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3500 Menschen demonstrieren in Marburg gegen Pegida-Bewegung

Anti-Pegida-Demo 3500 Menschen demonstrieren in Marburg gegen Pegida-Bewegung

Rund 3 500 Teilnehmer versammelten sich am Montagabend in Marburg zu einer Gegenveranstaltungen gegen die – parallel ebenfalls stattfindenden – Pegida-Demonstrationen in mehreren deutschen Großstädten.

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Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Es war „ein Anblick, wie man ihn in Marburg seit vielen Jahren nicht mehr gesehen hat“, kommentierte der Einsatzleiter der Polizei den Aufmarsch der Pegida-Gegner in der Marburger Innenstadt. 3 500 Menschen waren nach seinen Angaben bei der Demonstration anwesend und blieben dabei durchweg friedlich.

Quer durch alle Altersschichten beteiligten sich Marburger Bürger und – trotz der Weihnachtsferien an der Universität – auch viele Studenten an dem Marsch vom Hauptbahnhof über Bahnhofsstraße und Steinweg bis zum Marktplatz und von dort aus über Wilhelmsplatz, Universitätsstraße, Biegenstraße und Robert-Koch-Straße wieder zurück, um ein Zeichen gegen Fremdenfeindlichkeit zu setzen.

So waren zum Beispiel die Studentinnen Leonie Stambke und Aileen Schneider, die unter anderem wegen der Demonstration bereits früher aus der Heimat zurückgekehrt. „Wer schweigt, stimmt zu“, steht auf ihrem Schild, dass sie auf dem Weg in Richtung Marktplatz hochhalten. Und zustimmen – das möchten sie nicht. „Es sind schon im Namen aller Religionen Menschen ermordet worden“, sagt Stambke. „Nun wird der Islam schändlich zum Sündenbock gemacht“. Gegen diese Diskriminierung müsse man vorgehen, denn es seien „nie die Religionen, die Unheil anrichten, sondern die Menschen, die das Schweigen anderer ausnutzen“.

Hans-Jürgen Schmidt hingegen ist gekommen, „um das Protestieren nicht nur den Studenten zu überlassen“. Er selbst kenne „jede Menge Ausländer“ und habe bisher „nur anständige Leute kennengelernt“. Mit ihnen möchte er sich solidarisch erklären. Ebenso wie Dr. Theresia Jacobi. „Wir haben in der Demokratie immer eine Möglichkeit uns zu wehren“, meint sie und will das tun, „um uns die Gesellschaft nicht spalten zu lassen“. Auch wenn die Pegida bisher in Marburg noch nicht in Erscheinung getreten ist, müsse man „nicht erst warten, bis die anderen auf die Straße gehen“.

„Wir sind hier, weil die Pegida gegen uns Muslime ist“

Auch einige Migranten sind anwesend und freuen sich über den großen Zuspruch. „Wir sind hier, weil die Pegida gegen uns Muslime ist“, sagt Dr. Hamdi Elfarra von der islamischen Gemeinde. Man wolle zeigen, dass „wir friedlich sind und niemandem etwas tun“. Das Vertrauen in Deutschland habe durch die Pegida-Proteste in den letzten Wochen bei einigen seiner Glaubensbrüder gelitten. Nun aber, da „so viele hier sind“ kehre dieses Vertrauen wieder zurück. Mohammed (11), Abdullah (10) und Samir (9) singen währendessen immer wieder „Wir bleiben hier, wir bleiben hier – wir haben keine Wahl“.

Hanna Streiter, die die „Antigida“-Demonstration gemeinsam mit Susann Trojahn und mithilfe von Sercivan Ungan organisiert hatte  zeigte sich ebenfalls beegeistert davon „wieviele Menschen wir mobilisieren konnten“. Mit gerade einmal sieben Personen hätten sie vor einigen Wochen angefangen – für die Demonstration angemeldet wurden ursprünglich 200 Personen. Bei ihrer Ansprache auf dem Marktplatz erinnerte sie daran, dass „Demokratie leben heißt, sich verantwortlich zu fühlen“. Gegen die „Fremdenfeindlichkeit unter bürgerlichem Deckmantel“ wolle sie das Ideal von einem Land setzen, „das Diversität als Bereicherung ansieht“.

Ein Umstand, der in Marburg bereits Realität sei, wie Oberbürgermeister Egon Vaupel zum Ausdruck brachte. „Pegida hat in unser Stadt keine Chance“, sagte das Stadtoberhaupt mit Nachdruck und lobte die Initiative der beiden Studentinnen. Zwar demonstriere man nicht primär gegen etwas, sondern „für eine tolerante Welt“, dennoch kritisierte auch er die Pegida-Bewegung. Es sei „eine Dreistigkeit“ den Ruf „Wir sind das Volk“ zweckzuentfremden, denn der stehe iür eine friedliche Revolution und „nicht für den vermeintlichen Volkswillen, den Pegida kreiert “.

Politiker plädieren für Weltoffenheit

Die Landtagsabgeordnete Angela Dorn (Grüne) regte an, das „Bekanntnis für Weltoffenheit“, das in Marburg abgeliefert worden sei, noch mehr mit Leben zu füllen. Wenn in wenigen Wochen in der früheren Kasern in Neustadt Flüchtlinge ankommen, „sollten wir sie dort willkommen heißen, wenn die ersten Busse anrollen“, sagte sie.

Probst Helmut Wöllenstein von der Evangelischen Kirche Kurhessen-Waldeck setzte sich mit der „Legende der Gefährdung des Abendlandes durch den Islam“ auseinander. Der  Kirchenmann erinnerte daran, dass das „Abendland“ zahlreiche Wurzeln habe, neben dem Christentum auch das Judentum, die griechische Kultur und den aufgeklärten Islam. „Das Abendland bleibt uns nur dann bewahrt, wenn unsere Vielfalt bewahrt bleibt“, sagte Wöllenstein und fügte hinzu: „Schrecklich wird es immer, wenn eine Religion meint, die anderen dominieren zu müssen.“ Demonstrativ gab der Kirchenmann deshalb seiner Freude Ausdruck, das  es in Marburg gelinge, neben den „vielen schönen alten Kirchen, die wir haben, eine schöne Moschee zu bauen.“

von Peter Gassner und Till Conrad
 

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Anti-Pegida-Demo durch Marburger Innenstadt

Etwa 1500 Teilnehmer erwarten die Organisatorinnen einer Demonstration gegen die Pegida-Bewegung heute Abend. Der Demonstrationszug beginnt um 18.30 Uhr am Hauptbahnhof und geht über Bahnhofstraße, Elisabethstraße und Steinweg zur Kundgebung auf dem Marktplatz.

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