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50 Jahre Medizingeschichte in Marburg

Jubiläum 50 Jahre Medizingeschichte in Marburg

Seit nunmehr fünf Jahrzehnten erforscht, archiviert und lehrt das Medizinhistorische Institut die Geschichte der Medizin.

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Christian-Ulrich Behring (von links) überreicht Dr. Kornelia Grundmann und Professor Helmut Schäfer bisher unerforschte Briefe über seinen berühmten Großonkel Emil von Behring. Foto: Ina Tannert

Marburg. Die Arbeitsstelle des Fachbereichs 20, in der Studierende aktuell etwa die Geschichte der Geburtsmedizin oder die Entwicklung der Virologie erfahren, ist eng mit der jahrhundertealten Medizinforschung in Marburg verbunden.

Zum 50-jährigen Bestehen veranstaltete das Institut am Wochenende ein kleines Symposium rund um die Geschichte der Institution sowie der Marburger Medizin an sich. „Die medizinische Fakultät wäre ohne die Medizingeschichte nicht das, was sie heute ist“, gratulierte unter anderem Professor Helmut Schäfer, Dekan des Fachbereichs Medizin, den Kollegen. Das reiche Archiv der Arbeitsstelle enthält unter anderem die größten medizinischen Höhepunkte der Universitätsstadt. Allen voran die Verleihung des ersten Nobelpreises des Faches an Emil von Behring im Jahr 1901, der ersten erfolgreichen Operation am offenen Herzen oder dem in Marburg identifizierten Marburg-Virus, welcher der Stadt weltweite Bekanntheit brachte. Das wichtige Fach ist bis heute nicht nur existent, sondern vor allem vital, lobte der Dekan und dankte den Mitarbeitern, die das Fach „mit Hingabe und Leben erfüllen“.

Nicht erst vor 50 Jahren, sondern bereits im 19. Jahrhundert bestand ein wachsendes Interesse an der Geschichte des Medizin in Marburg. Erste undatierte Aufzeichnungen, Sammlungen und Forschungen entstanden. Über Jahrzehnte hinweg entwickelten sich erste Lehraufträge und anfangs noch sporadische medizinhistorische Vorlesungen. Durch das wachsende Interesse und die Bedeutung des Faches in der medizinischen Ausbildung breitete sich der historische Schwerpunkt der Medizin weiter aus und konnte im Jahr 1964 endgültig institutionalisiert werden. Die erste Professur erhielt Professor Gunter Mann. Ihm gelang es innerhalb weniger Jahre „aus dem Nichts ein funktionierendes Medizinhistorisches Institut aufzubauen“ und ein schnelles Wachsen der Bibliothek zu fördern, so wie zahlreiche ambitionierte Kollegen nach ihm, gab die wissenschaftliche Mitarbeiterin Dr. Kornelia Grundmann einen Überblick über die Institutsgeschichte.

Seit Ende der 90er Jahre gab es zunächst Bestrebungen des Wissenschaftsministeriums, die Medizingeschichte in Marburg aus Kostengründen zu schließen. Um das Fortbestehen des Instituts zu sichern, sprang 1999 der Anatomieprofessor Professor Gerhard Aumüller als kommissarischer Leiter ein.

Behrings Leben und Wirken auf digitalem Datenträger

Kurze Zeit später übernahm das Fach den umfangreichen Nachlass Emil von Behrings. In Folge wurde die Bibliothek des Instituts zu Ehren des bekannten Marburger Serologen benannt, das Wirken Behrings detailliert aufbereitet und mittlerweile auch als digitale Datenbank veröffentlicht.

Weitere Glückwünsche zum Jubiläum überbrachte erster Beigeordneter Dr. Andreas Jürgens vom Landeswohlfahrtsverband Hessen. Schon seit den 90er Jahren arbeiten Verband und Institut erfolgreich und über viele „sehr fruchtbare Jahre“ zusammen. Jürgens erinnerte an die herausragende Rolle Marburgs in der Geschichte der Universitätsmedizin. Nicht nur der Verband habe von dem Institut sehr profitiert, lobte das Ausschussmitglied. Eine besondere Überraschung gab es für Institutsleiterin Professorin Irmtraut Sahmland, die in besonderem Maße vor allem auf dem Gebiet der Hospitalforschung sowie an zahllose Veröffentlichungen und Ausstellungen beteiligt war. Als Dank für ihre langjährige engagierte Arbeit verlieh das Verbandsmitglied der überraschten Professorin die Ehrenplakette des Landeswohlfahrtverbandes in Silber. „Ich werde mich weiter anstrengen“, bedankte sich Sahmland für die Auszeichnung.

Ein weiteres, besonderes Geschenk überbrachte Christian-Ulrich Behring, Großneffe des bekannten Mediziners und Industriellen, der anlässlich der Feierlichkeiten aus Berlin angereist war. Er überließ dem Institut zu Forschungszwecken mehr als 70 bisher unbekannte Briefe aus dem 19. Jahrhundert, die größtenteils von der jüngeren Schwester Behrings, Emma, stammen und über das Leben des berühmten Mediziners und wichtige Ereignisse der Zeit handeln.

„Hier sind sie am besten aufgehoben“, betonte Behring und freute sich über die geglückte Überraschung.

von Ina Tannert

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