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40 Jahre - voll im Saft und voller Kraft

Kreistag-Sondersitzung 40 Jahre - voll im Saft und voller Kraft

Keine Ballons vor der Tür, kein gesungenes Ständchen. Trotzdem wurde am Dienstag im Kreistagssitzungssaal ein runder Geburtstag gefeiert. Beglückwünscht wurde der Landkreis Marburg-Biedenkopf.

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Richtiges Theater gab es zur Feierstunde 40 Jahre Landkreis Marburg-Biedenkopf. Ogün Derendeli vom Landestheater sprach als Landrat Vilmar zum Plenum.

Quelle: Tobias Hirsch

Marburg. 1. Juli 2014. 40 Jahre alt. Das beste vom Leben schon erlebt? Das mag sich möglicherweise ein frühes Opfer der Midlife-Crisis fragen, nicht aber die Verwalter und Macher eines 1974 künstlich geschaffenen Landkreises namens Marburg-Biedenkopf. Nein, für sie ist 40 noch kein Alter, wohl aber ein Grund, Rückschau und Ausschau zu halten. Und so waren nicht nur der Kreisausschuss, die Landrätin, der Vize und die aktuellen Kreistagsmitglieder gekommen, sondern auch geladene Gäste wie Bürgermeister und Ex-Weggefährten, die den Landkreis zu dem gemacht haben, was er heute ist. Und was ist er heute? Diese Frage beantwortete Regierungspräsident Lars Witteck auf einer so charmantesten Art und Weise, die wirklich ihresgleichen sucht.

„Der Landkreis Marburg-Biedenkopf sticht hervor, nicht nur unter den fünf mittelhessischen Landkreisen, auch hessenweit.Und das, weil er sich weitsichtig und klug aufgestellt hat.“ Das war erst der Anfang einer waren Lobeshymne zum Geburtstag. In Sachen Finanzen, erneuerbare Energien und Gesundheitsregion sei der Kreis absolut vorbildlich. Deshalb wolle das Regierungspräsidium stets die gute Zusammenarbeit mit einem „Impulsgeber der Region“ suchen und es von „lästigen Objekten“ wie der Kommunalaufsicht entlasten. Hupps, da hatte Witteck doch einen Satz zu viel gesagt. Den letzten verstanden die Kreistagsmitglieder nicht ausschließlich als Spaß. So erhob Ex-Landrat Robert Fischbach noch einmal seine Stimme und sagte: „Wir haben die Chance genutzt. Die Reform 1974 war richtig. Und was wir daraus gemacht haben, war auch richtig. Deshalb möchte ich warnend sagen, bitte macht das nicht mit der Kommunalaufsicht.“ Damit löste er den stärksten Beifall der gesamten Veranstaltung aus und setzte noch einmal ein klares politisches Zeichen.

Der Rest der Veranstaltung, die musikalisch sehr stilvoll vom „ensemble philippinum“ (Rota Shima, Elena Rausch, Clara Verweyen und Kilian Heckenberger) aufgelockert wurde, bestand aus Erinnerungen, oft auch lustiger Art. Und natürlich auch aus einem Ausblick der Landrätin Kirsten Fründt, die nun die Aufgabe hat, den Landkreis in den nächsten Jahren zu führen. Und die Aufgabenstellung war schnell definiert: „Wir alle haben ein gemeinsames Ziel, den Landkreis lebenswert zu gestalten.“

Durch das Programm führte Kreistagsvorsitzender Detlef Ruffert. Er interviewte nicht nur „alte Haudegen“ aus der Anfangszeit, er schaffte auch etwas sehr Besonderes: ein Streitgespräch zwischen den beiden ersten Landräten Dr. Siegfried Sorge und Dr. Burghard Vilmar, direkt vor den Augen aller, obgleich sie schon verstorben sind. Dass dies möglich wurde, dafür sorgten Ogün Derendeli und Jürgen-H. Keuchel als Darsteller sowie Dr. Christine Tretow allesamt vom Hessischen Landestheater Marburg. Und dann wandte sich Ruffert noch an zwei Personen, die noch im Kreistag aktiv sind und sich Männer der ersten Stunde nennen dürfen. Zum einen Klaus Weber von der SPD, zum anderen Heinrich Herbener von der CDU.

Weber stellte fest: „Früher waren mehr Bürgermeister und Lehrer im Kreistag. Ob das gut oder schlecht war, will ich nicht bewerten.“ Das legendäre Kreistagsmitglied Heinrich Diehl - der Mann, der niemals ein Mikro brauchte - sagte mal zu ihm: „Junge, du bist zwar Lehrer, aber doch ein ganz guter Kerl.“ Herbener meinte festhalten zu können, dass es gleich in der allerersten Sitzung des Kreistages eine „Aufbruchstimmung“ gegeben habe und dies bis heute immer positiv besetzt war. Auch Walter Troeltsch und Dr. Christean Wagner bewerteten die Arbeit des Kreistages als sehr effizient und gut. Und so sagte Fründt denn auch abschließend: „Ich habe in meinem Leben den Landkreis immer als Ganzes verstanden und erlebt. Und jetzt erlebe ich das in meiner Arbeit umso intensiver. Wir haben ein gutes Gemeinschaftsgefühl und sind gut aufgestellt. Dass sich dabei die Koalition immer mal wieder ändert, kann durchaus fruchtbar für die Arbeit sein.“ - Na dann, herzlichen Glückwunsch, lieber Landkreis.

von Götz Schaub

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