudig, von einem Artikel in der Oberhessischen Presse. Im Juni 2012 habe sie in ihrer Zeitung einen Bericht über „Optifast“ gelesen. Das Programm ist von einem großen Lebensmittelhersteller entwickelt worden, der damit auch sein Diät-Pulver verkaufen will. Betreut werden die Menschen dabei in Marburg vom „Adipositas Zentrum Mittelhessen“ am UKGM.

„In dem Artikel war von einem Infoabend und vielversprechenden Ergebnissen die Rede und da habe ich gedacht, ich schaue es mir einfach mal an“, so Gücker. Das Prinzip des Programms basiert nicht auf einer Zauberformel, sondern auf Verzicht und Disziplin: „Aber das Abnehmen in der Gruppe war toll. Man freute sich mit den anderen und hat auch einen gewissen Druck, weil eben alle sehen, wie viel man abgenommen hat“, so Gücker.

Leben nach der Ernährungspyramide

„Optifast“ das bedeutet für die ersten drei Monate des einjährigen Programms: Nur Diät-Drinks oder Pulver-Quarks. Martina Gücker hat das nichts ausgemacht, sie war glücklich endlich etwas gegen ihre Situation zu unternehmen. Und so erzählt sie heute gelassen und wie selbstverständlich über all das, was Diät-Muffeln schon beim Hören den Schweiß auf die Stirn treibt: Wie man Hunger von Appetit unterscheiden lernt, dass es wichtig ist drei Liter Wasser am Tag zu trinken.

Sie berichtet über die Ernährungspyramide: Wenig Kohlenhydrate, noch weniger Fett, viele Eiweiße! Und davon, dass sie sich heute die Mühe macht, aufzuschreiben, was sie alles an einem Tag isst, wenn sie das Gefühl hat, wieder zuzunehmen. „Man macht es sich dann viel bewusster“.

20 Kilogramm hatte Gücker schon nach den Pulver-Monaten abgenommen. Sie packte ihre Übergrößen-Kleider in Säcke und brachte sie zur Altkleider-Tonne. „Bis zum Gewicht heute sind bestimmt 15 Säcke zusammen gekommen. Viele haben gesagt, naja warte doch mal, wenn du ein bisschen wieder drauflegst. Vielleicht brauchst du die Sachen noch mal. Ich wollte das einfach nicht.“

Läufe bei Wind und Wetter

Stattdessen kaufte sie sich Sportsachen. „Ich war früher schon walken, aber wenn das Wetter mal schlecht war, dann bin ich einfach im Haus geblieben“. Bestandteil des 52-Wochen-Programms war auch ein sportliches Ziel, dass die Patienten erreichen sollten: „Ich will einen Marathon laufen“, hatte Martina Gücker ihrem betreuenden Arzt gesagt. Der bremste sie. Das Ziel sei ein bisschen hochgesteckt.

Also beschloss sie, zunächst den Lahnweg mit dem Rad zu fahren. An einem der darauffolgenden Wochenenden bestieg sie mit ihrer Familie im strömenden Regen die Fahrräder und fuhr. Beim nächsten Treffen mit dem Arzt, konnte der ihr ihren Marathonwunsch nicht mehr ausreden. „Also haben wir uns einen Hund gekauft und ich habe angefangen lange Läufe zu machen“. Anders als vorher lief sie jetzt nicht, wenn es ihr zeitlich oder von der Stimmung in den Kram passte, sondern stellte alles andere hinter ihren Sport zurück.

Um das Ergebnis vorwegzunehmen: Martina Gücker ist Ende Oktober den Frankfurt-Marathon in unter sechs Stunden gelaufen (Foto: Richter). Überglücklich ist sie im Ziel angekommen. 52 Kilogramm leichter, als noch vor einem Jahr. Ob sie in der Rückschau manchmal über sich und dieses Jahr erstaunt sei. „Schon“, sagt Martina Gücker, aber das sei alles so Schritt für Schritt gekommen.

von Tim Gabel

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