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Waffenhändler in Marburg gefasst

31-Jähriger soll Waffe für Amoklauf geliefert haben

Der mutmaßliche Verkäufer der Waffe des Amok-Laufs von München ist bei einem Scheingeschäft in Marburg gefasst worden. Der 31-Jährige wurde am Dienstagmittag gegen 14.30 Uhr in der Nähe des Marburger Busbahnhofs von einer Spezialeinheit des Zollkriminalamts festgenommen, wie die Generalstaatsanwaltschaft und das Zollfahndungsamt Frankfurt mitteilten.
Symbolfoto: In Marburg wurde heute der Mann festgenommen, der dem Amokläufer von München vermutlich die Tatwaffe geliefert hat.

Symbolfoto: In Marburg wurde heute der Mann festgenommen, der dem Amokläufer von München vermutlich die Tatwaffe geliefert hat.

© Jürgen Mahnke (dpa)

Marburg. Die Ermittler hatten dem mutmaßlichen Waffenhändler, der Ware im Darknet angeboten hatte, eine Falle gestellt. Bei der Anbahnung des Geschäfts habe der Mann gesagt, dem Amokschützen bei einem Treffen im Mai in Marburg die verwendete Pistole und vier Tage vor dem Amoklauf die Munition verkauft zu haben. Diese Angaben würden durch die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft München und des Bayerischen Landeskriminalamts gestützt.

Bei dem Scheingeschäft stellten die Ermittler am Dienstag die vereinbarte Maschinenpistole, eine Pistole und Munition zum Preis von insgesamt 8.000 Euro sicher. Der Mann habe zu seiner Eigensicherung in einem Schulterholster eine durchgeladene Pistole bei sich gehabt. Er wurde festgenommen. Sie nahmen auch eine Frau fest, ihre Rolle und die Identität sind aber noch unklar.

Zur Festnahme des mutmaßlichen Verkäufers der Amok-Pistole von München geben die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt und das Zollfahndungsamt Frankfurt am morgigen Mittwoch ab 10.30 Uhr eine Pressekonferenz (die OP berichtet).

Ermittlungen gegen einen 62 Jahre alten Buchhalter aus Nordrhein-Westfalen und gegen einen 17 Jahre alten Schüler aus Hessen hatten die Strafverfolger auf die Spur des Beschuldigten gebracht. Beide sollen Schusswaffen und Munition bei dem Mann gekauft und die Geschäfte über das Darknet angebahnt haben.

Ein 18 Jahre alter Amokschütze hatte am 22. Juli am Münchner Olympia-Einkaufszentrum neun Menschen erschossen und sich anschließend selbst getötet.

Beim dem Amoklauf des 18-Jährigen verletzten sich Dutzende Menschen unter anderem auch bei der Flucht. Klar ist den Ermittlern zufolge, dass der 18-Jährige wohl Sympathien für den rechtsextremen norwegischen Attentäter Anders Behring Breivik hatte. Auch habe er seinen Geburtstag am 20. April, derselbe wie von Adolf Hitler, als "besonders positives Schicksal" angesehen. Es gebe aber keine Hinweise, dass er in rechtsextreme Netzwerke verstrickt gewesen war.

In einem von dem 18-Jährigen verfassten mehrseitigen Schriftstück äußere sich dieser hauptsächlich über seine schulische Situation, sein örtliches Umfeld und seine psychiatrischen Erkrankungen, wie die Ermittler mitgeteilt hatten. "Vor dem Hintergrund der psychiatrischen Erkrankung des Amoktäters ist derzeit eine abschließende Bewertung, was reales Geschehen und was Fantasie des Täters ist, nicht möglich."

Fragen und Antworten zur Festnahme des mutmaßlichen Waffenhändlers

Wie lief die Festnahme ab?

Die Ermittler stellten dem verdächtigen Waffenhändler eine Falle und überführten den 31-Jährigen am Dienstag gegen 14.30 Uhr in Marburg bei dem Scheingeschäft. Dabei stellten sie die vereinbarte Maschinenpistole, eine Pistole und Munition zum Preis von insgesamt 8000 Euro sicher. Der Mann hatte in einem Schulterholster eine geladene Pistole bei sich. Er wurde festgenommen und sollte am Mittwoch dem Haftrichter vorgeführt werden.

Woher wissen die Ermittler, dass der Verdächtige die Amok-Waffe verkauft hat?

Bei der Anbahnung des fingierten Geschäfts hatte der Mann gesagt, dem Amokschützen die verwendete Pistole und die Munition bei zwei Treffen verkauft zu haben. Am 20. Mai war der Amokschütze den Ermittlungen zufolge mit einem Reisebus nach Marburg gefahren und hatte die Waffe von dem 31-Jährigen gekauft. Vier Tage vor dem Amoklauf fuhr der 18-Jährige erneut nach Marburg und kaufte die Munition: 350 Schuss. Die Angaben des Beschuldigten decken sich mit den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft München und des Bayerischen Landeskriminalamts zu Fahrtnachweisen und Chatverläufen.

Wie sind die Ermittler dem Waffenhändler auf die Spur gekommen?

Ermittlungen gegen einen 17 Jahre alten Schüler aus Nordhessen und einen 62 Jahre alten Buchhalter aus Nordrhein-Westfalen hatten die Strafverfolger auf die Spur des mutmaßlichen Waffenhändlers gebracht. Der Jugendliche und der Mann sollen Schusswaffen und Munition bei dem Waffenhändler erworben und die Geschäfte über das Darknet angebahnt haben. Bei dem fingierten Geschäft nutzten die Ermittler den Kontakt des Waffenhändlers zu dem Buchhalter.

Was wird dem Jugendlichen und dem Mann vorgeworfen?

Der 17-Jährige hat den Ermittlungen zufolge bei einem Treffen im Juli in Marburg ein Repetiergewehr und 157 Patronen zum Preis von 1.150 Euro von dem Waffenhändler gekauft. Beides wurde in der Wohnung der Eltern des Jugendlichen sichergestellt - zusammen mit drei anderen Gewehren, vier Revolvern, 175 Patronen und fünf Kilo Schwarzpulver. Der 62-Jährige soll bei einem Treffen mit dem Waffenhändler Anfang Juni in Marburg eine Pistole und 100 Patronen gegen eine andere Pistole und 97 Patronen getauscht haben. Waffe und Munition wurden in der Wohnung des 62-Jährigen im Regierungsbezirk Arnsberg sichergestellt.

Wie haben der Waffenhändler und die Käufer Kontakt aufgenommen?

Die Geschäfte und Treffen sollen über einschlägige Internetforen im sogenannten Darknet (Englisch: dunkles Netz) zustande gekommen sein. In dem verborgenen Teil des Internets nutzten sie das Verschlüsselungsprotokoll «Bitmessage». Dabei ist nur der Adressat in der Lage, die Nachricht zu entschlüsseln. Der Zugang zum Darknet ist nur über eine Anonymisierungssoftware möglich. Die bekannteste ist die kostenlose Software «Tor».

Wie weit sind die Ermittlungen zu dem Amoklauf vom 22. Juli?

Die bayerischen Ermittler gehen mehr als 3100 Hinweisen und Spuren nach und werten weiterhin Chatprotokolle aus. Die Identifizierung aller Chatpartner ist noch nicht abgeschlossen. Mehr als 250 Zeugen wurden inzwischen vernommen. Hinweise auf Helfer oder Mitwisser gibt es bislang nicht. Die Motive des 18-Jährigen sind aber auch noch nicht abschließend geklärt.

Hintergrund "Darknet"

Im sogenannten Darknet (englisch für "dunkles Netz") können sich Internetnutzer anonym bewegen. Der nur über Anonymisierungsdienste erreichbare Bereich des Internets wird etwa von Kriminellen genutzt, aber auch von Menschen, die viel Wert auf Privatsphäre legen oder in einem repressiven politischen System leben. Zugangsvoraussetzung ist eine Anonymisierungssoftware, etwa die kostenlose Software "Tor".

Damit werden Datenpakete nach dem Zwiebelschalenprinzip - der ursprüngliche Name "TOR" stand für "The Onion Router" - zwischen Tor-Servern verschlüsselt weitergeleitet. Jeder Server kennt so nur seinen Vorgänger und seinen Nachfolger, aber nicht die gesamte Ende-zu-Ende-Verbindung. Damit wird die IP-Adresse des Nutzers getarnt.

(dpa)


Die Falle schnappt am Busbahnhof zu Am Dienstagabend wurden Einzelheiten über die Festnahme des Mannes bekannt, der dem Amokläufer von München die Waffe geliefert haben soll. mehr
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