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50-Jähriger muss lange ins Gefängnis

Missbrauch an Pflegetochter 50-Jähriger muss lange ins Gefängnis

In insgesamt zehn Fällen hat ein Familienvater seine Pflegetochter missbraucht, sie in einem Fall sogar vergewaltigt. Dieser Anklage folgte das Landgericht und verurteilte den 50-Jährigen zu sechseinhalb Jahren Haft. Anderthalb Jahre lang habe der Mann dem heute 18-jährigen Mädchen damit eine „tiefe Pein“ bereitet, sagte der Richter.

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Ein 50-Jähriger wurde wegen mehrfachen Missbrauchs an seiner Pflegetochter zu einer Haftstrafe verurteilt.

Quelle: dpa

Marburg. In den Jahren 2011 und 2012 hat der Mann demnach mehrere Übergriffe auf das damals 14 beziehungsweise 15 Jahre alte Mädchen ausgeführt und deren Wehrlosigkeit ausgenutzt. Er berührte seine Pflegetochter dabei an intimen Stellen, zwang sie ihrerseits sein Geschlechtsteil in die Hand zu nehmen und versuchte auch, mit diesem in sie einzudringen. Da dieses Eindringen jedoch nicht zweifelsfrei belegt werden konnte, wurden neun der zehn angeklagten Fälle lediglich als sexueller Missbrauch und teilweise als sexuelle Nötigung beurteilt.

Bei einer der Attacken zwang er die Jugendliche jedoch zu Oralsex, was Staatsanwaltschaft und Gericht als Vergewaltigung werteten. Der Angeklagte nötigte das Opfer zudem zum Runterschlucken seines Spermas. Das sei eine „zusätzliche Erniedrigung, die nicht nötig gewesen wäre“, betonte Staatsanwältin Kerstin Brinkmeier.

Angeklagter widerspricht Gutachten über das Opfer

Der Angeklagte und sein Pflichtverteidiger Marcus Kress hatten während der Verhandlung versucht, die heute 18-Jährige als unglaubwürdig darzustellen. So habe sie nach Aussage aller Familienmitglieder niemals versucht, Situationen aus dem Weg zu gehen, in denen sie mit ihrem vermeintlichen Peiniger alleine blieb, und habe ihm zu keinem Zeitpunkt den in der Familie üblichen Gute-Nacht-Kuss verweigert. Darüber hinaus habe sie „durchaus Kenntnis von sexuellen Dingen gehabt“ und sei häufig leicht bekleidet durch die Wohnung gelaufen.

Am Montag, dem vierten Verhandlungstag, verwies der Täter auf eine CD mit einem von ihm selbst gedrehten Pornofilm. Diesen habe er auf dem Computer seiner Pflegetochter „im Verlauf gefunden“, was zeige, dass sie sexuell – auch im Bezug auf ihn – nicht ganz unbedarft gewesen sei. Dies widerspreche dem im psychologischen Gutachten gezeichneten Bild des scheuen und zurückhaltenden Mädchens.

Ohnehin sei das Gutachten „sehr dürftig“, eine „bloße Aneinanderreihung von Aussagen“ und „nicht fundiert“, argumentierte der Verteidiger in seinem Plädoyer. Zudem seien Übergriffe auf die Minderjährige spontan gar nicht möglich gewesen, da der Angeklagte unter Erektionsstörungen leidet und Potenzpillen verschrieben bekommen habe.

Mädchen „zu monströser Lüge nicht fähig“

Der vorsitzende Richter Dr. Thomas Wolf entkräftete diese Einwände aber in seiner Urteilsbegründung. Er sagte, das lernbehinderte Opfer habe sich in den Vernehmungen „so gezeigt, wie sie alle beschrieben haben“ und habe die Vorgänge in ihrer einfachen Art glaubwürdig geschildert. Er stimmte damit der Anwältin der Nebenklage zu, die das Mädchen „zu so einer monströsen Lüge gar nicht fähig“ charakterisiert hatte.

Wie die Staatsanwältin bereits beschrieben habe, habe die Pflegetochter keinen Grund für eine falsche Aussage gehabt, denn sie habe sich bei der Familie und auch bei dem Pflegevater eigentlich sehr wohl gefühlt, so Wolf. Umso schlimmer sei der Umstand, dass sich neun der zehn Fälle zuhause – „in der Umgebung, wo man sich eigentlich besonders geborgen fühlt“ – ereigneten.

Zugute kam dem Angeklagten beim Strafmaß, dass er sich mit Ausnahme der Taten als guter Pflegevater hervorgetan habe und dass er nicht vorbestraft war. Der 50-Jährige hat nun eine Woche Zeit, Revision einzulegen.

von Peter Gassner

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